Eine der effektivsten „Techniken“ der provokativen Schule besteht darin, die Körperlichkeit des Kunden zu addressieren. Da die provokative Arbeitsweise viel Wert auf „emotionale Beteiligtheit“ des Kunden legt, weil sie davon ausgeht, dass „Veränderung nicht im Kopf beginnt“, aber möglicherweise irgendwann doch noch dort hingelangt, sucht sie Möglichkeiten, diese emotionale Beteiligung „herzustellen“.

Und wenig ist dabei so zielführend, wie den Körper des Kunden sehr unmittelbar anzusprechen und miteinzubeziehen. Ein beherztes „Boah, solche Augenringe habe ich echt noch nie gesehen. Sie müssen eine Eule in Ihrer Ahnenreihe haben!“ hat schon so manchem Burn-Out-Kandidaten mehr gebracht als stundenlange Analysen und Ereignis-Aufarbeitungen, und auch mehr als eine knallhart-stur durchgezogene Lösungenbeschwörung. – Liebevoll und wertschätzend vorgetragen, versteht sich. Eine Haltung,  die sich wiederum über den Körper weitaus besser kommunizieren lässt als mit schönen Worten allein.

Interessanterweise gibt es hier eine Überlappung mit der Arbeit von Eugene T. Gendlin. Dieser entwickelte seine „Focusing“-Arbeit aus systematischen Beobachtungen heraus, dass „erfolgreiche“ Psychotherapiepatienten von Anfang an Körperwahrnehmungen in ihre Problem- wie Lösungsbeschreibung aufnahmen, und dass sie genau das von Patienten unterschied, bei denen die Therapieangebote allem Anschein nach wirkungslos blieben. Dabei wurde nicht nur „auf den Körper gehört“, sondern auch „der Körper zur Sprache gebracht“. Nach meinen Erfahrungen lässt sich Focusing als eine Vorgehensweise beschreiben, bei der man Körperwahrnehmungen und Bewusstsein über das Mittel des sprachlichen Experimentierens sehr gezielt und neuartig miteinander vernetzt. – Ganz ähnlich wie bei einem Reisverschluss. Körper und Geist „werden eins“. Und das ganz ohne Lotussitzereien unterm Feigenbaum.

Mir sind keine Vorgehensweisen bekannt, die Entfremdung wirkungsvoller auflösen als diese beiden.

Den Körper unmittelbar anzusprechen oder auszusprechen ist – natürlich – „ungehörig“ oder „unprofessional“, wenn nicht ganz und gar „unanständig“.

Gerade darum scheint nur weniges für uns Menschen befreiender, verbindender, erfüllender und lustiger zu sein als eben gerade das: Mit unserer Sprache unsere Körper zu streifen, zu steicheln, zu kitzeln, zu pieksen, anzusprechen und zu berühren.

Gute Freunde tun so etwas beinahe ständig.

Und so scheint es so, als könnten wir genau das tun, wenn wir miteinander gut freund sein wollen.