Das Spiel von Berater und Kunde: Der gute Draht in der Beratung

In den Ausbildungseinheiten, die man am Institut für Provokative Systemarbeit genießen kann, wird stets die Wichtigkeit des guten Drahts in der Beratungsarbeit betont. So sehr, dass einige von uns es schon kaum mehr hören wollen.

Die Frage, ob man einen guten Draht in Beratungsbeziehungen „herstellen“ kann, hat spannende Seiten. Einmal, so lehrt es uns die Bibel drastisch-nachhaltiger Veränderungen (Alan Deutschman’s „Change or die“), scheint es hier durchaus personale Grenzen zu geben, die man als Berater besser einfach akzeptiert.

Zum Anderen scheint es durchaus Spielräume zu geben, also besseres oder schlechteres Verdrahten. Das Bewusstsein, dass das ein eigener Akt oder „Teil der Arbeit“ ist, scheint hier einen nicht ganz unbeträchtlichen Unterschied zu machen zwischen Beratern, die in den guten Draht bewusst investieren, und Beratern, die hier kein To-Do sehen.

Erstere könnte man unfreundlich „die Manipulativen“ nennen, während man die Zweiteren freundlich „die Sachlichen“ nennt.

Oder man könnte Erstere freundlich „die Wirksamen“ nennen, während man die Zweiteren unfreundlich „die Prediger in der Wüste“ nennt.

Der spannendste Aspekt am guten Draht in der Berater-Kunden-Beziehung scheint aber zu sein, dass der Draht zwei Enden hat. Diese scheinbar banale Implikation des Bilds hat Folgen, die „operativ“ in Beratungsprozessen nur all zu gerne aus dem Bewusstsein von Beratern verschwinden…

Wie aber stellt man den nun eigentlich einen guten Draht her, gesetzt, dass er sich denn tatsächlich „herstellen“ lässt?

Die einfachste und naheliegendste Variante scheint das „Aktive Zuhören“ zu sein. Ein ebenso griffiges wie detailliertes Manual dazu findet man in Thomas Gordon’s Buch „Gute Beziehungen“: Das Paraphrasieren des Gesagten in eigenen Worten vermittelt dem Kunden im Idealfall das Gefühl, gehört und verstanden zu werden und steigert seine Bereitschaft, im Anschluss auch Schmerzhaftes oder Angstauslösendes zu hören – anstatt reflexhaft „dicht zu machen“.

Im noch idealeren Fall liegt man mit seinen Berater-Paraphrasen aus Kundensicht grob daneben, und der Kunde erhält so Gelegenheit, sich gegen die Rekonzeptualiserungen des Beraters zu wehren und den Berater in seinem Missverstanden-Haben zu korrigieren. Idealer ist das auch deswegen, weil dadurch neue Aspekte das Licht der Beratungssystem-Welt erblicken und neuen „Behandlungen“ zugänglich werden. Potentiell: Ohne dass darüber die Beziehungsebene geschädigt wird. Die Beziehung bleibt intakt, solange ein Berater mit den Korrekturen „umgehen kann“ oder sich sogar über sie freut. – Eine Zumutung für konzeptfixierte Berater, die an dieser Stelle im Beratungsprozess oft ihre Kunden verlieren, ohne diesen für sie vernachlässigbaren Verlust überhaupt mitzukriegen.

Soweit so zahm. In der provokativen Beratung ist solch braves Spiegeln eher verpönt. Sie stellt daher erhöhte Anforderungen an den guten Draht zwischen Berater und Kunden. Die provokative Beratung braucht einen Draht, der auch höhere emotionale Volten überträgt, ohne dabei eben mal durchzuschmoren.

… Und hier kommen nun die zwei Enden des guten Drahts der Beratung ins Spiel. Viele von uns Beratern neigen dazu, nur das Ende des Kunden im Blick zu haben. Also die Frage zu stellen: Was muss ich wann wie dem Kunden signalisieren, damit er mir nicht abschmiert? Damit er mich nicht innerlich rauswirft, wenn nicht vielleicht sogar äußerlich? Damit er mich nicht einfach für ein besserwisserisches, naseweißes, sadistisch-arrogantes Arschloch hält?

Seltener wird nach dem anderen Ende gefragt: Was brauche ich als Berater, um in der aktuellen Beratung eben kein besserwisserisches, naseweißes, sadistisch-arrogantes Arschloch zu sein?

Hier hat die provokative Schule ein paar spannende Ansätze. Ihre eben so überraschende wie einfache Antwort lautet: Um keine Energie bei Versuchen zu verlieren, die eigene Arschlöchrigkeit zu vertuschen, muss der Berater seinen Kunden tatsächlich mögen.

Nun ist bekannt, dass wir zwar tun können, was wir wollen, aber nicht wollen können, was wir wollen. Insofern kann gefragt werden, ob diese Anforderung nicht purer Unsinn ist? – Die Antwort ist wie so oft: Fokussierung. Nur in diesem Fall nicht die Fokussierung des Kunden durch den Berater, sondern die Fokussierung des Beraters durch den Berater. Wie beim Thema Führung allgemein beginnt auch die Fähigkeit zur Prozessführung mit Selbstführung.

Mit anderen Worten: Wir können uns als Berater fokussieren auf das, was wir an unseren Kunden bewundern, mögen, was an ihnen positive Gefühle bei uns auslöst. Das können durchaus auch Äußerlichkeiten sein. Das können versteckte oder offene Gemeinsamkeiten sein. Das kann auch die nackte Bewunderung dafür sein, was der Klient in seinem bisherigen Wahnsinn geschultert hat und auszuhalten bereit war.

„Liebe ist eine Entscheidung“. – Das scheint auch in der Beratung zu gelten. Es geht dabei wohlgemerkt nicht um Selbstbetrug: Nicht darum, sich schönzudenken, was einen in Wahrheit abstößt. Nicht darum zu übersehen, was am eigenen Kunden auch noch alles so drum und dran ist an absurdem Denken und problematischen Verhaltensweisen. Es geht schlicht und einfach darum, über das Problematische den Kunden in seiner Großartigkeit und in seinem Reichtum komplett zu übersehen, da das als problematisch Beschriebene die Beratung bestimmt. Und in keiner Beratungsform tut es das auf der verbalen Ebene so offensiv, wie in der provokativen Beratung.

Dasjenige Ende des guten Drahts, auf das ein Berater nicht nur in den provokativen Formen von Beratung besonders gut achten muss, ist nicht die Wahrnehmung der Fremdwahrnehmung durch den Kunden, sondern die Selbstwahrnehmung des Beraters bei seiner Wahrnehmung des Kunden. – Man merkt vielleicht: Beratung ist eine kognitiv wie emotional recht anspruchsvolle Praxis.

Erst wenn das Berater-Ende vom Berater gut versorgt wird, kommt die Frage ins Spiel, ob der Kunde denn auch wahrnehmen kann, dass er gerade gemocht wird? Und wie der Berater dazu beitragen kann, dass dieses sein Mögen die Wahrnehmungsgrenzen und Bewusstseinsschranken des Kunden durchdringt? Der Kunde ist ja im Idealfall „ganz bei seinem Problem“ und schlägt sich trotz aller Relevanz für den Beratungsprozess in seinem Bewusstsein kaum mit der Frage herum, ob der Berater ihn gerade mag oder eben nicht. – Und all das ohne eine eklige Schleimspur zu hinterlassen oder bis zum Anschlag im Allerwertesten des Kunden zu landen?

Provokativ löst sich dieses Problem durch ein offensives Umarmen dessen auf, was man manchmal unschön „Kognitive Dissonanz“ nennt. Eine freundlichere Bezeichnung wäre z.B. das Wort: Spielerisch. Humorvoll. Mit zahlreichen Brechungen, Überraschungen und gezielten Irritationen.

Während auf der verbalen Ebene alle Schleusen der Hölle geöffnet werden, die der Kunde sich in seinem Alltag selbst bereitet, signalisiert der Berater auf der Körperebene seine radikale Bejahung und Annahme des Kunden. Eine radikale Annahme, die wohlgemerkt vorher vom Berater bewusst hergestellt wurde, v.a. dort, wo sie sich nicht von selbst einstellt oder wo sie dem Berater während des Beratungsprozesses abhanden kommt.

Das hat Grenzen: Dort, wo es dem Berater nicht möglich ist, seinen Kunden zu mögen und ihm jegliche von ihm gewünschte Veränderung zuzutrauen, lässt er besser die Finger von provokativen Interventionen. – Frei nach dem Motto: „Menschen vergessen, was Du ihnen gesagt hast, aber sie vergessen niemals, welche Gefühle Du in ihnen ausgelöst hast“ tut man sich als Berater selten einen Gefallen, wenn man auf Kunden provokativ losgeht, die man – aus welchen Gründen auch immer – gerade nicht in sein Herz schließen kann.

Möglicherweise lässt man in so einer Situation besser nicht nur provokativ, sondern ganz generell die Finger von einem Kunden. Zu viele Berater beraten Kunden, die sie beim besten Willen nicht mögen können.

 

 

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Einige Anmerkungen zu Spiel und Spielen

Was das Thema Spielen angeht, wirke ich möglicherweise etwas schizophren auf einige meiner Mitmenschen. Einerseits bin ich ein echtes Spielkind, das – wenn der sogenannte Ernst des Lebens es zulassen würde – sein Leben am liebsten und ausschließlich mit Spielen verbringen möchte. Zugleich neige ich zu allzuentschiedener Ernsthaftigkeit auch dort, wo andere sich leicht tun, ins Spielerische zu verfallen. Ein kleiner ausgewachsener Sheldon Cooper lebt allem Anschein nach auch in mir.

In David Graeber’s schönem Machwerk „Bürokratie“ findet sich zum Thema eine spannende Differenzierung, die mir vorher noch nirgendwo in dieser Form begegnet ist:

Spiel/Spielen

Folgt man Graber, so besteht „Spielen“ darin, dass man beim Handeln neue Regeln erfindet, die man ebenso schnell wieder verwirft. Als Beispiel nennt er das Spielen von Kindern, gerade dann, wenn Erwachsene nicht dabei sind. – Wer eine anschauliche Bebilderung dazu braucht, was Graeber damit meinen könnte, kann vielleicht nach längerer Zeit mal wieder in Michael Endes „Momo“ reinschauen. In den Anfangskapiteln des Buches findet sich eine recht ausführliche Beschreibung, wie sich das gestalten kann und vor allem: Wie sich das anfühlt.

„Spiel“ besteht dagegen gerade in Regelbefolgung: Es macht mäßig Spaß und mäßig Sinn mit jemandem Skat, Monopoly oder Mensch-Ärger-Dich-Nicht zu spielen, der nach Gusto die Regeln ändert, wie es es ihm gerade genehm ist. Von meinem Lieblingsspiel Schach ganz zu schweigen. Verfährt allerdings nicht nur ein Spieler so, sondern alle beteiligten „Mitspieler“, dann könnte…

Die Differenzierung, die Graeber hier vornimmt, erscheint mir überaus ergiebig und viel herzugeben für unseren Alltag, für das, was wir im engeren Sinne „Politik“ nennen und genauso für unser unternehmerisches Handeln, miteinander (!) gegeneinander (?).

Graeber’s Gedanke lässt sich in viele Richtungen modifizieren. Um nicht zu sagen: Es bietet sich an, mit der Unterscheidung von Spiel/Spielen zu spielen:

Denn noch interessanter als die Version in „Bürokratie“ erscheint mir folgende Variante der Unterscheidung:

„Spielen im Spiel“ = Regeln befolgen

vs.

„Spielen in dem Spiel, das wir Realität oder wahres Leben nennen“ = Regeln bewusst verlassen, mit den Regeln und den daraus resultierenden Erwartungen anderer Menschen spielen, so dass diese dabei nicht geschädigt oder verletzt werden

Diese Unterscheidung korrespondiert mit der von Arthur Koestler, die Vera F. Birkenbihl in ihrem Vortrag über „Humor in unseren Leben“ erläutert:

Assoziation / Bisoziation

Während wir bei der Assoziation Naheliegendes regelgeleitet oder eben „logisch“ verknüpfen, verknüpfen wir bei der Bisoziation Fernliegendes und machen es „künstlich“ zu naheliegendem. Jeder Witz, jede Entdeckung und jede noch nicht ganz tote Metapher lebt von diesem Verfahren.

Die Assoziation ist der Modus des philosophischen Bierernstes. Die Bisoziation ist der Modus des Narren, des betrunkenen Freigeists, des Flirts und anderer liederlicher Gesellen…

– Was auch die scholastische Herabwürdigung des menschlichen Humors in neuem Licht erscheinen lässt: Humorlosigkeit als „technische“ Daseinsbedingung logischen Vorgehens. Wo Humor herrscht, wird der logische Fortschritt des Gedankens empfindlich oder sogar vorsätzlich gestört. Philosophische oder der Philosophie ausgekommene „Methoden“ aller Art sind daher die Agenten der entschiedenen Humorlosigkeit in unserer Welt.

Dies bringt uns – wieder einmal – zu Frank Farrelly, dem Fürsprecher des derben Humors als Methode: In seinem Buch „Provokative Therapie“ spricht er davon, dass es die Spiele der Erwachsenen auszeichnet, dass sie dazu neigen, allzu schnell in überaus ernsthafte Fahrwasser zu geraten. – Erwachsenwerdung als Prozess der Verhärtung und systematischen Entlernung von Humor. Was einst „Spielen“ war, wird dem erwachsenen Menschen schnell zum „Spiel“, bei dem man sich an die Regeln zu halten hat. Lustvolle Interaktion zwischen Menschen wird so, sagen wir mal: Nicht ganz einfach.

Und unser Freund Marshall Rosenberg sagt dazu, in einem überaus ernsthaften Kontext by the way: „Don’t do anything that isn’t play.“

In welchem Sinne er das gemeint haben könnte, darauf darf sich gern jeder selbst einen Reim machen.

Umbesetzungen: Alte Begriffe mit neuen Inhalten aufladen

Immer wieder mal habe ich Gespräche mit mir lieben Menschen, die mit Nachdruck versuchen, alte Begriffe bewusst mit neuen Inhalten zu besetzen. Begriffe wie „Führung“, „Karriere“ oder „Autorität“.

Als philosophisch verdorbener Mensch würde ich dann am liebsten immer einfach sagen: „Schau Dir doch mal an, was Hans Blumenberg in seinen Metaphorologien dazu vorführt.“ – Leider sagt das kaum jemandem etwas.

Und das nicht von ungefähr: Der Ideengeschichtler Blumenberg schrieb noch zu einer Zeit, in der es üblich war, seine akademische Autorität durch umfassende Bezugnahme auf das Lateinische und Altgriechische abzusichern. M.a.W.: Sein Schreibstil ist nach heutigem Empfinden irgendwas zwischen furchtbar anstrengend, schrecklich blasiert und ungenießbar.

Das ist schade. Denn Blumenberg überblickt 2400 Jahre Ideen-Transformationsgeschichte in Europa und hat zum Thema Begriffswandel einiges zu sagen. Tief vertraut mit antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Philosophie verfolgt er die Umbesetzungen von Begriffen, Konzepten und Denkformen durch die europäische Geistesgeschichte. Dabei vollzieht er sowohl ihre Wandlungsfähigkeit nach als auch ihre Stabilität, indem er als Kenner der Materie „gezielte Stichproben nimmt“, die über diesen gesamten Zeitraum verteilt sind. Wenn man sich mit dem Wandel des Denkens beschäftigt, ist an Blumenberg eigentlich kein Vorbeikommen. Wenn da eben nur nicht seine Schachtelsatz-Fremdwort-Sprache wäre, die höchstens ein vertrocknetes Philologen-Herz höher schlagen lässt.

Bei seinen Studien weckt Blumenberg erhebliche Zweifel, ob „das menschliche Denken“ so bilderbefreibar ist, wie sich das gerade die anspruchsvollsten unter den Theoretikern sich und anderen immer wieder eingeredet haben.

Mit der Blumenbergschen Metaphorologie im Nacken bekomme ich den Eindruck: Begriffe haben ihr Eigenleben, sie können sich gegen Umbesetzungen wehren. Sie tun das, indem sie auf unseren Bilderspeicher im Unbewussten zurückgreifen. Dabei sind manche Begriffe sicher stärker geankert und emotional aufgeladen als andere.

Würde man mich ohne den systematischen Einsatz von Neuro-Scannern und soliden statistischen Methoden raten lassen, so sind es gerade die Begriffe, die meine Freunde gerne inhaltlich umbesetzen möchten, die eine besonders hohe emotionale Ladung mit sich führen – und daher weitgehend resistent gegen ihre inhaltliche Veränderung sind.

Mit Blumenberg im Gepäck erscheinen mir die Versuche weitgehend naiv, aus „Führung“, „Karriere“ und „Autorität“ etwas anderes machen glauben zu können als das, was unser Unbewusstes bildlich mit diesen Wörtern verbindet.

Einfach mal umdefinieren, einfach mal anders verstehen: So arbeitet „unser Geist“ nicht. Und so arbeitet daher auch die Begriffsgeschichte nicht, inklusive der wunderbaren Wandlungsfähigkeit der Wörter. Solcher „Inhaltsaustausch“ ist in der Regel das Ende von Veränderungsprozessen, die ganz anderswo ihren Ausgang genommen haben als „im Begriff“. Beginnt man bei Veränderungen in guter alter philosophischer Manier bei der „Begriffsarbeit“, so sind das in psychologischer Hinsicht Versuche, das Pferd von hinten aufzuzäumen: Äußerst beschwerlich und selten erfolgreich. Bei allem bewundernswertem Heroismus, den das auch an sich hat, so ist es doch an erste Stelle vor allem eins: Etwas ungeschickt.

Weitaus effektiver und auch menschennäher erscheinen mir daher Strategien, die erstmals Nietzsche exzessiv vorführt und die man beispielsweise bei Richard Rorty in zahmerer Form reflektiert findet: Strategien, die im bewussten Verzicht auf den Gebrauch bestimmter Begriffe bestehen, in offensiven emotionalen Verschiebungen, die direkt das Unbewusste adressieren. – Rorty spricht dabei, z.B. in „Ironie, Kontingenz und Solidarität“, von „unseren abschließenden Vokabularen“ und meint dabei Worte, auf die wir in den von uns bevorzugten Sprachspielen nicht verzichten wollen und die uns daher als Basis für unsere kreative Infragestellung und offensive Verschiebung anderer Sprachspiele dienen.

Ich denke, gerade die Beispielworte „Führung“, „Karriere“ und „Autorität“ haben für viele heute lebende Menschen eine große hypnotische Kraft: Sie öffnen Tore zu ganzen und ganz bestimmten Lebenswelten und Lebenskonzepten.

Den Bann dieser sprachlich induzierten Hypnosen brechen zu können würde zumindet ich mir nicht zutrauen. Das Risiko, selber von diesen Worten in Bereiche gebannt zu werden, in denen ich mich persönlich nicht mehr bewegen möchte, wäre mir einfach zu hoch.

Die Sorge, die viele meiner Freunde umzutreiben scheint, die trotz dieses hohen Risikos weiter an inhaltlichen Umbesetzungen von Begriffen arbeiten, ist allem Anschein die Sorge nach dem Verlust von Anschlussfähigkeit an Menschen, die diese Begriffe mit ihren alten, vertrauteren Inhalten gebrauchen.

In der Verschiebung und Neubesetzung der Begriffe dient dann das Wort selbst als Scharnier der Verschiebung, frei nach der Devise: „Schau her, ich schlage neue Funken aus dem, was Dir viel bedeutet.“

Das kann man probieren. Stand heute würde ich aber behaupten wollen, dass man mit diesem Verfahren außer einem ersten Kopfnicken, dass das überraschende Neue immer erst einmal auslöst, weil es schlichtweg „erfrischend für’s Hirn ist“, keine weitere Wirkung auslösen kann. Die bild- und erfahrungsgeerdete Beharrungskraft der Inhalte schreibt die „neue Position“ auf eine reine Ausnahme fest, die bei ihren Adressaten eher Verzweiflung als Handlungsfähigkeit auslöst. Ein neues Ideal entsteht, an dessen Realisierung man wegen den gleichzeitigen Widerständen im Innen (Unbewusstes, Bilderwelt, Frames) und Außen (derzeitige soziale Realität, Erwartungen anderer) scheitern muss. An guten Tagen können wir uns durchaus sehr erfolgreich gegen eines von beiden stellen und weiterentwickeln. Aber niemals können wir bei Veränderungen erfolgreich sein, wenn wir gleichzeitig gegen Widerstände in unserem Innen und in unserem Außen arbeiten müssen. Wir sind Menschen, keine Götter.

Viel geeignetere Scharniere finde zumindest ich daher in der persönlichen Beziehung zu Klienten, in denen nicht unsere gemeinsamen Worte, sondern ich selbst zum Umschlagpunkt einer Verschiebung werden darf, die dazu führt, dass meine Kunden am Ende gar keinen Bedarf mehr für den Gebrauch von Begriffen wie „Führung“, „Autorität“ oder „Karriere“ haben.

Begriffsverschiebungen werden nicht durch Begriffsverschiebungen erreicht, sondern durch vorbegriffliche, emotionale Erfahrungen. Erfahrungen, wie wir sie zumeist in emotional aufgeladenen Beziehungen machen. Solche Beziehungen können wir bewusst herbeiführen. Oder genauer: Offensiv anbieten.

Das funktioniert nach meinen bisherigen Erfahrungen recht gut, ganz überwiegend.

Die Anschlussfähigkeit stellt dabei das aufrichtige Wohlwollen her, das von Kunden vor allem körperlich wahrnehmbar ist (- ich danke an dieser Stelle vor allem Noni Höfner für ihre diesbezügliche Klarheit und Überzeugungsarbeit).

Die Anschlussfähigkeit im körperfreien Raum über reine Begriffsarbeit herstellen zu wollen, während man zugleich an der Veränderung der gleichen Begriffe arbeitet – so wie es die Theoretiker aller Zeiten tun – wirkt demgegenüber wie ein Versuch, das Gaspedal voll durchzudrücken, während man gleichzeitig auch voll auf der Bremse steht: Das was sich ändern soll (die Begriffe) ist gleichzeitig das, was die unveränderliche Basis für die Beziehung bieten soll, die wiederum die Basis für die angestrebte Veränderung bieten soll, die für den, der sich da ändern soll, zunächst eine Zumutung ist.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber mir kommt es so vor: Für den Menschen, der der Kunde ja auch ist, ist das, was man auf diese Weise versucht, eine unerfüllbare Zumutung. Und auch in der guten Selbstsorge als Berater würde ich sagen: Den Ast, auf dem man gerade sitzt, schneidet man besser nicht ab.

Wer Begriffe ändern möchte, sollte viel Respekt vor der Beharrungskraft der Begriffsinhalte in seinem Gegenüber haben. Und er sollte anderes als Scharnier der Veränderung nutzen als eben jene Begriffe, auf deren Neubesetzung er zielt.

Ist diese Praxis etabliert und gut eingeübt, verschiebt sich aber die Veränderungsarbeit ohnehin: Sie ist dann weniger eine Arbeit hin auf bestimmte Begriffe und bestimmte inhaltliche Umbesetzungen. Sondern eher ein Ausgang von den Begriffen, die der Kunde gerade nutzt, die in ihrem Gefängnis-Charakter aufgebrochen, erschüttert und aufgeweicht werden, so dass sich der Kunde selbst wieder neue Begriffe suchen kann.

Also mehr Weg-von-Begriffen-Arbeit als Hin-zu-bestimmten-Begriffen-Arbeit.

Generell halte ich gute Beratungsarbeit mittlerweile für eine Hilfestellung bei der Selbstverteidigung des Klienten gegen seine eigenen Konzepte, in denen er aufzugehen droht. Vollidentitifikation mit was auch immer ist unwausweichlich eine Unterbietung der menschlichen Möglichkeiten.

Emphatischer Gesprochen: Gute Beratung ist eine Verteidigung des Lebens gegen seine eigenen begrifflichen Gefängnisse, in denen es sich sicher fühlt und in denen es mit der Zeit zu ersticken droht.

Gute Beratung ist nie der Bau neuer Gefängnisse, sondern immer nur Beihilfe zum Ausbruch.

Und als Philosophen, die wir alle ja nebenberuflich auch noch sind, können wir sagen: Das Denken nimmt seinen Ausgang bei den gemeinsamen Begriffen. Es endet nicht in ihnen.

Und das gilt dann eben auch für gemeinsames Nachdenken. So nachvollzogen kann es unmittelbar eingängig sein, dass die Gemeinsamkeit im „Gemeinsamen Nachdenken“ keine Gemeinsamkeit des Begriffs bleiben kann, auch wenn sie darin möglicherweise einen ihrer Anfänge nimmt.

Wir brauchen Gemeinsamkeiten jenseits des gemeinsamen Verständnisses der Worte, um gemeinsam nachdenken zu können.

Wir brauchen Gemeinsamkeiten jenseits der Worte, um gemeinsam unser Verständnis unserer Worte verändern, austauschen, umbesetzen und neu aufladen zu können.

In jedem Fall aber brauchen wir einander, um uns hinsichtlich unserer Konzepte verändern zu können. Ein Mensch allein verändert sich nicht. Er baut nur zusätzliche Trakte in seinen immer prächtiger werdenden Gefängnisbau.

Perspectives of hell

Catholicism: There’s hell after life, but if you’re doin the magic things I tell you, an may it be on your last day on earth, you can avoid going there. For sure!

Protestantism: Only God decides if you’re going to hell or not. But life’s hell anyway. So work hard all the time without rest, without thought, without mercy, and we’ll know from this how God has jugded in your case.

Buddhism: You’re already in hell right here right now. But there’s this tiny little door where you can leave this hell, when you’re ready to sacrifice „you“.

Atheism: There’s no hell, neither on earth nor after life. But this won’t help you to feel better, anyway.

Islam: Obey or I give you hell.

Taoism: Tryin to make something heaven brings you to hell. But there’s some little spot of heaven in every hell.

Agilism: Waterfall and seeing agile as a method will let your company burn in hell until the day it’ll go bankrupt.

Trumpism: Not being the center of attention would be hell. Hell is for losers. Can’t make a deal with the devil. Just can’t do it. So sad. Period.

Pastafarianism: When was the last time I’v seen a real pirate cursing like hell?

Meism: What the hell!?

 

Verbundenheit herstellen / Entfremdung herstellen – und „Wir“

Verbundenheit und Entfremdung sind herstellbar. Wir können sie herstellen, wann immer uns danach ist.

Ein zentraler Baustein bei diesen Herstellungsprozessen ist unser „Wir“. Also das, was wir manchmal etwas aufgeblasen „Inklusion / Exklusion“ nennen.

Wir können uns das so vorstellen: Für Wesen, wie wir es sind, ist „Zugehörigkeit“ nicht nur ein zentraler Überlebensfaktor, sondern davor noch ein zentraler Lust- und Schmerzfaktor.

Da dieser „Schalter“ in jedem von uns angelegt ist (für Näheres fragen Sie Ihren Neurobiologen oder Apotheker), ist es uns nahezu unmöglich, diesem Schalter in unserem Alltag auszuweichen – oder der Versuchung zu widerstehen, diesen Schalter bei anderen Menschen nicht zu nutzen.

Wir senden also permanent Zugehörigkeitssignale und Ausschluss-Androhungen, oft, ohne uns dessen bewusst zu sein. Oft auch ohne uns klar zu machen, welche weitreichenden Folgen das für unseren Gesprächs-, Handels-, Interaktions-, Sex- oder Beziehungspartner das hat. – Und eben für die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten in unserer gemeinsamen Beziehung.

Verbundenheit stellen wir her, indem wir dem Anderen signalisieren: „Egal, wer Du bist, egal, was Du für Eigenschaften Du hast, egal, was Du tust: Du bist einer von uns. Du gehörst in die gleiche Gruppe wie ich. Du bist Teil meines „Wir“. Du genießt meinen Schutz, meine Anteilnahme. I care about you!“

Entfremdung stellen wir her, indem wir dem Anderen signalisieren: „Wenn Du Dich so und so verhälst, wenn Du so oder so bist, dann gehörst Du nicht zu meiner Gruppe. Dann bist Du kein Teil meines „Wir“. Dann bist Du keiner von uns. Du bist dann ausgestoßen und kannst schauen, wo Du bleibst. Tu, was ich von Dir will, dass Du tust – or I give a goddamn fuck about you!“

Oder wer’s gern kürzer hat: Die unbedingten bzw. bedingten Liebesbotschaften aus der guten alten Transaktionsanalyse.

Sobald wir hinreichend „Wir“-Signale verschickt haben, die auch beim Anderen angekommen sind, sind uns Dinge erlaubt, die der Andere keinem anderen Menschen ansonsten durchgehen lassen würde. – Für diesen Sachverhalt verwende ich gern folgendes Bild: Wenn die Brücke steht und wenn sie gut gebaut ist, dann kann auch ein 40t-LKW darüber fahren, ohne dass die Brücke zusammenkracht. Ist die Brücke dagegen nur bis zur Hälfte gebaut, ist sie wacklig, porös, brüchig oder morsch, dann können wir nicht einmal ein kleines Spielzeugauto darüber fahren lassen, ohne dass das ganze Gebilde: Unsere Beziehung zusammenbricht.

Wir-Signale schicken wir auf 3 Ebenen:

1. Mit unserer Körpersprache. – Diese „Technik“ wird u.a. in der Provokativen Beratung intensiv genutzt. Sie ist sehr effizient, denn sie triggert die gleichen tieferen Schichten, denen eben auch „Zugehörigkeit“ und „Emotionale Geborgenheit“ so überaus wichtig sind.

2. Mit unserer Sprache und unseren verbal oder bildlich vermittelten mentalen Konzepten. – Diese Brücke ist wesentlich dünner als die meisten annehmen. Zu viele Unterschiede sind möglich. Und das Unbewusste, das Limbische System, unser Inneres Kind oder wie auch immer man jene Instanz nennen mag, die hier eigentlich entscheidet, ob Verbundenheit ensteht oder eben nicht, versteht die meisten dieser Unterschiede schlichtweg nicht. In der Regel fühlt es sich vor den Kopf gestoßen, irritiert, enttäuscht. – Ihm fehlt die „Wärme“, die es braucht, um Vertrautheit wahrzunehmen und aufzubauen.

3. Mit unserem Sein. – Diese Ebene entzieht sich unserer Manipulierbarkeit. Sie ist nur schwer unterscheidbar von jenen beiden anderen Ebenen: Verbaler-konzeptioneller und non-verbaler, körperlicher Kommunikation. Wenn man sie par tout von diesen beiden unterscheiden will, könnte man sagen: Sie ist eben jener Teil davon, der sich unserem unmittelbaren, bewussten Einfluss entzieht. – Und vor allem dieser Teil ist es, der in anderen Menschen Vertrautheitsgefühle und ein tiefes Gefühl der Verbundenheit weckt. Das bedeutet im Endeffekt: Es gibt eben doch „Grenzen der Verbundenheit“. – Wir können nicht für jeden Menschen zu jedem Zeitpunkt ein „Nicht-Fremder“, „Einer von uns“ sein. – Das mag banal klingen oder für viele Menschen keine Einsicht, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Für mich ist es das jedoch nicht. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der wir in unseren Städten, in unserem Berufs- und Privatleben ständig mit der Gegenwart uns fremder Menschen konfrontiert sind, sind wir darauf angewiesen, schnell Vertrautheit und Verbundenheit aufbauen zu können.

Es ist wichtig wahrzunehmen, dass diesen Herstellbarkeiten „natürliche Grenzen“ gesetzt sind: Wir können durchaus mit mehr Menschen ein „Wir“ bilden als uns in vielen Situationen bewusst ist. Oft fehlt uns einfach die Kraft, die Zeit, die Muße, die Lust, hier und jetzt das in Beziehungen zu investieren, was prinzipiell möglich wäre. Oder wir glauben: „Es geht ja auch so. Ich muss mich hier beziehungsmäßig nicht sonderlich anstrengen oder besonders aufmerksam sein.“

Aber selbst wenn wir uns entschließen, hier viel zu investieren, uns so weit wie nur gerade möglich auf jenes situative Wir: „Ich und der Andere“ einzulassen und einzustellen, selbst dann stoßen wir an eine Grenze:

Nicht jeder kann uns jederzeit als „eine(r) von uns“ anerkennen. Der Andere oder etwas im Anderen entscheidet mit, ob er uns gerade in seine Wir-Gruppe aufnimmt oder eben nicht.

Und dann ist es oft besser, das Weitere zu suchen. Nicht für alle Zeit. Aber für den Moment. Wir können immer nur situativ schauen, was gerade mit dem Anderen möglich ist: Ob er gerade „einer von uns“ sein kann für uns. Und ob wir gerade „einer von uns“ sein können für ihn.

Wollen wir aber nach Möglichkeit Verbundenheit stärken und Entfremdung abbauen, so werden wir viel ausprobieren, um jenes für gute Beziehungen notwendige „Wir“ herzustellen. Wir werden nicht bei der ersten Ernüchterung und beim ersten Schmerz aufgeben. Wir werden die Kunst der bewussten Beziehungsgestaltung erlernen und immer weiter verfeinern: In ihrer Vielschichtigkeit und ganz eigenen Komplexität. Wir werden unsere Beziehungsfähigkeit und die Vielfalt unserer Beziehungsangebote an Andere nach und nach ausweiten.

Immer im Bewusstsein, dass auch diesem Feld: Im Feld bewusster Beziehungsgestaltung Grenzen gesetzt sind, was wir gerade bewusst gestalten können und was gerade einfach „ist wie es ist.“

Unser Problem mit bedingungsloser Liebe

Bei Arno Gruen finden wir eine Gesellschaftsbeschreibung, die zugleich eine Beschreibung der Psyche des modernen Menschen ist, ihrer Entwicklung und ihrer Mechanismen. Diese Beschreibung halte ich für ziemlich hilfreich, um zahlreichen Missverständnissen gezielt aus dem Weg zu gehen, in die wir uns ansonsten oft verwickeln, wenn wir über den Zusammenhang „Einzelner Mensch und Gesellschaft“ sprechen.

Auf den Punkt gebracht, schickt uns Gruen auf eine Reise, in der wir die heilsamen Wirkungen bedingungsloser Liebe neu entdecken und zugleich auch unsere gesellschaftlichen Institutionen weiterentwickeln können. Für die Veränderung gesellschaftlicher Institutionen gibt Gruen’s Denken einiges her, weil es uns ein hilfreiches Kriterium zur Verfügung steht, auf das hin wir unsere Institutionen  untersuchen können: Inwieweit sie unsere natürliche Liebesfähigkeit blockieren und wie sie verändert werden können, damit sie das nicht mehr oder in geringerem Ausmaß als bisher tun. – Ohne ein solches Kriterium gleichen gesellschaftliche Reformen einem haltlosen Tasten ohne Sinn und Ziel. Wir werden ohne ein solches Kriterium ständig von Neuem und Anderem abgelenkt, von verschiedensten „Reform-Moden“, weil uns ein klarer Fokus fehlt, worum es uns bei all dem Experimentieren und Reformieren eigentlich überhaupt geht und was genau eine Verbesserung darstellt und was nicht.

Soweit so produktiv.

Der Ansatz, die Kultivierung zwischenmenschlicher Empathie oder genauer: Die Nicht-Weiter-Kultivierung von Empathie-Blockaden als Allheilmittel für nahezu alle gegenwärtigen Probleme anzunehmen, führt uns zugleich in ein sehr unmittelbar spürbares Problem hinein:

Die Ausbeutbarkeit wohlwollenden Verhaltens, manchmal auch „Trittbrett-Fahrer-Problem“ (Free rider problem) genannt. Ein Problem, das so alt zu sein scheint wir die sesshafte und grundbesitzende Gesellschaft. Und es kann einen bedenklich stimmen, dass gerade eine apokalyptische, also weltverneinende Religion wie das Frühe Christentum die Lehre von der Bedingungslosen Liebe hochhält. In der Naherwartung des Weltuntergangs und des unser Verhalten beurteilenden jüngsten Gerichts, im Ausfall einer irdischen Zukunft scheint es sich leichter bedingungslos lieben zu lassen als in einer weltzugewandten Haltung, die davon ausgeht, dass wir es uns auf dem Planeten Erde gemeinsam und bleibend einrichten müssen, dass es also kein „Jenseits des Irdischen“ gibt. – Dass manche sogenannten „Buddhismen“, die ebenfalls Bedingunslose Liebe lehren, das „Nirwana“, also die endliche Lösung aus den irdischen Dualitäten zum (Nicht-)Ziel menschlichen Strebens erklären, verstärkt den Eindruck eher noch, dass mit der Bedingungslosen Liebe etwas faul sein könnte, als dass es diesen Eindruck auflösen würde.

Sollte also jemand von uns sich wild entschlossen zeigen, sich von seinen gesellschaftlichen Konditionierungen so weit zu lösen, dass er sich und anderen Menschen mit der Haltung bedingungsloser Liebe zu begegnen versucht, ist er schnell damit konfrontiert, dass er sich damit verletzlich und „ausbeutbar“ macht. „Der Liebevolle ist der Dumme“. – Es scheint für uns undenkbar zu sein, dass es auch eine kluge, nicht-selbstschädigende Liebe geben könnte…

Die kriegerischen Gesellen, die wir selber sind, jene Menschen, die durch die Schule der bedingten Liebesbotschaften gegangen sind, werden, ausgehungert wie wir sind, einen bedingungslos liebenden Menschen immer als „Energiequelle“ sehen, die man nach Herzenslust anzapfen kann. Bis dieser ausgelaugt entweder erkrankt und stirbt – oder eben aufgibt und wieder „einer von uns“ wird: Ein kalkulierender, Eigennutz und Fremdnutz klar differenzierender, von sich und allen Menschen getrennter, vernünftiger Mensch.

„Einer von uns“. Nach meinem Verständnis ist dieser Ausdruck weitgehend deckungsgleich mit der Bedeutung des Wortes „Mensch“. Die meisten unserer gesellschaftlichen Mechanismen und auch die meisten unserer alltäglichen gemeinsamen Aktivitäten benutzen den Ingroup/Outgroup-Mechanismus: Wir schauen sehr genau hin, ob „der Andere“ zugleich „Einer von uns“ ist. Und wir sind es so gewohnt andere mit dem Ausschluss aus unserer Ingroup zu bedrohen oder von anderen Menschen mit diesem Ausschluss aus dem Konzept seiner Ingroup bedroht zu werden, dass uns diese Vorgänge in der Regel gar nicht mehr großartig auffallen: Arbeiter schließen Chefs aus ihrer Ingroup aus, Männer Frauen, das eine Dorf das andere Dorf – und jeweils umgekehrt. Trotz des Unbehagens, die sie nach wie vor auslösen, halten wir diese Vorgehensweisen für  „menschlich“, für „natürlich“, für „unausweichlich“, für „völlig normal“. – Wie auch anders? Was verbreitet ist, erscheint immer als „normal“. Gleichgültig wie wohltuend „unnormales“,  „paradoxes“, „verrücktes“ Verhalten für uns wäre.

In diese Lage des Denkens und Empfindens möchte ich einen Vorschlag platzieren: Wir können das zerstörerische Ausbeutungsverhalten, das sowohl wir selbst als auch unsere heutigen Mitmenschen an den Alltag legen, in einer ganz bestimmten Weise „umverstehen“:

Nicht nur als Ausdruck einer inneren Verzweiflung, Haltlosigkeit und Leere, sondern als ein tätiges Antesten oder Austesten, ob „da draußen“ nicht vielleicht doch irgendwo Bedingungslose Liebe zu finden sei. – Nehmen wir an, dass es keinem Menschen gelingen kann, die ebenso innerliche wie äußerliche Suche nach Bedingungsloser Liebe jemals völlig aufzugeben, so können wir alle Verhaltensweisen, selbst noch die schrecklichsten, verstehen als einen Suchakt, der Bedingungslose Liebe finden will, aber bisher nicht finden konnte.

Diese Auffassung ändert gleichzeitig nichts daran, dass wir alle verletzliche und bedürftige Wesen sind, die Grenzen haben: Grenzen der Kraft und darüber hinaus eine reizbare Amygdala, die möglicherweise durch die Arten unserer eigenen Sozialisation weitaus stressverbreitender ist, als sie „prinzipiell“ sein müsste, gesetzt, unsere eigener Lebensweg hätte andere Wege genommen. Jedenfalls eine Amygdala, die uns enge Grenzen setzt, inwieweit wir Bedingungslose Liebe an den Tag legen können, ohne bei dem, was uns dann an Menschlich-Allzumenschlichem begegnet, irgendwann durchzudrehen, auszurasten, zu verhärten und zu erkranken.

„Calming the amygdala“ scheint daher eine Praxis, Gewohnheit und tägliche Übung zu sein, die notwendige Bedingung dafür ist, in unserem Alltag Experimente mit Bedingungsloser Liebe anzustellen: Genügend Schlaf, genügend Pausen, gutes, dosiertes Essen, genügend, aber nicht übertriebene Bewegung, Äußerung eigener Gefühle, Sich-Umgeben mit einer kleinen Gruppe von Menschen, mit denen man stabile und liebevolle Beziehungen pflegt („gute Freunde“), Verzicht auf die Linderung eigener seelischer Schmerzen durch Suchtverhalten aller Art, Dankbarkeitsübungen und Fokussierung von wohltuenden Wahrnehmungen, Selbst-Schutz vor Reizüberflutung.

Gesetzt, wir können solche Praktiken in unser Leben integrieren, sind wir in der Lage, das, was uns dann an „verrücktem Verhalten“ anderer Menschen begegnet zu verstehen als Austesten unserer Liebesfähigkeit. – Ohne uns dabei zu übernehmen; unter Wahrnehmung unserer eigenen, menschlichen Grenzen.

Und nicht zuletzt unter großzügigem Einsatz des universalen Heilmittels gegen Drama Bier-Ernst: Unter großzügigem Gebrauch von Humor als dem üblichen Verkehrsmittel bedingungslos verbundener Menschen.

Humor und Bedingungslose Liebe scheinen eine unheimliche Freundschaft zu pflegen. Eine Freundschaft von der Art, das der eine ohne die andere nicht sein kann. Und die andere nicht ohne den einen.

 

 

 

Interessant, aber unwesentlich: Von der drastischen Veränderbarkeit menschlichen Verhaltens

Wir müssen reden.

Mal wieder ist ein neuer, überaus spannender TedTalk heraus gebracht worden: Robert Sapolsky erklärt uns in seinem launigen, humorvollen und beinahe liebevollen Vortrag, wie komplex und vielfältig die Einflussgrößen menschlichen Verhaltens nach dem Stand der heutigen biologischen Forschung sind. Bis es zu einer menschlichen Entscheidung – mit vielleicht weitreichenden Folgen – gekommen ist, ist „zu viel passiert“, als dass da großer Raum für Moralisieren wäre. Oder für starke Bewertungen. Oder für eindeutige Zuschreibungen auf irgendeine „Ursache“. Darüber hinaus versucht Sapolsky uns aus einer historisch-anthropologischen Perspektive deutlich zu machen, wie nachweislich veränderlich das ist, was wir in unseren politischen Tagesgesprächen manchmal für „die menschliche Natur“ halten.

Mir geht es bei dem Vortrag so, dass ich den Eindruck habe, Sapolsky trägt in einer biologischen Sprache und Bebilderung Dinge vor, die uns und auch den allermeisten Menschen, die vor uns gelebt haben, bereits sehr gut bekannt waren.

Sie wurden zwar anders ausgedrückt. – Und auch wir Heutigen vergessen das „Wissen“ über diese „Dinge“, die wir selber sind, bei unserem Handeln und Reden mit schöner Regelmäßigkeit. Wir stellen uns gern fest. Wir stellen gern fest: „Ich bin so und nicht so“. Und noch lieber tun wir das in Bezug auf Menschen: „Er ist nunmal so.“ Oder: „Er ist eben ein …“. Oder gleich generalisierend: „Menschen ändern sich nicht.“

Veränderlichkeitsalltag im postkanonischen Zeitalter

Alle Fälle, in denen wir uns selbst oder andere Menschen ganz unübersehbar und alltäglich drastisch geändert haben, verdrängen wir in diesen Momenten ebenso en passant wie gewohnheitsmäßig in unser Unbewusstes: Dass wir im Urlaub anders sind. Dass wir in einer neuen Beziehung anders sind. Dass wir mit diesem Freund völlig anders sind als mit jenem. Dass wir in einem neuen Job, in einer neuen Rolle, in einer neuen Firma ein völlig anderer sind. Dass wir mit unserem geliebten deutschen Schäferhund ein völlig anderer Mensch sein können als mit vielen unserer Mitmenschen. Dass umgekehrt die am konsequent praktizierendsten Philanthropen unter uns unter Umständen die größten Grausamkeiten begehen können. Etc. – Das alles ist so alltäglich, dass es für uns verdammt schwer zu übersehen ist. Könnte man meinen.

Die Anzahl der Immer-Heiligen unter uns ist deutlich geringer, als uns das unsere punktuelle Wahrnehmung und unser Hang zur Verallgemeinerung glauben machen. Und das heißt umgekehrt: Die Anzahl der Immer-Verrückten Menschen ist deutlich geringer, als das von uns auf dem gleichen Weg geschaffenes Menschenbild nahelegt. Wir alle tragen ausnahmslos den Keim der „Entartung“ in uns. In jedem Moment. Und das ist vermutlich gar nicht mal so schlecht für uns so. Es ist wahrscheinlich weitaus eher ein Anlass zur Hoffnung als ein Grund zur Verzweiflung…

Die Veränderlichkeit des Menschen unterliegt also einer gewohnheitsmäßigen Verdrängung, die ebenfalls derart alltäglich ist, dass der Verdrängungsakt bei uns keinen großen psychischen Aufwand mehr erzeugt. Die Straßen dieses Verdrängungsvorgangs in uns sind vermutlich das psychische Äquivalent ausgelatschter Trampelpfade, wo kein Innehalten mehr wächst; oder vielleicht eher: 8-spuriger Neuigkeits-Autobahnen, auf denen wir tagtäglich dahinrasen. Das Vergessen der Veränderlichkeit „der menschlichen Substanz“ ist politischer common sense. Wir verändern nicht unsere Nicht-Wahrnehmung, dass wir Menschen uns ständig drastisch verändern.

– Dennoch bleiben Sapolsky’s Ausführungen für mich ein weiterer Fall „des wissenschaftlichen Nachweises des natürlichen Hinternwackelns bei weiblichen Exemplaren der Spezies homo sapiens“: Alltägliche Menschlichkeiten, die jeder wahrnehmen kann und die niemand in Frage stellt, werden von den Humanwissenschaften in eine Sprache gepackt, die dafür sorgt, dass sich auch Menschen mit einer eher nerdigen Veranlagung zum ersten Mal in ihrem Leben für sie interessieren können. Oft mit der Illusion, sie hätten etwas „Neues entdeckt“.

– Was uns zum Thema der heute fundamentalen Subjektivität des Neuen bringt: Eine Einsicht, die für den einen  Menschen ein alter Hut ist, hat beim anderen Menschen gerade die Begeisterung des Frischverliebseins eine für ihn in neuartig Erkenntnis geweckt, über die alle Welt nun aufgeklärt werden muss. Auch die, die das längst wissen, sich dafür vielleicht nur einer leicht anderen Sprache bedienen.

Im postkanonischen Zeitalter ist eben auch „Wissen“ subjektiv und der Glaube, es gäbe noch kanonisches Wissen, Megatrends und objektive Wissensstände, führt wieder und wieder zu zwischenmenschlichen Situationen, die schreiend komisch für uns wären, wenn wir sie denn in der Situation selbst noch überreißen würden.

Wovon der eine zuviel weiß und wovon er so besessen ist, dass er sich nicht mehr für zunächst widersprüchlich wirkende Wahrheiten öffnen möchte, davon weiß der andere gar nichts. Und umgekehrt. Was „Wissen“ angeht, gleichen wir alle heute Fahrern auf einer Landstraße, die aus entgegengesetzten Richtungen aneinander vorbei brausen und sich beim „point of contact“ wechselseitig wohlinformierte Warnungen vor dem Ort zurufen, von dem sie weg wollen und zu dem der jeweils andere gerade hinstrebt.

Moralische Appelle frisch verliebter Wissenschaftler

Weitaus mehr als Sapolskys schöner Vortrag und seine biologischen Einsichten hat mich daher ein anderer Teil seiner Rede bewegt: Sein moralischer Appell gegen Ende seines Vortrags. Sapolsky macht uns hübsche Vorwürfe für den Fall, dass wir uns nicht mit dem Äquivalent von „Salutogenese“ beschäftigen, wenn es zu Veränderungen des menschlichen Verhaltens kommt. Er spricht von „those, who don’t study the history of extra-ordinary human change“, die immer wieder zu einem falschen Menschenbild und zu falschen Vorstellungen von menschlichem Verhalten kämen. Und die daher in Hilflosigkeit gefangen seien, wenn sie in einer Situation seien, in der sie eigenes Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen nur all zu gern ändern würden.

Nun ist es nicht schwer zu sagen, warum mich dieser Appell so gut und gern und leicht bewegt: Ich bin ganz offensichtlich keiner von jenen „those“, denn ich beschäftige mich mit genau diesem Thema nun schon irgendwas zwischen 5 und 25 Jahren. Und obwohl ich nicht sagen kann, dass das bisher irgendetwas an meinen Hilflosigkeits-Gefühlen in vielen Situationen geändert hätte, tue ich mich also naturgemäß leicht einem flammenden Appell zuzustimmen, der mich nicht trifft. Ich bin ja „einer von den Guten“, soweit es nach dieser Rede geht.

Ich kann aber auch sagen: Das, auf was Sapolsky hier abzielt, ist heute bekannt. Man kann es finden, wenn man danach sucht. Es ist kein großes Rätsel, wann und unter welchen Bedingungen wir Menschen unser Verhalten in einer unerwarteten und drastischen Weise verändern können. Und zwar Verhalten, von dem wir oft so sprechen, als sei es eben unveränderbar. Als müssten wir es einfach hinnehmen und damit leben.

Dieses Wissen allerdings ist nur mäßig nützlich. Es ist nur mäßig nützlich, weil wir selbst im Spiel sind und eben nicht, wie Wissenschaft ihrem eigenen Wesen nach tun muss, außerhalb stehen und aus der Distanz eines Laboranten, der mit seinen Laboraten spielt, durch eine trennende Glasscheibe auf Objekte herabschauen, die wir systematisch zu manipulieren versuchen.

Wenn es zur Frage nach der drastischen Veränderbarkeit menschlichen Verhaltens kommt, ist Wissenschaft daher weitgehend nutzlos, oft sogar kontraproduktiv. Drastische Veränderungen menschlichen Verhaltens kommen, so viel kann Wissenschaft einsehen, so gut wie nie durch wissenschaftliche Interventionen zustande (etwas, das die Sozial- und Humanwissenschaften von den sogenannten Naturwissenschaften fundamental unterscheidet).

Und schlimmer noch: Die Haltung, die wir einnehmen müssen, um „saubere wissenschaftliche Arbeit zu leisten“, erschwert es uns gegen unsere ursprünglichen und auch heute noch weit verbreiteten Annahmen, solche Veränderungen auslösen zu können. Ein wissenschaftliches Mindset ist in der Regel die schlechtmöglichste Voraussetzung, um tiefgreifende und bleibende Veränderungen bei Menschen auszulösen. „Schlimmer kann man es nicht machen“.

Ich weiß, wovon ich spreche. Denn ich bin eben selbst einer jener Wissenschafts-Nerds, die mit Begeisterung TedTalks schauen. Allerdings einer, der sich bereits vor langer Zeit ins Menschenveränderungs-Business verirrt hat und mit all dem konfrontiert wurde, was ich hier zu umreissen versuche. Teilen leidvoller Selbst-Erfahrung nennt man das wohl.

Das vermeintlich Neue: Ablenkung vom Wesentlichen

Mit diesen Erfahrungen sieht es für mich so aus, als sei das, was uns davon abhält, „jenes Wissen auch umzusetzen“ weniger ein Mangel an Know-How, als ein Mangel an Konzentration auf das, was Wesentlich ist, wenn es um tiefgreifende menschliche Veränderungen geht. Vielmehr lassen wir uns als leicht und gern von „bloß Interessantem“ ablenken. Wir haben heute, im Zeitalter der medial-sozialen Reizüberflutung große „Konzentrationsschwierigkeiten“.

Ich glaube also nicht, dass es uns nicht wichtig genug ist, im Bereich Veränderung menschlichen Verhaltens Erfolge zu erzielen, und dass wir also an Mangel an Motiviertheit scheitern würden. Es ist eher so, dass die notwendige Spannung zwischen hoher Motivation und ihrer Entladung in Umsetzungen – das, was man früher mal „Disziplin“ genannt hat – es heute deswegen schwer hat, weil sie einen vorübergehenden Schmerz erzeugt, der sich heute nur allzuleicht vermeiden und sedieren lässt:

Indem man vom Wesentlichen absieht und sich mit Interessantem beschäftigt.

Wir wissen also längst, „was getan werden kann“ und „wie wir das angehen müssten“. Aber wir tun es nicht, weil es für uns weitaus angenehmer ist, sich mit (für uns) immer Neuem zu beschäftigen.

Das bewirkt zwar nichts. Aber es lindert den Schmerz schneller und nicht weniger wirksam als die uns immer möglichen Aktivitäten, mit denen wir menschliche Veränderungen bewirken können. Bei uns. Bei anderen Menschen.

„Das Interessante“ gleicht dagegen einem ständigen Nachlegen lindernder Schmerzpflaster, die uns glauben machen, wir könnten uns diejenigen der uns wohlbekannten Aktivtäten völlig ersparen, mit denen wir unsere dauerhafte Heilung wirksam unterstützen würden.

Damit ähnelt unser Vorgehen dem einzigen substantiellen Beitrag, den Wissenschaft bisher zur drastischen und nachhaltigen Veränderung menschlichen Verhaltens geleistet hat: Der Entdeckung, Herstellung und großflächigen Verbreitung von Psychopharmaka.

Dass es „natürlichere“, menschengerechtere und genauso effektive Mittel der Verhaltensänderung gibt, hat unter diesen Bedingungen keine große Lobby. Mittel, die durchaus angenehmere Nebenwirkungen haben und die nicht in die Kategorie fallen: „the cure itself is a disease“.

Wenn es eine anthropologische Konstante gibt, dann vielleicht die, dass leichte Wege immer einiges für sich haben. Auch dann, wenn ihre Langzeitfolgen absehbar katastrophal sind. Kurzfristig lindernde Symptombehandlungen finden stets reissenden Absatz.

Auch dort, wo uns bleibende Einwirkung auf das „Immer-wieder-neu-Entstehen“ von Krankheiten möglich ist.

Aber die Vertrautheit damit, dass Krankheiten Systeme sind und Systeme bilden, ist schwerer im Gedächtnis zu behalten als der Ort, an dem wir unsere momentan bevorzugten Linderungspflaster verstaut haben.

„Nosce te ipsum“: Selbstreflexive Bescheidung von Wissenschaft

Wenn es uns darum geht, unser eigenes Verhalten zu ändern oder das anderer Menschen, sollten wir daher auf die Wissenschaft hören, studieren, was drastische menschliche Veränderungen ermöglicht und begünstigt.

Und wenn wir dabei herausfinden sollten, dass es nicht die biologisch angereicherten Sozial- und Humanwissenschaften sind, die drastische menschliche Veränderungen ermöglichen und begünstigten, sollten wir vielleicht auf den Rat dieser unserer Wissenschaft hören und uns weniger mit Wissenschaft und Theorien beschäftigen, sondern uns entschieden auf das konzentrieren, was uns die Methode der Erfahrungsgewinnung unserer Wahl uns gezeigt hat, was wirklich wirksam ist, wenn es um Menschen geht.

Wissenschaft zeigt genauso wie die alltägliche Erfahrung: „Wahrheit“ und „Wirkung“ sind zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Oftmals stehen sie sich gegenseitig im Weg herum. Wir müssen uns dann entscheiden, was uns gerade wichtiger ist.

Es scheint heute eine geradezu Revolutionäre Wiederentdeckung zu sein, dass es so etwas wie „unwesentliche Wahrheiten“ gibt: Erkenntnisse, die unzweifelhaft wahr und und interessant sind, die uns aber keinen Meter weiterbringen. Weil diese für uns „neuen Erkenntnisse“ uns deutlich weniger dabei helfen, uns auf unsere vorhandenen Möglichkeiten einzulassen, als diejenigen Erkenntnisse, über die wir bereits verfügen.

Wissen als Ablenkung vom Wesentlichen.

Nicht „Fake News“. Eher „Distraction News“.

 

Die gefährlichste Sache der Welt

Nur in einer sehr äußerlichen Sicht, in einem Bewusstsein, das die Rednerin Vera F. Birkenbihl als „exoterisch“ zu bezeichnen pflegte, sind ABC-Waffen oder andere menschliche Artefakte die gefährlichste Sache der Welt.

In einer Wahrnehmung, die uns als weitaus verbundener mit und eingebetteter in unsere Umwelt empfindet, können wir sagen, dass das menschliche Nervensystem jene „gefährlichste Sache der Welt“ ist. – Wenn wir denn hier von einer „Sache“ sprechen wollen.

Und das gilt um so mehr, als es sich dabei – in einer weiteren Hinsicht – gar nicht um eine lose Ansammlung sich chaotisch verhaltender Nervensysteme handelt, sondern um ein einziges Netz, das wir gemeinsam um die Welt spannen. (- Oft wohl mehr „spinnen“ als „spannen“; denn unsere Entspannung ist ein ganz eigenes Thema…)

Ich möchte also behaupten, dass es kein völliger Unsinn ist, wenn wir annehmen, dass alle menschlichen Nervensysteme zusammen ein einziges menschliches Nervensystem bilden, das die Welt umspannt und das wir manchmal „die Gesellschaft“ nennen.

Das menschliche Nervensystem ist so empfänglich und empfindlich für das, was es von „anderen“ menschlichen Nervensystemen wahrnimmt, das wir die Dinge (also uns selbst) so betrachten können, das die Körpergrenzen, die von unserer Haut gebildet werden, eben nicht die „wahren Grenzen“ der in ihnen enthaltenen Nervenzellen und Nervenbahnen bilden.

Vielmehr sind die Nerven „des einzelnen Menschen“ auf so vielfältige, intensive und unausweichliche Weise mit den Nervenbahnen aller anderen menschlichen Nervenzellen verkopptelt, dass wir, um diese Kopplung aufzuheben, wirklich jene einsamen Inseln und Eremitagen aufsuchen müssten, die es heute nicht mehr gibt.

Wer also die äußerliche Sichtweise vom „entkoppelt-autarken-souveränen Einzelmenschen“ aufrecht erhalten möchte, hat heute nur noch eine Wahl: Er muss sich buchstäblich ins All schießen. – Eine Fantasie, die denn auch in zahlreichen Science-Fiction-Filmen ihre vielfältige Bebilderung gefunden hat. Nirgendwo ist das fundamental Soziale, wenn nicht Politische des Menschen so unmittelbar spürbar wie in solchen Filmen.

Die wahren Folgen einer solchen konsequenten Vereinzelung sind allerdings nach meiner Auffassung nirgendwo klarer und weniger beschönigend beschrieben als in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“.


Warum soll nun aber jenes Sozialorgan, das wir „das menschliche Nervensystem“ nennen, die gefährlichste Sache der Welt sein?

Mit ihm ist etwas entstanden, das so vielfältige Verwendung finden kann, dass wir gelegentlich von „Freiheit“ sprechen. Und nur selten ist uns dabei gleichzeitig deutlich, was die Freiheit, die uns unser Nervensystem gibt, für eine schreckliche Sache ist.

Technischer könnten wir von einer radikalen Unterdeterminierung oder potentiell unendlichen Überdeterminierung sprechen.

Oder nüchterner davon, dass es per se völlig unklar ist, was mit einem „menschlichen Nervensystem“ eigentlich anzufangen sei. Es gibt für dieses „Ding“ keine Teleologie. Bei aller sonstigen Klarheit, die uns der Urheber des Worts vom „Zoon politikon“ sonst verschaffen mag, in diesem Punkt lässt uns Aristoteles grob im Stich oder schickt uns auf zahlreiche Irrfahrten.

Man könnte geradezu pathetisch werden und sagen: „Der Sinn des menschlichen Lebens besteht darin herauszufinden, was mit einem menschlichen Nervensystem alles anzufangen sei, angefangen werden kann“.

Oder, nur einen kleinen Emotionsgrad nüchterner: Ein guter Fokus „für den Menschen“ ist die beständige Frage danach, wie das weltumspannende Organ „menschliches Nervensystem“ in einer friedlichen Weise, die auf allgemeines menschliches Wohlergehen gerichtet ist, gerade in dieser, ganz gegenwärtigen Situation genutzt werden kann.

So gesprochen erscheint dann die exoterische Weltsicht, die uns als von der Welt getrennte beschreibt, eine operative Größe im menschlichen Nervensystem selbst: Um handlungsfähig zu sein, müssen wir Dinge auf „Dich und mich“ zuschreiben und uns beide als von „der Welt“ Abgetrennte sehen. Damit ist dann schlicht und einfach beschrieben, wie das menschliche Nervensystem arbeitet: Es unterscheidet „Ich und Du und die Sache“. Sehr selten bringt es sich selbst auch zu einem „Wir“.

Und noch seltener generiert unser Nervensystem dieses „Wir“, ohne dabei auf ein „Wir und die Anderen“ Bezug zu nehmen. „Wir“ heißt dann: Nicht-Ich-Allein. Gemeinschaft als Negation des Alleinseins. Unmöglich ist die Bildung eines Wir ohne Konstruktion von Feindbildern also nicht. Einigen von uns gelingt es eben nur sehr gut, diese andere Wir-Möglichkeit im eigenen Horizont nicht auftauchen zu lassen („vor sich selbst zu verbergen“). Vermutlich sind das Menschen, die sich gerade sehr einsam fühlen.

Das meinen dann wohl auch die Vielen, die ich für mein Teil so schwer verstehen kann. Diejenigen, die sagen: „Denken hilft“.

Möglicherweise sagen sie damit nichts anderes als: „Du bist Teil jenes weltumspannenden menschlichen Nervensystems namens Gesellschaft. Nimm Dir die Zeit zu entscheiden, wie Du diese Teilhabe nutzen willst. Es ist möglich, das menschliche Nervensystem dazu zu benutzen, Dir selbst und zugleich auch anderen Menschen Gutes zu tun. Du bist vielleicht nicht so frei, wie eine vollendete (und damit auch vollendet sinnlose) Vereinzelung es ermöglichen würde. Aber Du bist frei, Deine „Anschlüsse“, Deine „Angeschlossenheit“, Deine Verbundenheit dazu zu nutzen, um sehr wirkungsvoll Einfluss zu nehmen.“

Einfluss auf jenes Netz, von dem wir selbst ein Teil sind. Und von dem wir durchgängig beeinflusst sind.

Selbst in der denkbar größten Abkopplung von ihm ist das menschliche Nervensystem beständig unser Bezugspunkt.

So macht nicht nur seine Unter- und Überdeterminiertheit das menschliche Nervensystem zur „gefährlichsten Sache der Welt“. Sondern noch vielmehr der Umstand, dass wir die Möglichkeit nicht haben, keinen Einfluss zu nehmen.

Dies scheint mir zumindest weitaus schrecklicher als jener gleichzeitige Gedanke, dass wir die Möglichkeit nicht haben, uns beständiger gesellschaftlicher Beeinflussung zu entziehen – Und dabei menschlich zu bleiben.

Friedrich Dürrenmatt über Fake-News

Fiktion scheint für uns derzeit ja ein gewisses Problem zu sein. Zumindest, wenn sie in Politik und Wissenschaft ihr Wesen treibt. Oder zumal dort, wo Politik und Wissenschaft sich schmerzlich zu berühren scheinen. Ich muss gestehen, dass ich als leidenschaftlicher Fantast diese Problematisierung des Fiktiven mit einem gewissen Unwillen zur Kenntnis nehme. „Die Wahrheit“ scheint mir so ziemlich das unbrauchbarste aller Konzepte zu sein, wenn man gemeinsam die Welt gestalten, beeinflussen oder eben „verändern“ will. „Wahrheit“ fehlt der logische Bruch, den jede Veränderung im Bereich des Menschlichen braucht. Oder genauer: „Wahrheit“ strebt die Vermeidung solcher Brüche geradezu an und kittet und übertüncht auch dort solche Brüche, wo sie sich gerade spontan ergeben. – Also überall. Hinzu kommt noch meine dogmatische Annahme, dass es für uns gar keinen Bereich „außerhalb des Menschlichen gibt“ und wir uns alles, was wir denken, unvermeidlich „menschenförmig“ machen. Was nicht-menschlich ist, können wir nicht wahrnehmen, nicht verarbeiten und nicht beeinflussen. Zumindest nicht, bevor wir es uns vermenschlicht haben. Das hat weniger etwas „mit den Dingen selbst“ zu tun, als vielmehr mit uns und unserem Weltbezug als Menschen. Da die ersten „Dinge“, mit denen wir intensiv interagieren, andere Menschen sind, wird uns alles menschenförmig. Die Prägungen unserer ersten Wochen, Monate und Jahre kriegen wir einfach nie mehr so richtig raus aus unseren kognitiven Strukturen. Um es unverblümt pathetisch zu sagen: Anthropomorphismen sind unser Schicksal und unser Leben. Das mag den nach „Objektivität“ strebenden Naturwissenschaftlern, Philosophen, IT-Nerds und auch allen vernünftigen Politikern vom Typ H.Clinton, Macron, Schulz und Merkel gerade tierisch gegen den Strich gehen. Es hilft ihnen alles nichts, sondern es vergrößert nur die blinden Flecke, wenn es um ihre eigenen „bias“e geht.

In Punkt 46. seiner „Sätze über das Theater“ finden sich nun bei Dürrenmatt für einen Sophisten wie mich ein paar nicht ganz unspannende Ausführungen über den Zusammenhang von Dramatik und Philosophie. – Spannend sind die Gedanken Dürrenmatt für mich, weil sie die Frage aufwerfen, in welchem Bereich wir uns eigentlich aufhalten, „wenn wir zusammen Politik machen“ – und welche Gesetzmäßigkeiten und Erwartbarkeiten dort herrschen (und welche nicht). Doch vielleicht sollte man dazu wirklich Dürrenmatt selbst ausführlich zu Wort kommen lassen:

Eine mathematische oder physikalische Fiktion ist etwas anderes als eine künstlerische. Eine physikalische Fiktion scheint mir eine bewusste Denktechnik zu sein, mit der ich der Wirklichkeit gleichsam eine Falle stelle und ihr so eine Antwort entlocke, die ich jedoch nur physikalisch zu deuten vermag; künstlerische Fiktionen scheinen mir Denktechniken zu sein, die darauf ausgehen, scheinbare Wirklichkeiten zu errichten. Wird durch eine physikalische Fiktion die Wirklichkeit befragt, wird die Wirklichkeit durch die künstlerische Fiktion künstlich hergestellt. Zur Wirklichkeit, wie sie ist, wird eine künstliche Gegenwirklichkeit geschaffen, in der sich die Wirklichkeit, wie sie ist, widerspiegelt.

Und weiter schreibt Dürrenmatt, wie es ein pragmatistisch veranlagter Philosoph mit starken politischen Interessen nicht schöner schreiben könnte:

Liefert die physikalische Fiktion eine Möglichkeit der physikalischen Welterkenntnis, so die künstlerische Fiktion viele Erkenntnisse, die durchaus nicht nur künstlerischer Art sein müssen. Beschäftigt sich jene unser physikalisches Wissen um die Welt, so diese unsere allgemeinen Erfahrungen mit der Welt. Wissen und Empirie ist nicht dasselbe.

(Friedrich Dürrenmatt: „Theater. Essays und Reden“ – Diogenes 1985, S. 210 f.)

Die Frage, die man daran anschließen kann, ist die, ob wir uns heute einen größeren Gefallen tun, wenn wir „Politik“ eher als Wissenschaft  und Philosophie oder eher als Kunst und Theater verstehen? Natürlich kann man auch sagen: Diese Unterscheidung macht bei Politik keinen Sinn, z.B. „weil sie immer Elemente von beidem“ hat. Oder auch: Diese Frage macht bei Politik keinen Sinn, weil sie selbst eine Sphäre sui generis ist, also von Wahrheitssuche und Kunstgestaltung strikt zu trennen sei, wenn denn die politische Sphäre als solche Bestand haben soll.

Da aber der große Erfolg der Naturwissenschaften in den vergangenen Jahrhunderten seine Spuren in der Gesellschaft hinterlassen hat, Spuren, die ich durchaus als „Wissenschaftsgläubigkeit“ bezeichnen möchte, kann es für den Moment angezeigt sein, dem unverbesserlichen Glauben an „die Wahrheit, die sich selbst durchsetzt“ oder eben: Die Wissenschaftsförmigkeit von Politik herauszufordern.

Und was könnte dafür geeigneter sein, als ein Hinweis darauf, dass Politik „in erster Linie Theater ist“? – Ein Hinweis, der dann nicht in kritischer oder gar entlarvender Absicht erfolgt. Sondern vielmehr in offen normativer Absicht: Politik hat Theater zu sein. Politik verliert viel von ihrer Qualität, wirkt entfremdet und befremdlich, wenn sie sich als Wissenschaft und nicht als Theater versteht. – Zumal in einer Zuschauer-Demokratie wie der unseren, in der man seine „Stimme“ (und was für eine klägliche!) „abgibt“; und im Anschluss auf Jahre zum reinen Zuschauen, Beklatschen und Buh-Rufereien verurteilt ist!

Wissenschaftler sind schlechte Theaterspieler. Ja, ich weiß, es gibt Gegenbeispiele. Und auch die „Rolle“ eines Wissenschaftlers kann gesehen werden als eben nur eine weitere in der großen menschlichen Gesamtkomödie. – Aber nichtdestoweniger darf ich aus meiner „Eigenerfahrung als Philosoph“ heraus vielleicht doch einwerfen, dass mich meine philosophischen Schaltkreise jedes einzelne verdammte Mal davon abhalten, das zwischenmenschliche Spiel lustvoll, effektiv und kooperativ zu gestalten.

Vielleicht haben Sie ja ähnliche Erfahrungen gemacht. Wenn schon nicht als Wahrheitssucher, dann vielleicht als ein Mensch, der solchen Typen wie meiner Wenigkeit eine allzu lange Weile intensiv ausgesetzt war. Dann ahnen sie vielleicht, dass Sie keine Menschen, die sich auf „Wahrheit“ gepolt haben, zum Kaffeetrinken einladen wollen. Und solche Menschen noch viel weniger Ihre Bedürfnisse im politischen Gemeinwesen vertreten lassen wollen:

A) Weil diese Menschen Ihre Bedürfnisse vermutlich kaum wahrnehmen, so abgelenkt und geblendet wie sie sind, das Auge starr und entschlossen auf das gleißende Licht der Wahrheit gerichtet. – Vom Aufnehmen, Repräsentieren und Spiegeln der mit diesen Bedürfnissen verbundenen Emotionen ganz zu schweigen. Menschen mit ihren fuzzy Emotionen werden von Wahrheitssuchern meist als lästige Störungen wahrgenommen, nicht als Interaktionspartner.

Und B) weil diese Menschen Ihre Bedürfnisse wahrscheinlich auch eher schlecht als recht vertreten und veranwalten werden, selbst dann, wenn sie diese Bedürfnisse doch einmal „erkannt“ haben. Wahrheitssucher sind klägliche Verhandlungsführer, die selbst die basalsten Techniken zur Lenkung der menschlichen Aufmerksamkeit und Nutzung menschlicher Emotionen offensiv und mit Vorsatz ignorieren. Techniken wohlgemerkt, die jedem Anzeigenverkäufer, jedem Zauberkünstler und jedem realerziehenden Elternteil geläufig sind und leicht von der Hand gehen.

Ich gehe davon aus, dass das alles Zusammenhänge sind, die die meisten von uns im Grunde sehr gut kennen. Dass wir das alles bereits „wissen“. Dass wir diese Zusammenhänge hartnäckigst ignorieren, wenn wir über Politik sprechen und darüber, was in ihr möglich und unmöglich ist, was wir von ihr erwarten können und was wir von uns nicht erwarten können, das steht auf einem anderen Blatt.

Spannend wird es aber allemal, da unsere politische Show-Bühne sich gerade zunehmend in Richtung Mitmach- und Improvisationstheater zu entwickeln scheint.

A clear vision for our society – And what you can do for it, in case you find it appealing

Recently there have been some voices telling us that we lack a vision for the future of our open and participative society.

I don’t know if you find this is true for you. But in case you do, here’s my vision for the society we share:

Dense human interaction can replace command & control, power-over, coercion and violence, both structural and physical. Dense interaction between us can also replace our profit-focus and our bureaucracy.  Dense interaction between human beings nurtures our empathy and is nurtured by our empathy towards ourselves and towards one another.

Each time we participate in an empathic interaction,

Each time we do what is ours to nurture good relationship and connection:

This future society with totally different institutions, institutions we can’t imagine nowadays, becomes a little bit more a reality.

As we can’t imagine this society and its institutions besides some romantic pictures of „world as a village“ or „humanitiy as one big family“ this vision can to some extent be called a non-vision.

If you share this non-vision and if you’re longing for this different kind of human society we can’t imagine, there’s one thing you can do right now right here to support its realization:

Stop focusing anything besides human body language. Focus only on our natural signals of human feelings and human needs; may they be yours, may they be the ones of your fellow human beings.

Sounds a little bit boring, perhaps. Or even worse: May sound like a proscription first.

For me it isn’t a loss. It is our contribution to make our world and ourselves more colorful, more interesting, more satisfying and much more free, especially in our daily encounters.

All visions and all new things we want to contribute to by purpose need focus. And the focus on what human bodies tell us every hour, every second is what the non-vision above takes. It’s all that is necessary for its realization. We connect our past and our future by deliberately including our bodies in our handling of the presence.

And as we easily get distracted, homecoming: returning to the prescence is always connected with bringing our focus back to our bodies. Especially in our interactions with others. Stay connected even if it hurts for the moment. Don’t let your oh so hungry and desperate mind cheat on you by searching fulfillment elsewhere.