Ein „Volk“ ist ein Haufen von Menschen, die auf einem Platz herumstehen oder herumsitzen, während vorne ein Einzelner irgendwelche Sachen brüllt.

„Bürger“ sind die gleichen Menschen, wenn sie sich in ständig neu durchmischenden Kleingruppen wechselseitig austauschen, beraten, einander zuhören und dann gemeinsam Entscheidungen treffen, die besser sind als die, die irgendein Einzelner jemals hätte treffen können.

Ein Volk besteht niemals aus Bürgern.

Bürger bilden niemals ein Volk.

Man könnte den „Bürger“ geradezu auf folgende Weise definieren:

Ein „Bürger“ ist das Individuum, das einer Gemeinschaft angehört, die allen anderen Gemeinschaften übergeordnet ist, das aber zugleich als Teil dieser übergeordneten Gemeinschaft nicht in einer Masse untergeht, sondern das vielmehr mit seiner ganz speziellen Stimme gut hörbar bleibt und dessen aktiver Beitrag für das Zustandekommen und den Erhalt dieser Gemeinschaft als unerlässlich und unersetzbar gehalten wird.

„Volk“ und „Bürger“ sind keine identischen politischen Begriffe. Sie sind auch keine weitgehend deckungsgleichen Begriffe. Es handelt sich um einander völlig gegensätzliche, sich wechselseitig ausschließende Begriffe.

Es gibt Unterscheidungen, die recht hilfreich sind, wenn man sie in der Politik dauerhaft beachtet und sie institutionell genau so umsetzt, dass der Unterschied, den sie machen, auf eine überaus praktische Weise gewürdigt wird.

Die kategorische Unterscheidung von Bürgern und Volk ist eine Unterscheidung von Verfassungsrang: Sie unterscheidet die Demokratie von allen anderen Staatsformen.

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