Die Stadt

„Nein, Herr Lipwig, du hast nur dein eigenes Todesurteil unterschrieben“, gab Vetinari zurück. Seine Stimme war plötzlich so kalt und tödlich wie ein fallender Eiszapfen. „Du hast unterschrieben, dass du am Galgen sterben wirst, weil du Verbrechen gegen die Stadt begangen hast, gegen das Gemeinwohl, gegen das Vertrauen zwischen Mitmenschen. Und du wurdest ins Leben zurückgeholt, weil die Stadt dich brauchte. Hier geht es um die Stadt, Herr Lipwig. Es geht immer nur um die Stadt. Dir ist natürlich bekannt, dass ich Pläne habe?“ (Terry Pratchett, „Schöne Scheine“)

Ja, es geht Vetinari um die Stadt. Und das, obwohl er der Tyrann von Ankh-Morpork ist. Und man versteht plötzlich, warum es einmal die Vorstellung gegeben hat, dass es eine Politik ohne Demokratie geben könne: Die ewige Fantasie „des guten Königs“ oder des „guten Diktators“ nährt diese Vorstellung von der Trennbarkeit von Politik und Demokratie.

Wir Heutige haben eher das Umgekehrte: Eine Demokratie (wenn man das so nennen will) ohne Politik. Gemeinwohlorientierung kennen wir nicht. Nicht die Gemeinwohlorientierung eines einzelnen „guten Herrschers“, und auch nicht eine Bezogenheit aller Bürger auf das Gemeinwohl, das ja eigentlich ihr eigenes Wohlergehen ist.

Freilich ist das im Grunde Unsinn: Eine Demokratie ohne Politik kann es genausowenig geben wie eine Politik ohne Demokratie, die von einem selbstlosen Individuum abhängen würde, das alle Bürger in ihrer Verschiedenheit versteht und den Bürgern in ihrer Verschiedenheit vollkommen gerecht wird. Ein übermenschliches Individuum, das all die Vermittlungsarbeit leistet, die geleistet werden muss, damit Bürgerkriege nicht die Regel sind. Ein solches Individuum gibt es nicht und kann es unter modernen Bedingungen auch gar nicht geben. – Außer natürlich in einem fantastischen Roman, dort ist so ein fantastisches Individuum möglich. Und ziemlich lustig.

Dennoch haben wir das Kunststück fertiggebracht, von „Demokratie“ zu sprechen, während wir die Politik soweit wie nur möglich von uns ferngehalten haben.

Dem Satz „Es geht um die Stadt. Es geht immer nur um die Stadt“ kann man daher heutzutage durchaus länger nachhören. Denn er könnte ein Angebot an uns sein. Ein Bezugspunkt. Und ein Grund für eine neue Art von Gemeinschaft, wie wir sie heute nicht mehr kennen.

„Neu“ und „nicht mehr“? Wie soll das zusammengehen?

Ich gehe davon aus, dass es eine heimliche, derzeit nur selten merkliche Sehnsucht nach einer Form von Zugehörigkeit in uns gibt, die unser privates Streben und unsere privaten Beziehungen übersteigt. Doch wir können den Bezugspunkt für diese Art von Zugehörigkeit nicht finden.

Und das nicht ohne Grund (wir sind ja alle nicht dumm): Denn alle Angebote, die man uns gibt oder die wir uns selbst erfinden könnten, sind Auslöschungen unserer Individualität und Verschiedenheit. Egal ob „Nation“, ob „Religion“, ob „Klasse“, ob „Beruf“, ob „Geschlecht“, ob „Wohnort“ oder „Familienstand“: Wir sind in diesen Formen von „Allgemeinheit“ nicht in unserer Besonderheit anerkannt. Immer nur in einem Aspekt, aber niemals in der Fülle unserer Besonderheiten, die wir eben manchmal „unsere Individualität“ nennen. Würden wir irgendeines dieser Konzepte politisch überhöhen und zum allgemeinen Prinzip erklären, aus dem in Zukunft unser Wohlergehen hervorzugehen hat, müssten wir uns sozusagen Teile aus uns herausschneiden, sie verleugnen oder für unerheblich erklären.

Alle Kandidaten für eine allgemeine Form, für „die Stadt“, die uns bisher einfallen, begründen daher immer nur unsere Unterordnung, Fremdbestimmung und Beherrscht-Werden.

Und weil wir eben nichts Allgemeines, keine Begründung von Gemeinwohl kennen, die nicht reine Unterdrückung wäre, meiden wir die Errichtung einer solchen Instanz überhaupt. Wir nennen es „den liberalen Staat“, aber das hat gerade nicht verhindert, dass wir ständig Fremdbesimmtheit durch diesen „unseren“ Staat erleben.

Man muss es in diesen Tagen immer dazu sagen: Das ist eine strukturelle Analyse, keine Verschwörungstheorie. Die Fremdbestimmtheit, mit der wir leben und die wir alle gemeinsam erzeugen, ist kein „Masterplan“ irgendeiner „herrschenden Klasse“, auch wenn das „von unten“ manchmal so aussehen kann. Wir leben vielmehr in einer Gesellschaft, in der alle, ohne Ausnahme, unfrei sind. Und der Grund dafür ist eben der: Es fehlt uns bislang eine Instanz, die allgemeine Freiheit überhaupt begründen und gewährleisten könnte.

Dort wo die Polis sein sollte, ist also eine Leerstelle in unserer Gesellschaft. Wir haben gute Gründe, diese Stelle leer zu halten und sie lieber mit Nichts zu füllen als mit irgendeiner Sache. Doch das rettet uns nicht. Vielmehr drängt immer wieder alles Mögliche hinein und „bewirbt“ sich darum, dieses Loch in der Gesellschaft zu füllen. Wir haben alle Hände voll damit zu tun, es zurückzudrängen und herauszuhalten. Wir sind in einem permanenten Abwehrkampf gegen alle Arten von „Tyrannis“ gefangen. Und immer ist die Gefahr gegeben, dass wir diesen Kampf gegen uns selbst auch mal wieder verlieren.

Mittlerweile, da das nun schon sehr lange so geht, haben wir uns an diesen ständigen Abwehrkampf gewöhnt. Wir halten ihn für „normal“ oder unabänderlich. Wir haben nicht nur die Hoffnung, sondern auch überhaupt die Vorstellung davon aufgegeben, dass es unter modernen Bedingungen eine Polis geben könnte.

Doch es scheint so zu sein, dass der Politikverzicht, für den wir uns damit entscheiden, keine dauerhafte Wahl für uns ist. Das Politische lässt sich nicht ausklammern oder wegerklären. Es lässt sich noch nicht einmal weginstitutionalisieren.

„Die Stadt“, so können wir sagen, ist ein unverlierbarer Teil von uns. Dieser Teil mag im Außen derzeit keine Entsprechung finden, keine verfassungsmäßigen Institutionen. Doch die Leerstelle verschwindet nicht, sie bleibt uns auch trotz all unserer Abwendung von ihr erhalten.

Freundlich gesprochen wartet die Stadt einfach auf uns. Bis wir soweit sind, uns wieder auf sie zu beziehen, sie uns zu eigen zu machen und zu verstehen, dass wir selbst die Stadt sind.

Die Möglichkeit der Stadt verschwindet nicht, wenn wir sie nicht zwischen uns errichten. Sie verschwindet auch nicht, wenn wir uns von ihr abwenden oder sie für unrealisierbar erklären. Sie verschwindet auch nicht davon, dass wir sie nicht kennen oder nicht verstehen, was überhaupt mit „Stadt“ gemeint sein könnte.

Die Stadt ist „ewig“ in dem Sinne, dass sie solange exisitiert, solange „Menschen“ existieren: Selbstreflexive Wesen, die sich empathisch miteinander verbinden und dadurch gemeinsam handeln können.

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Die Vernunft in der Geschichte

Es ist entweder unglaublich schwer ein Hegelianer zu sein oder all zu leicht. Die allzu leichte Variante lautet: Alles ist gut, wird sich rückblickend als gut erwiesen haben. Vernunft in der Geschichte lässt sich immer finden. Diese Kalenderspruchweisheit hat mit der Arbeit der Philosophie, wie sie Hegel sich vorgestellt hat, wahrscheinlich nicht gar so viel zu tun. Ohne diese Arbeit ist vielleicht die Geschichte von Vernunft durchdrungen, aber nicht die Philosophie als Tätigkeit, sich dieses Vernunft nachdenkend und aussprechend anzueignen. „Objektive Wahrheit ohne instant Zugänglichkeit für das Subjekt“ könnte man das nennen.

Hegel hat das Prinzip, dass und wie die Philosophie die Vernunft in der Geschichte findet, bei Aristoteles mindestens vorgebildet gefunden, wie Joachim Ritter sehr deutlich gezeigt hat.

„Vernunft in der Geschichte“ ist daher eine Zumutung. Denn sie mutet der Philosophie zu, sich erarbeiten zu müssen, was in der Geschichte wesentlich ist und was unwesentlich. Diese „wesentliche Geschichte“ allein ist gemeint, wenn zumindest bei Hegel von „Weltgeschichte“ die Rede ist.

Die Geschichtswissenschaft hat sich von solcher Anmaßung von Urteilskraft über Wesentliches und Unwesentliches schon lange gelöst. Ich selber habe ihr vor nun ca. 20 Jahren direkt dabei zuschauen dürfen, also: wie sich die Arbeit von Historikern vollzieht und welchen Sinn für Details jenseits von „wichtiger und weniger wichtig“ sie entwickelt hat. Alles, worüber man mit Blick auf das, was wir manchmal „Fakten“ nennen, Geschichten erzählen kann, eignet sich als Gegenstand der Geschichtswissenschaften. Und dass es die Geschichten selbst sind (die „Frames“, wie heute manchmal gesagt wird), die uns Fakten überhaupt finden oder wichtig finden lässt, macht die ganze Geschichte zu einer überaus interessanten Angelegenheit.

Der Mensch als ein Wesen mit begrenzter Zeit und – noch wichtiger – begrenzter Aufmerksamkeit steht unter dem Gesetz, dass alles, dem er sich zuwendet, für ihn „wesentlich“ wird. Allein die Zuwendung selbst ist eine performative Wertung eines Gegenstands als „wesentlich“ – und eine Abwertung aller anderen Gegenstände, die diese Zuwendung nicht erfahren als zumindest „unwesentlicher“. Wertungsfreiheit ist uns als Menschen leider nicht gegeben. Wir müssen über das, dem sich unsere Aufmerksamkeit zuwendet, ständig Entscheidungen treffen. Und dieser Entscheidungszwang kann nicht suspendiert werden. Außer vielleicht durch extreme Not.

Auch die Philosophie kann mit der Vernunft in der Geschichte nicht mehr viel anfangen. Scheint sie sich doch durch den Massenmord, die Massenfolter und die tiefe Unmenschlichkeit im 20. Jahrhundert selbst als völlig amoralisch zu diskreditieren, wenn sie in all dem immer noch die Vernunft sucht – und, schlimmer noch!, vielleicht sogar findet. Alle Vernunft in der Geschichte erscheint uns wie eine Rechtfertigung unserer vergangenen Verbrechen und dann eben auch: unserer zukünftigen Verbrechen. Nach dem Prinzip: Der Zweck („die Vernunft in der Geschichte“) heiligt die Mittel (vollkommene Entmenschlichung von Opfern und Tätern dieser Geschichte).

Die großen Linien werden freilich immer noch gesucht und auch gefunden. Sie nennen sich nur nicht mehr „die Vernunft in der Geschichte“, sondern erscheinen pragmatisch geläutert.

Vor diesem Hintergrund erscheint es als durchaus problematische Forderung, wieder „große Geschichten zu erzählen“ oder gar „positive Visionen für unsere Gesellschaft“ zu entwickeln.

Denn diese Geschichten können nicht ohne Bezugnahme auf unsere Vergangenheit erzählt werden, bewerten diese und bewerten auch Details in dieser Vergangenheit als „wichtiger“ oder „unwichtiger“.

Jede emphatische Vision unserer Zukunft, so könnte man meinen, enthält zumindest implizit ihre kleine Philosophie der Weltgeschichte. Ob sie die ganze Geschichte, mit allem, was es da zu erwähnen gegeben hätte, nun „durchdrungen“ hat oder nicht. Denn wie wir spätestens seit Nietzsche wissen, kann auch das Vergessen als Tugend angesehen werden, die Menschen eine Zukunft überhaupt ermöglicht. Oder nüchterner: Die Frage ist nicht, ob vergessen wird oder nicht, sondern was vergessen wird und was nicht. Und was das jeweils für Folgen für uns hat. Konstruktion der Zukunft und Konstruktion der Vergangenheit gehen Hand in Hand. Und immer sind sie gespeist von den erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen der Gegenwart, die ihr Recht fordert „und die Geschichte umschreibt“. – Scheinbar arbeitet sogar unser eigenes, individuelles Gehirn auf diese Weise.

Jeder Geschichte unserer Welt, jede Geschichte der Menschheit, der Politik, usw. erfindet sich daher eine Zukunft mit, die ihrer Logik folgt. Ob Verfallsgeschichte, dramatische Wendung, ewiger Kampf, dialektische Steigerung, etc. Die dramatischen Mittel und möglichen Strukturprinzipien eines solchen Geschichtenerzählens sind begrenzt und aufzählbar. Das „Material“ des Geschichtenerzählens ist unüberschaubar und unbegrenzt, aber die grundsätzlichen Arten, wie man Geschichten erzählen kann, sind endlich und überschaubar. Es gibt nicht gar so viele Erzähllogiken. Und das heißt für uns: Auch wenn wir „Weltgeschichten“ erzählen, müssen wir uns bei ihrer Struktur für eine aus wenigen Möglichkeiten entscheiden.

Diese unsere Erzählungen und die ihnen zugrunde liegende Eigenlogik bestimmen unsere „weitere Geschichte“ sicher nicht in der Form einer kausalistischen Determination. Aber sie bestimmt unsere Zukunft sicher mit, indem sie in spezifischer Weise unsere begrenzte Aufmerksamkeit fokussieren, unsere Energien bündeln und bestimmtes menschliches Verhalten wahrscheinlicher und anderes unwahrscheinlicher machen.

Man könnte also auch sagen: Vorsicht vor Geschichte! Vorsicht vor den Geschichten, die wir uns erzählen! – Denn eine „Vernunft“ findet sich in jeder einzelnen von ihr. Es fragt sich jeweils nur welche. Und was sie aus uns macht. Was wir mithilfe dieser Geschichte aus uns machen.

Ich z.B. wünschte mir, da ich einen recht speziellen Begriff von „Vernunft“ habe, ich wäre besser darin, Geschichten zu erzählen, in denen die Gefühle und Bedürfnisse von Menschen vorkommen und für uns greifbar werden. Doch ich vermute, dass die Filmemacher, Podcaster, Youtuber und Romanciers dieser Welt in dieser Hinsicht einen uneinholbaren Vorsprung haben. Ob das allerdings „gute Geschichten“ sind, also Geschichten, mit denen wir uns selbst zu einer Zukunft verhelfen, die wir auch haben wollen, weiß ich nicht. Manchmal zweifle ich als Geschichtensüchtiger doch sehr daran. Doch es gibt auch andere Geschichten, von denen ich finde, dass sie oft erzählt werden und möglichst viel Aufmerksamkeit bekommen sollten.

Eine handelt vom Klimawandel.

Und eine handelt ausschließlich von uns.

Es scheinen mir Geschichten zu sein, die Vernunft in die Geschichte bringen, indem sie vernünftigerweise unsere Bedürfnisnatur als Menschen würdigen: Nicht nur unser unersättliches Bedürfnis nach Geschichten. Sondern unser Bedürfnis nach Geschichten, in denen sowohl unsere menschlich-allzumenschlichen Bedürfnisse vorkommen als auch unsere Fähigkeiten, diesen unseren Bedürfnissen handelnd gerecht zu werden. Es sind Geschichten, die uns bewusst nicht zu „Helden“ machen, die aber durchaus einen Platz für uns in ihnen als Akteure vorsehen. Akteure, die im Zuge der Handlung vielleicht kein „happy end“ erleiden, aber doch hinterher etwas besser dastehen als vorher. Realistische „Erfolgsgeschichten“ oder „Entwicklungsgeschichten“ sozusagen. Von Heldengeschichten möchte zumindest ich in aller Entschiedenheit abraten, vor allem wenn es um die Weltgeschichte geht.

Solche heldenfreie Geschichten der Menschengemeinschaft sind weitaus anspruchsvoller als es sich vielleicht anhört.

Aber es hat ja auch nie jemand behauptet, dass „Vernunft in der Geschichte“ keine Arbeit sei.

Zukunftserwartungen

Zukunftserwartungen sollen ja angeblich sehr wichtig sein für uns Menschen. Also am besten ist wahrscheinlich man hat keine. Weil es einem so gut geht, dass man kaum an die Zukunft denkt.

Zu denken geben könnte einem auch die Pandora’s-Box-Interpretation von Friedrich Nietzsche (der einer der glücklichsten Menschen der Weltgeschichte gewesen ist, lassen Sie sich von ihm da nichts anderes einreden): Dass die Hoffnung, die allergrößte der Plagen in der Büchse war.

Andererseits kann der Mensch wohl ohne Hoffnung kaum leben. Und wussten Sie, dass man CDU-Wähler und AfD-Wähler am genauesten anhand ihres „Pessimismus“ und „Optimismus“ unterscheiden kann, was Deutschlands Zukunft angeht? Also ich wusste das bis vor kurzem nicht.

Generell ist bekannt, dass Menschen, wenn man ihnen Angst macht, besonders stark dazu tendieren, reaktionär zu denken. Und wenn man ihnen Hoffnung macht, offen für Neues und progressive Ideen zu sein. Mittlerweile ist dieses Wissen allerdings schon so alt und verbreitet, dass es beinahe peinlich ist, das nicht zu wissen.

Wie man das mit dem immer wieder bestätigten Befund in Einklang bringen lässt, dass reaktionärer gepolte Menschen die glücklicheren sind, überlasse ich mal großzügig den vielen Psychologen, die so gerne dazu forschen.

Und dieses Buch hier, das in meinem Bücherschrank vor sich hingammelt, behauptet um die Verwirrung komplett zu machen, dass notorische Pessimisten sich selbst doppelt bestrafen: Einmal, weil sie sich selbst das Leben mit penetranten Katastrophen-Erwartungen versauern. Und zum zweiten Mal, wenn dann mal eine Katastrophe eintritt: Dann sind die notorischen Optimisten nämlich deutlich handlungsfähiger, bewältigen die Krise schneller und tragen weniger Schäden davon. Fies, ich weiß.

Dass der Pessimist am Ende immer Recht hat („Was steht auf dem Grabstein des eingefleischten Pessimisten? – ‚Ich hab’s Euch doch gesagt!'“) hilft ihm also gutes-Leben-technisch nicht so wirklich.

Aber vielleicht geht es für den geborenen-gewordenen Katastrophiker ja gar nicht um das gute Leben? – Wir werden es nie erfahren, denn gerade begabte Schwarzseher sind in diesem Punkt nicht sonderlich auskunftsfreudig. (Und Nietzsche müssen wir hier eben leider ausklammern. Sein „Der Mensch strebt nicht nach Glück; nur der Engländer tut das“ tut in diesem Zusammenhang nicht so wahnsinnig viel zur Sache.)

Nunja, ähem, dann doch vielleicht lieber mal persönlich: Ich bin ja auch einer von diesen leidenschaftlichen Apokalyptikern und schon beinahe berühmt-berüchtigt für meinen ausgemachten Kassandra-Komplex: Ich glaube, Übel schon lange vorher sehen zu können, wenn andere noch glauben, dass alles gut sei und nichts getan werden müsste. Besonders bezogen auf Sozialdynamiken darf ich man mich gern als „hypersensibel“ beschimpfen. Wenn in einer Beziehung, einer Familie, einer Firma, einer Mannschaft, einem Land (?) etwas ungut ist, kann man sich sicher sein, dass ich das so ungefähr 10.000 Meilen gegen den Wind riechen, hören, fühlen, schmecken kann. Und ja, natürlich will das keiner hören. Wie denn auch? Ist ja alles gut gerade.

Wohlergehen und gut eingeübter Optimismus sind eine Ressource. Man sollte sie also möglicherweise eher nähren als in Grund und Boden pessimistisieren. Dass Dumme an der ganzen Kassandrarei ist, dass die Zukunftserwartungen selbst keinen ganz unerheblichen Teil dessen ausmachen, was sich in Zukunft realisieren kann oder eben nicht. Sicher kennen positive und negative „selbsterfüllende Prophezeihungen“ Grenzen (So viel, wie heutzutage prophezeiht wird, bräuchten wir Myriaden von parallelen Realitäten, wenn es anders wäre). Aber es ist leider auch nicht so, dass sie gar keine Rolle spielen würden. Und Negativ-Szenarien haben leider gerade nicht das Potential, die Veränderungen auszulösen, die wir uns von ihnen versprechen. Das ist relativ gut dokumentiert für so ziemlich alle Kontexte, in denen „Change“ irgendeine Relevanz für uns hat. Der Ruf „Feuer! – Schnell alle Wasser holen!“ funktioniert halt wirklich nur in so einfachen Kontexten, in denen der Handlungsbedarf akut und unmittelbar ist. Sobald der Handlungsbedarf etwas langfristiger angelegt ist, die Handlungen komplexer werden und sozialen Abstimmungsbedarf erfordern, versagt das einfach Aktivierungsmuster der „Burning Platform“ regelmäßig.

Will man notwendigen sozialen Wandel unterstützen, müsste man also ständig die Zustände schön reden. Nach dem Muster: „Alles ist gut. Und gemeinsam könne wir das sogar NOCH etwas besser machen!“

Haben Menschen aber chronische Schmerzen, die sozial nur unzureichend gespiegelt werden, funktioniert diese strategische Schönrednerei nur bedingt. Man kennt das aus Unternehmen: die härtesten Zyniker sind die, die sich zu viele schöne Vorstandssonntagsreden reingezogen oder die sie am Anfang ihrer Zeit in der Firma etwas zu ernst genommen haben.

Fassen wir zusammen: Schwieriger, konfliktreicher sozialer Wandel braucht begründete Hoffnung. Offen für Hoffnung sind nur Menschen, denen es unmittelbar gut geht. Und es geht uns Menschen nur dann gut, wenn unsere Gefühle – gut oder schlecht – hinreichend viel und hinreichend angemessene soziale Spiegelung durch andere Menschen erfahren. Sagt zumindest die längste und umfangreichste Studie zum menschlichen Glück, die bislang jemals durchgeführt wurde.

Was ich damit sagen will: Sei zugewandt und offen für die Gefühle Deines lieben Mitbürgers – Und Du erschaffst eine bessere Zukunft.

So einfach und so schwierig ist das.

Denn wenn die Katastrophe da ist (und sie kommt zuverlässig immer irgendwann), brauchen wir Menschen Offenheit dafür, dass uns jemand Mut machen kann. Wir brauchen die emotionalen Ressourcen, die nötig sind, um sich auf eine positive Zukunftserwartung angesichts des Abgrunds einlassen zu können. Unsere guten Beziehungen von heute sind unsere möglichen Hoffnungen von morgen.

Was sich Progressive von Konservativen (nicht: von Reaktionären) über dies auch noch abschauen können, ist sicher die Gelassenheit angesichts einer bombenfest stehenden positiven Zukunftserwartung. Die ist auch ohne klassischen Gottesglauben samt Jenseitsgewissheit möglich. Aber das nur am Rande.

Und wer sich trotz handfester psychologischer Vernunftsgründe nicht zu religiösen Heilserwartung durchringen kann und dennoch gleich hier und heute anfangen will, in die eigene Gelassenheit zu investieren, findet in diesem schönen Büchlein eine erste Hilfe.

 

Der Mythos von Anthropolis

Die Menschen waren gewandert. Sie hatten sich ausgebreitet. Sie hatten dabei Wüsten durchquert, Gebirgszüge überwunden, Meerengen überquert. Sie ließen sich nicht aufhalten. Denn sie waren Menschen. Sie passten sich an: An die Kälte. An die Hitze. An die Weite. An die Enge. Überall siedelten sie und sie lernten die verschiedenen Pflanzen und Tiere zu nutzen und zu pflegen. Sie lernten auch alle möglichen Stoffe und Materialien kennen, aus denen sie die wundersamsten Dinge machten. Eins aber konnten sie niemals finden: Den Frieden zwischen sich.

Sie teilten sich auf in Stämme oder, wie sie es nannten, „Völker“. Sie sprachen verschiedene Sprachen und beteten zu verschiedenen Göttern. Und sie waren einander ein Greul. Ihre Fremdheit füreinander war so groß, dass sie einander nicht einmal mehr als Menschen anerkannten. So hatte jede versprengte Gruppe ein eigenes Wort für „Mensch“. Und dieses Wort bedeutete bei jeder dieser Menschen-Grüppchen das Gleiche. Es bedeutete: „Einer von uns“. Und nur diejenigen genossen ihre Sorge, ihre Zuwendung und ihren Schutz, die „einer von ihnen“ waren. Die anderen Menschen aber, von denen sie sich entfremdet hatten, waren ihnen weniger Wert als die Pflanzen oder Tiere, um die sie sich kümmerten. Sie verfolgten sie, sie versklavten sie, sie vergewaltigten sie und sie töteten sie. Und so ging es lange, lange Zeit. Es schien das Schicksal der Menschen zu sein, niemals Frieden miteinander finden zu können. Und jeder von ihnen sagte: „Ich, ja ich bin gut. Aber es kann eben auch der Beste nicht in Frieden leben, wenn der böse Andere ihn bedroht.“ Und so war jeder Krieg und jede Grausamkeit in ihren Augen eine Notwendigkeit. Jeder schlug nur zurück. Jeder verteidigte sich nur. Jeder schreckte nur ab. Und das machte den Krieg und die Grausamkeit zu Herrschern über sie alle.

Es kam aber die Zeit, da sie sich so weit über die Erde ausgebreitet hatten, dass sie einander nicht mehr ausweichen konnten. Und das war der Beginn davon, dass die Menschheit wieder zusammenwuchs. In der gewohnten kriegerischen, grausamen Weise zunächst, ganz wie es ihre Art miteinander geworden war. Es fuhren also Schiffe aus, um zu erobern, zu unterjochen und zu plündern. Und so wurden einige wenige zu Herrschern über alle anderen. Die Welt war vereint im Schmerz.

Sie waren aber auch uneins mit sich selbst, unter jenen, die sie als „vollwertige Menschen“ anerkannten. Denn sie kannten „Höhere“ und „Niedere“. Und sie fanden es natürlich und von ihren jeweiligen Göttern vorgegeben, dass die einen über die anderen bestimmen sollten und die einen Rechte über die anderen haben sollten. Und die „Höheren“ zeichneten sich aus, weithin sichtbar für alle, durch besondere große Grausamkeit und durch besonders geringes Mitgefühl. Wer herrschen wollte, sollte hart sein gegen sich und hart sein gegen alles andere. – So war ihre Herrschaft über die Welt nur ein Spiegel ihres Umgangs mit sich selbst.

Es kam aber der Tag, und wir wissen bis heute nicht wie, dass sie in sich einen Widerwillen fanden gegen die Hierarchien, die sie errichtet hatten. Vielleicht war es der Neid. Vielleicht war es Verdruss an der Gewalt, die sie sich und anderen tagtäglich antaten. Sie träumten plötzlich einen Traum davon, dass sie alle gleich viel wert sein sollten. Träume dieser Art hatten das, was sie jetzt „Menschheit“ nannten, schon öfter gehabt. Wie kleine Fünkchen waren solche Träume aufgeflackert. Doch dieses Mal war es ein Flächenbrand, der die ganze, nun eng verbundene Welt erfasste, die wieder eine einzige, gemeinsame Sprache sprach.

Sie wussten es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber sie waren bereits wieder eine Familie geworden. Weiterhin waren sie zerfallen in Gruppen, die kaum Kontakt miteinander hatten und die sich doch berührten und beeinflussten. Sie fanden weiterhin, dass nur einige wenige mitsprechen sollten und durften, wenn es um ihr gemeinsames Schicksal ging. Und so setzten sie das, was sie nun gewohnt waren: Die Herrschaft fort. Doch unter dieser Gewohnheit glomm die Glut der Gleichwertigkeit und Verbundenheit weiter. Und erlosch nicht mehr wie sie es früher getan hatte.

Und als die Zeit fortschritt, verbanden sie sich immer mehr miteinander. Sie fanden neue Wege der Bewegung und der Verbindung. Sie bewegten sich auch anders untereinander fort: Nicht mehr in großen Gruppen, sondern als Einzelne. Und so erreichten sie einen Zustand, an dem an jedem Ort auf der Erde Menschen von jedem Ort auf der Erde lebten. Sie waren sich alle nah, doch fühlten sie die Nähe nur zu wenigen. Sie sprachen weiterhin viele verschiedene Sprachen, doch sprachen sie zugleich auch alle solche, die sie alle gemeinsam hatten.

Was sie bei all dem jedoch fortsetzten und was niemals zu enden schien, war der Kampf zwischen ihnen. Sie schienen den Kampf gegeneinander zu lieben. Nicht immer war dieser Kampf offen und bis auf’s Blut. Nein, beileibe nicht! Aber immer war er da, in tausenderlei Formen. Sie gaben dem Kampf auch schöne Namen: Sie nannten ihn z.B.  „Kalter Krieg“, oder „Geschlechterkampf“, oder „Wirtschaftlicher Wettbewerb“, oder „Kampf der Kulturen“, oder „Profisport“, oder „Wahlkampf“. Doch immer ging es um ein Gegeneinander der einen von ihnen und der anderen von ihnen. Und drumherum, um sie alle, schien es nichts zu geben, was sie alle vereinte als eben immer neue, einander abwechselnde Kämpfe.

Ihre Seele aber litt, und sie weinte still in sich hinein. Über all ihre Kämpfe und den Geist, der sie dadurch erfüllte, konnten sie keine Liebe und keine Nähe finden, auch nicht bei ihren Nächsten und Liebsten. Ihre Kinder schrien und sie umarmten sie nicht. Ihre Verwandten litten und sie trösteten sie nicht. Ihre Nachbarn darbten und sie halfen ihnen nicht. Sie wussten es, weil sie es fühlten, dass sie verloren waren, doch sie wussten sich nicht zu helfen. Und über diese Hilflosigkeit stürzten sie sich in neue Kämpfe. Sie waren auch wütend auf ihre Gefühle der Ohnmacht und sie sagten: „Wir könnten so gut leben und wir könnten so glücklich sein, wenn nicht die üble Kampfeslust der anderen uns dazu zwänge aus uns selbst Krieger zu machen!“ Und mit dem Schrei der Wut auf den Lippen stürzten sie sich ins Schlachten. Sie hassten die anderen und sie hassten sich und sie hassten das Hassen. Aber sie konnten all das nicht beenden.

An dem Tag aber, als sie müde wurden all ihrer Kämpfe, an jenem Tag erfanden sie Anthropolis. Es war diese eine Sache, die ihnen die ganze Zeit über gefehlt hatte: Es war das, was sie alle vereinte. Sie fühlten sich plötzlich alle umarmt, aber sie fühlten sich nicht erdrückt. Sie fühlten sich eins und doch als sie selbst. Ihre Angst war plötzlich fort und sie wussten nicht wie. All der Kampf, den sie über Jahrhunderte und Jahrtausende geführt hatten, er erschien ihnen plötzlich sinnlos und absurd.

Anthropolis hatte alles verändert. Es schien wie ein Zauber. Und sie fürchteten auch lange, dass es nur ein Flackern sein könnte, ein Trick, der sich bald in Rauch auflösen würde, ohne Substanz. – Und das wechselseitige Schlachten würde zurückkehren. Die Wahrheit war aber: Anthropolis hatte ihnen allen eine eigene Stimme gegeben. Und hatte dafür gesorgt, dass jeder sie hören konnte. Und in diesem Moment, zum ersten Mal, konnten sie sich alle spüren. Und sie merkten: Es war nicht genug gewesen, dass sie in zahlreichen Verbindungen miteinander standen. Es war nicht genug gewesen, dass sie auf einer einzigen Erde lebten. Es war auch nicht genug gewesen, dass sie einander brauchten. Nein: Sie müssten die Verbindung auch fühlen können. Und eben diese Art von Verbindung, das war Anthropolis. Sie erkannten einander nun als Menschen. Denn sie begegneten einander nun als Menschen. Und sie nannten sich „Mitbürger“ und lächelten sich zu und waren befreit von all der Furcht voreinander und all dem Hass aufeinander. Weiterhin stritten sie oft und sie weinten oft. Aber niemals mehr wurden sie erfasst von jener Verlorenheit, die über all die Zeit hinweg ihr steter Begleiter gewesen war. In Anthropolis fanden sie eine Verbundenheit, die sie nie wieder verließ und die sie alle hielt, auch in den dunkelsten Stunden und in den schwächsten Momenten und im größten Schmerz. In Anthropolis endete die Feindschaft der Menschen und ihre niemals wieder endende Freundschaft als Bürger begann. Bei allem Gegeneinander, dass es wie immer gab zwischen ihnen, gab es nun zugleich immer auch ein Miteinander. Und das Miteinander war von jener Art, dass es alle Gegeneinander tragen konnte. Und so vergaßen die Menschen in Anthropolis, was die Worte „Feindschaft“ und „Krieg“ überhaupt bedeuteten. Sie hatten keine Verwendung mehr dafür. Und sie entdeckten in Anthropolis, wer sie wirklich waren. Denn das war ihnen über all die Jahre als einziges Geheimnis verborgen geblieben. Denn alles andere hatten sie erforscht und durchdrungen. Doch erst in Anthropolis erkannten sie sich selbst.

Politik als Raum für nicht-strategische Kommunikation

Politil war einmal gedacht als Raum für nicht-strategische Kommunikation zwischen den Bürgern.

Das klingt für uns heute nur deswegen so befremdlich, weil wir selbst bislang keine politischen Räume geschaffen haben, sondern etwas anderes, dass wir irrtümlich „Politik“ nennen. Wir haben einen ziemlich merkwürdigen Politikbegriff institutionalisiert.

Strategische Kommunikation besteht darin, dass ich mein menschliches Gegenüber zu einem ganz bestimmten Verhalten bewegen will – Und dass ich nun nach den geeigneten kommunikativen Mitteln suche, um beim anderen genau dieses Verhalten auszulösen.

Der Gegensatz zu strategischer Kommunikation, man könnte es „empathische Kommunikation“ nennen, besteht darin, dass ich keine solchen von vornherein feststehenden Verhaltens-Ziele in der Kommunikation verfolge.

Auch in der nicht-strategischen, empathischen Kommunikation will ich natürlich etwas. Aber was ich mit empathischer Kommunikation erreiche ist etwas vollkommen anderes: Ich will, dass wechselseitiges Verstehen entsteht, dass ich Dich, Deine Lage und Deine Motive besser verstehe, und dass Du mich, meine Lage und meine Motive besser verstehst. – Und dass wir dann von dort aus, aus diesem tieferen Verständnis heraus bessere Handlungs-Lösungen finden, als sie aus einer strategischen Kommunikation heraus jemals möglich gewesen wären. Empathische Kommunikation ist vorrangig prozessorientiert. Gerade über ihre Ergebenisoffenheit, durch ihre gezielt Auflösung unserer Ergebnisfixierung erzielt sie bessere Ergebnisse als die strategische Kommunikation. Dabei geht es der empathischen Kommunikation durchaus um die Qualität dieser Ergebnisse („bessere Ziele, bessere Maßnahmen“), aber sie erreicht diese höhere Qualität, in dem sie den sozialen, zwischenmenschlichen Prozess deutlich mehr beachtet und systematisch würdigt. Über die höhere Qualität der Kommunikation kommt sie zu neuartigen Lösungen, löst Frontstellungen auf und erleichtert Veränderungen, die den Beteiligten ansonsten bedrohlich erscheinen könnten.

Wir könnten daher auch sagen: Empathische Kommunikation ist innovativ, was die Handlungsziele angeht, strategische Kommunikation ist höchstens innovativ, was die Handlungsmittel angeht. Um die spezielle Form von Innovativität zu gewährleisten, die im Politischen möglich ist, ist Politik aber eben auf ehrliche Selbstoffenbarung auf allen Seiten angewiesen. Und die ist unter strategischen Bedingungen (wenn alle Seiten einen verkappten Krieg gegeneinander führen) schlicht nicht zu erwarten.

Politik als Raum für nicht-strategische Kommunikation ist daher nur dann möglich, wenn wir sie quer zu Parteien, Fraktionen und Lagern organisieren und verhindern, dass das Prinzip der Lagerbildung in den Raum des Politischen eindringt und sich in ihm fortsetzt. Denn in diesem Fall ist, wie wir es derzeit ständig erleben, uns auch im Raum des Politischen nur noch strategische Kommunikation möglich.

Und das ist offen gesagt eine ziemliche Verschwendung. Wenn auch im Raum des Politischen strategisch und nicht empathisch kommuniziert wird, braucht es den Raum des Politischen eigentlich gar nicht. Das, was strategische Kommunikation leistet, ist im Raum des Privaten sehr viel besser aufgehoben.

Was die Gewöhnung an strategische Kommunikation uns mit der Zeit übersehen lässt: Auch mit empathischer Selbstoffenbarung bewegen wir den Anderen durchaus. Nur eben auf völlig andere Weise als wenn wir strategische Kommunikation benutzen.

Es wäre daher falsch zu behaupten, empathische Kommunikation sei nicht manipulativ. Denn das würde bedeuten, dass sie einfach wirkungslos und sinnlos wäre. Dass der Raum des Politischen ursprünglich als Raum für empathische Kommunikation gedacht ist, schließt vielmehr die Wahrnehmung mitein, dass es auch „gute Manipulation“ gibt.

Von einem Zustand aus, der nur strategische Kommunikation kennt, ist das freilich schwer nachzuvollziehen. Denn in diesem Zustand (heimlicher Krieg aller gegen alle) geht es die ganze Zeit über einzig darum, der Manipulierende und nicht der Manipulierte zu sein. Und entsprechend verhalten sich dann alle. Offene Selbstoffenbarung, die dem anderen empathisches Andocken und sinnvolle Resonanz überhaupt erst ermöglicht, kann man in so einem Zustand lange suchen. Und die seltenen Fälle empathischer Kommunikation werden daher dann über den grünen Klee gelobt – so wie Verdurstende in der Wüste das Wasser loben -, aber diese hehren Beispiele werden dennoch erwartbar nicht nachgeahmt. Viel zu riskant!

Wer ist schon so blöd, mitten in einer tobenden Schlacht das Visier hochzuklappen und den anderen erkennen zu lassen, wie es ihm geht? Sorgsames Verbergen der eigenen Motive ist die Grundtugend jedes guten Kriegers! Wenn der „Feind“ nicht erkennt, wie es einem geht und was man vorhat, ist das der größte strategische Vorteil, der sich nur denken lässt!  …Der Empathie, den Möglichkeiten des Friedens, der sinnvollen Verhaltensabstimmung und der gemeinsamen Ermöglichung sozialer Innovationen ist dieses strategische Sich-Bedeckt-Halten nur halt leider sehr wenig förderlich.

Im Erzeugen technischer Innovationen waren Kriegsführung und strategische Kommunikation dagegen schon immer ganz ordentlich unterwegs..

Heute, in einem Zeitalter, in dem Krieg im Grunde völlig sinnfrei geworden ist, wäre es eigentlich an der Zeit wieder zu entdecken, dass Politik einmal in völligem Gegensatz zu Kriegsführung und strategischer Kommunikation gestanden hat. Und dass Politik ursprünglich genau zu diesem Zweck erfunden wurde: Ein gänzlich anderes Verhältnis zwischen den Bürgern zu etablieren und kontinuierlich zu pflegen.

Wer will, dass alle Bürger ihre Rüstungen und Waffen zu Hause lassen, wenn sie den Raum des Politischen betreten, muss daher dafür sorgen, dass der Raum des Politischen ein „sicherer Ort“ ist. Ein Ort, an dem ich erwartbar und zuverlässig nicht verletzt werde, wenn ich mich zeige und von meinen wahren Bedürfnissen spreche. Und an dem sich der andere genauso offen und verletzlich zeigt, wie ich das tue.

Es geht in der Politik vorrangig um eine emotionale Stabilität zwischen uns. Um erwartbare Empathie. Solange wir das nicht begreifen und institutionelle Konsequenzen aus unseren eigenen Friedens-Bedürfnissen ziehen, wird auch die Politik nur ein weiterer Ort für Kämpfe, Schlachten und Kriege zwischen uns sein. Viel sozialer Fortschritt ist so nicht zu erwarten. Höchstens Fortschritte in der Waffenentwicklung. Die dann immer ganz schnell auch von „der Gegenseite“ aufgegriffen werden. Denn einen Krieg möchte jeder von uns nur höchst ungern verlieren.

Politik, die begreift, was in „der Politik“ möglich ist, setzt bei der universellen menschlichen Verwundbarkeit und Berührbarkeit an. Sie sorgt dafür, dass wir nicht hart werden müssen, um nicht spürbare und schmerzhafte Reaktionen aneinander zu erleiden. Sie sorgt dafür, dass wir miteinander weich und berührbar bleiben können. Sie sorgt dafür, dass wir unser Miteinander überhaupt einmal anders erleben als einen immer weiter fortgesetzten Krieg.

Wird der Raum des Politischen von uns so verstanden: Als eine strukturelle Intervention in unsere eigenen, unverlierbaren kriegerischen Neigungen, die zugleich unsere friedlichen und empathiefähigen Anlagen als Menschen bewusst nutzt und bewusst triggert, dann wird Erstaunliches zwischen uns möglich:

Wir erleben dann Umgangsformen aneinander, die wir uns eben noch gar nicht vorstellen konnten. Eine Kooperativität, die uns heute unwahrscheinlich erscheinen muss. Wir erleben unsere Mitbürger dann völlig anders als wir sie uns aus unserer Privatheit und Getrenntheit heraus vorstellen. Vor allem aber erleben wir uns selbst dann völlig anders. Im Spiegel unserer Mitbürger lernen wir auch uns selbst völlig neu kennen. Möglicherweise liegt darin sogar unsere größte Angst: Weil wir befürchten, dass wir uns in der bewussten Demaskierung als eine Art Monster entpuppen. Es darf jedoch als sicher gelten, dass wir im Spiegel unserer Mitbürger etwas ganz und gar anderes finden.

Es gibt viel für uns zu entdecken, im Raum der Politik.

 

Was es bedeutet, wenn alle Bürger Politiker sind

Natürlich verändert sich als allererstes der Begriff des „Politiker“ selbst, wenn wir über die regelmäßige Anwendung des demokratischen Losverfahrens uns alle regelmäßig und gleichermaßen zu Politikern machen.

Der Politiker ist dann nicht mehr eine Art „Anwalt für ganz bestimmte Interessen ganz bestimmter Bürger“. Die ganze Sache der Parteinahme fällt weg.

Stattdessen teilt sich der Begriff des Politikers in zwei verschiedene Bedeutungen:

A) Der gelegentliche Politiker, der per Los ausgewählt wird. Der Bürgerpolitiker. Ob man unmittelbare „zweite Amtszeiten“ verbieten will, wie im antiken Athen, um die Belastung durch Politik für uns alle möglichst gering zu halten und die Chance aller Bürger an Politik aktiv teilzuhaben zu erhöhen, damit wäre zu experimentieren.

B) Der Berufspolitiker, der sich dem Gemeinwesen für eine potentiell längere Dauer zur Verfügung stellt und der möglicherweise nach wie vor am Besten durch Wahlen ausgewählt wird. Auch und gerade dieser Politiker wäre dann für das Gemeinwohl zuständig, was ihm nun viel leichter fallen dürfte, da die Prozesse, die in den gelosten Politikgremien ablaufen, ihn viel klarer darüber informieren, was das Gemeinwohl denn gerade überhaupt ist.

Das, was wir heute haben und wovon wir daher ständig ausgehen, wenn wir über Politik sprechen: der „Parteipolitiker“, diese merkwürdige Gestalt gäbe es einfach gar nicht mehr. Sie wäre ersetzt durch zwei weitaus sinnvollere Formen an Politik zu partizipieren.

Der Double Bind an unsere heutigen Politiker: Dass wir sie zwar für die streitförmige Parteinahme für ganz bestimmte Interessen gegen andere Interessen in der Bürgerschaft wählen, und dass wir dann aber nach ihrer Wahl von ihnen erwarten, sie sollten doch bitteschön allempathisch den Bedürfnissen der gesamten Bürgerschaft gerecht werden. – Diese völlige politische Fehlkonstruktion würde wegfallen.

Sinnvolle, handlungsfähige Politik oder völlig verrückte, sich selbst blockierende Politik ergibt sich also daraus, ob es eine geeinte Bürgerschaft überhaupt gibt.

Unter den Bedingungen einer Modernen Gesellschaft mit all ihren Unterschieden zwischen den Bürgern bedeutet das: Politik muss diese Einheit der Bürgerschaft überhaupt erst einmal herstellen. Ja: Politik besteht dann im Kern geradezu aus einem beständigen Prozess der Immer-Wieder-Herstellung dieser Einheit der Bürger.

Das wird heute noch immer gerne mit einem Vormodernen Verständnis aufgefasst: Politische Einheit GEGEN die Unterschiede der Bürger, anstatt so, wie es in der Modernen Gesellschaft ausschließlich funktionieren kann: Politische Einheit MIT den und DURCH die Unterschiede der Bürger.

Immer wieder kommen illiberale Fantastereien auf, die zwar den modernen Bedarf an einer Einheit der Bürgerschaft wahrnehmen, diese Einheit aber dadurch erreichen wollen, dass sie quasi einen Teil der Bürger „politisch ausbürgern“: Einheit durch Konformität. Einheit durch Homogenität.

Der Grund für diese bisher nicht tot zu kriegende politische Fantastik besteht eben im Fehlen einer modernen Form von politischer Einheit, die die Unterschiedlichkeit der Bürger mitnimmt, die die Unterschiede zwischen uns in den Raum des Politischen mit hinein nimmt.

Da der Bedarf an politischer Einheit der Bürger objektiv besteht, er aber von den bestehenden politischen Institutionen nicht aufgegriffen und abgedeckt wird, sind die „politischen Parteien“ selbst Elemente, mit denen sich die Demokratie ad absurdum führt. „Parteipolitik“ dreht sich unter Modernen Bedingungen im Kern immer darum, wer wirklich zum Staat dazugehört, wer weniger und wer gar nicht. Parteipolitik institutionalisiert ein exklusives, desintegrierendes Politikverständnis, kein integrierendes, zusammenführendes. Parteipolitik macht uns allen Angst, nicht wirklich dazu zu gehören, zur Gemeinschaft der Bürger. Sie ist wie eine ständig drohende Ausbürgerung, Entmündigung und politische Ausgrenzung. Parteien als zentrale Bausteine der Demokratie zu betrachten ist daher ein gewaltiges Missverständnis, das dadurch nicht besser wird, dass es gleich am Anfang der modernen Wiederentdeckung der Demokratie verbrochen wurde. Denn mit unserer Duldung von Parteien als zentralen Instanzen unserer Demokratie stellen wir unsere Angstgetriebenheit in der Politik auf Dauer. Wir haben dann aus gutem Grund Angst, nichts mehr zu sagen zu haben und nicht mehr wirklich dazu zu gehören. Dies ist aber kein universalmenschlicher Effekt und kein natürlicher Zustand von Politik, sondern einer, den wir aus purer institutioneller Dummheit künstlich herbeiführen. Denn Politik kann sehr wohl ganz anders ablaufen und sich auch ganz anders anfühlen. Gerade auch unter modernen Bedingungen.

Das Ende der Parteipolitik, die Veränderung unserer Begriffe vom „Politiker“ und die Begründung einer aktiven, gehaltvollen Praxis von Bürgerschaft sind die unmittelbaren positiven Effekte, wenn wir uns über das Losverfahren allesamt zu Politikern machen.

 

 

„Soll sich doch jeder Einzelne um seine Bedürfnisse kümmern“

In unsere Auffassung von Politik hat sich ein auffälliger Irrtum eingeschlichen. Man merkt dieses Missverständnis von Politik z.B. an Folgendem:

Spricht man von wirksamer Politik, die sich auf die Bedürfnisse der Bürger bezieht und die, um das zu erreichen, die Bürger selbst in den Raum des Politischen hineinholt, wird schnell der Verdacht laut, man halte die Bürger für unselbständig, für unfähig, „sich selbst um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern“. Man wolle also eine Art „Versorgerstaat“, und die armen, kleinen, unfähigen, unwissenden Bürger an den Tropf dieses übermächtigen Mutterstaates hängen.

Unser heutiges Unverständnis von Politik wird in diesem Reflex sehr deutlich erkennbar: Denn „dieser Staat“, das sind ja wir selbst. Das ganze Denken „Hier der Staat – Dort die Bürger“ ist bereits ein Ausdruck eines Missverhältnisses, einer verfassungsmäßigen Fehlkonstruktion, die die Bürger von ihrem ureigenen Staat fernhält und sie auf diese Weise von ihm entzweit.

Politik ist Gemeinschaftshandeln der Bürger selbst. Und selbstverständlich erübrigt Politik privates Handeln nicht. Eine Demokratie, die sich nicht entpolitisiert hat, sondern die versteht, dass sie mit ihren Menschen als Bürgern vollkommen identisch ist, neigt auch gar nicht dazu, sich mit Entscheidungen im Raum des Privaten zu befrachten. Denn sie trennt systematisch den Bürger von seinem Dasein als Privatperson. Sie weiß, dass diese Privatperson und Bürger nicht identisch sind und zieht institutionelle Konsequenzen aus dieser Nicht-Identität.

Unser derzeitiges Denken über Politik tut überhaupt so, als könne es auch „keine Politik geben“. Als würde dieses Gemeinschaftshandeln, das ganz verschiedene Folgen für unser unterschiedlichen privaten Lebensvollzüge hat, sich nicht ganz unweigerlich abspielen.

In Wirklichkeit ist Politik eine Realität des menschlichen Lebens. Wir haben die Wahl nicht, nicht auch kollektiv auf unser verschiedenes Schicksal Einfluss zu nehmen.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die politischen Institutionen allen Bürgern den gleichen Einfluss auf das Staatswesen garantieren. Nicht nur auf dem Papier, sondern wirksam, durch geeignete Verfahren, die genau diesen gleichen politischen Einfluss gewährleisten.

Die Lebensvollzüge heute lebender Menschen sind so verschieden und die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung für jeden Einzelnen von uns sind in so viele gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingelagert, dass sich Politik, um „gute Politik“ zu sein, notwendig direkt von den einzelnen Bürgern über ihre Bedürfnisse informieren lassen muss. Und das kann nur geschehen, wenn sie institutionell sicherstellt, dass alle Bürger aktive Politiker sind.

Wenn wir also über die „Zuständigkeit für menschliche Bedürfnisse“ sprechen, so meint eine Wiedergewinnung des ursprünglichen Sinns von Politik nicht, dass wir unmündiger werden. Politisierung der Bürgerschaft heißt nicht, dass wir uns in die Arme eines Staates werfen, „der dann schon alles für uns macht“. Sondern es bedeutet, dass wir gemeinsam den Staat machen. Es bedeutet eine Anerkennung, dass Gemeinschaftshandeln sowohl möglich als auch notwendig ist, sowohl um ein gutes Leben zu realisieren als auch um die notwendig bestehenden privaten Freiheitsrechte überhaupt genießen zu können.

Wenn wir unsere Politikverweigerung beenden, ist dies keine Minderung, sondern eine Steigerung unserer Mündigkeit als Menschen. Eine Politik, die direkt auf die Bedürfnisse der Bürger bezogen ist, heißt nicht, dass wir die Verantwortung für unser Leben abgeben an „Papa Staat“ oder „Mutter Politik“, sondern dass wir solche Positionen der Entfremdung institutionell auflösen.

Politik kann sich nur dadurch auf die Bedürfnisse der Bürger beziehen, dass sich die Menschen als Bürger selbst auf ihre Bedürfnisse beziehen. Wir werden uns also gemeinsam „gute Mütter und Väter“. In einer bedürfnisbezogenen Politik kümmern wir uns alle gemeinsam gut um uns selbst.

Die Politik braucht den „mündigen Bürger“, der für sich selbst spricht. Politik braucht heute Bürger, die gar nicht mehr erwarten, dass ein anderer als sie selbst sich ihrer Bedürfnisse annimmt, dass andere für ihre Bedürfnisse sprechen. Denn das ist unter heutigen Bedingungen zu viel erwartet. Das ist eine völlige Überforderung anderer.

Und es lässt sich erahnen, dass auch und vor allem die heutigen Berufspolitiker sich heftig nach dieser unserer Verantwortungsübernahme sehnen und dass sie weit davon entfernt sind, die Bürger weiterhin aus ihrer Politik heraushalten zu wollen.

Einer der größten Irrtümer unserer Misskonzeption von Politik besteht darin, dass wir glauben, es sei unter den Bedingungen völliger politischer Verantwortungslosigkeit der Bürger etwas Schönes, Politiker zu sein.

Die sich ganz unglaublich reif gebende Vorstellung „Es braucht doch keine Politik, damit erwachsene Menschen sich um ihre Bedürfnisse kümmern können“ hat geradewegs dazu geführt, dass Politiker die Bürger nur noch in einem unmöglich infantilen Zustand erleben: Wie schreiende kleine Kinder, die nicht wissen, was sie eigentlich selber wollen und die sich auch gar nicht darum scheren, was all die anderen Millionen Babys wollen, mit denen sie zugleich auch konfrontiert sind. Dass Berufspolitiker sich vor dem Hintergrund dieses Erlebens als schützende Instanz verstehen, die die Bürger vor dem Schlimmsten bewahrt: vor sich selbst in einem höchst infantilen Zustand, das kann man ihnen kaum übel nehmen.

Es ist wirklich paradox: Gerade die Forderung der Erwachsenheit und Eigenverantwortlichkeit von uns Menschen führt – über ihre Negation der Notwendigkeit von Politik – mitten hinein in ein Absprechen von Demokratiekompetenz der gleichen Menschen.

Die Ideologie des Privatismus, die sich darauf beruft, dass jeder ja wohl sehr gut für sich selber sorgen kann und soll, entmündigt den Menschen als Bürger und blockiert sinnvolles Gemeinschaftshandeln. Und am Ende des Privatismus steht dann immer der Ruf nach „starken Männern, die uns retten sollen“.

Es wäre zum lachend auf dem Boden Wälzen, wenn wir nicht zufällig in allen unseren Lebensvollzügen von dieser mörderischen Tragikomödie betroffen wären…

 

 

Politik ohne Prioritäten

Unsere Politik ist emotional unterinformiert. Was das konkret heißt, kann man z.B. anhand einer Meldung wie dieser hier wahrnehmen:

„Ab dem 1. August müssen Eltern in Berlin für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas oder bei Tagesmüttern keine Beiträge mehr zahlen. Das Bundesland ist das erste, das die Kitagebühren komplett abschafft. Für etliche Familien dürfte das aber nur wenig bringen – weil sie gar keinen Platz für ihr Kind finden. Wie verzweifelt einige Berliner derzeit nach einer Betreuung für den Nachwuchs suchen, lesen Sie hier.“

Ich weiß nicht, welche Worte Ihnen ins Auge springen, wenn Sie diesen Absatz aus einer ganz alltäglichen Nachrichtenmeldung lesen. Bei mir ist es das Wort „verzweifelt“. Ich denke, die Gefühle, die Menschen in ihrem Alltag bezogen auf Gesetze, Regelungen, Verfahren, Institutionen, staatliche Maßnahmen usw. haben, setzen sich kaum oder gar nicht in die Politik hinein um. Es fehlt unserer Politik an regulierendem emotionalem Feedback. An gehaltvollen Rückmeldungen darüber, ob das Gemeinschaftshandeln, das Politik darstellt, auch die Bedürfnisse derjenigen, für die dieses Gemeinschaftshandeln geschieht, wirklich trifft und wirksam berücksichtigt.

Wahlen und Meinungsbefragungen sollen dieses Feedback sein. Schaut man aber rein informationstheoretisch auf diese Feedbackinstrumente, dann sieht man sofort, wie uninformativ sie sind, wie gehaltlos, wie arm an politisch verarbeitbaren Daten. Im Grunde weiß unsere Politik auf diese Weise einfach nicht, was sie tun soll: Was „gute Politik“ und was „schlechte Politik“ ist. Sie ist orientierungslos und wendet viel Zeit auf, diese Orientierungslosigkeit zu kaschieren, da ja von ihr erwartet wird, Orientierung zu haben.

Weil sie Orientierung zu haben hat (weil wir glauben Wahlen und Meinungsbefragungen reichen aus), faktisch aber die Orientierung fehlt, ist diese Investition in den Anschein der Orientiertheit für die Politik ein zwingendes Erfordernis: Kein Berufspolitiker kann es sich leisten zuzugeben, dass er ahnungslos ist, was die Bürger eigentlich wollen. Man kann Berufspolitikern nicht zum Vorwurf machen, dass sie den Anschein der Informiertheit erwecken, solange wir von ihnen unter extrem ungünstigen Bedingungen erwarten, einfach mal eben zu wissen, was für uns gerade wichtiger ist und wo politisches Innovationspotential liegt.

Man könnte auch sagen: Unsere Politik und die Gefühle der Bürger sind voneinander entkoppelt. Und unabhängig davon, wie schlimm man diese fehlende Kopplung findet (dazu kommen wir gleich noch), kann man sagen: Auch das ist niemandes Schuld. Oder wenn es jemandes Schuld wäre, wäre ist es unser aller Schuld, die wir alle gemeinsam eine Verfassung geschaffen haben und alle gemeinsam eine Verfassung tragen, die diese Entkopplung zur Normalität macht. Wir sind alle gemeinsam beteiligt an der verfassungsmäßigen Gefühlsentkopplung von Politik. Wir sind gemeinsam verantwortlich für unsere Verfassung.

Man könnte annehmen, die Ent-Emotionalisierung der Politik sei etwas Positives, Bejahens- und Wünschenswertes. Nach meiner Auffassung stammt diese negative Einschätzung der Bedeutung von Emotionen für die Politik aus einer vormodernen Psychologie, die wissenschaftlich längst überholt ist. Gefühle sind Informationen über Bedürfnisse. Gefühle auszublenden oder nicht aktiv in Entscheidungen einzubeziehen, bedeutet im Blindflug unterwegs zu sein; ohne wissen, wie hoch der Befriedigungsgrad bei welchem menschlichen Bedürfnis momentan ist oder wo gerade dringend gehandelt werden müsste. Auch was gut funktioniert, weiß ein von Emotionen entkoppeltes System nicht. Daher werden in der gefühlsentkoppelten Politik auch immer wieder Regelungen und Maßnahmen abgeschafft, die überaus wünschenswerte Wirkungen haben: Das System weiß es einfach nicht besser. Es fehlt ihm die Art von Information, die es bräuchte, um bessere Entscheidungen zu treffen. Es ist geprägt von einer Ignoranz gegenüber ausgerechnet den Instanzen, denen es eigentlich dienen soll: Den Bedürfnissen der Bürger. Unter den Bedingungen von Gefühlsentkopplung sind dauerhaft unbefriedigt bleibende Bedürfnisse keine Ausnahme. Sie treten dann regelhaft auf und sind erwartbar.

Ohne Wahrnehmung der eigenen, gegebenen Emotionen sind menschliche Individuen nicht handlungsfähig, sondern völlig orientierungslos. Das Gleiche gilt für menschliche Gemeinwesen, gilt für gemeinsames Handeln, gilt für menschliche Politik:

Politik, die z.B. die Emotionen von Eltern auf ihre gegebene Lage nicht unmittelbar auf sich wirken lässt, weiß gar nicht, woran sie genau wie etwas ändern soll. Sie weiß nicht, was wie wichtig ist. Wie verschiedene vorhandene Bedürfnisse sinnvoll aufeinander abgestimmt werden können. Sie kennt auch nicht die Änderungsbereitschaft der Bürger, wenn sei von der Lage und den Bedürfnissen anderer Bürger hören, die von der gleichen Entscheidung anders betroffen sind. Sie kennt nicht das Kompromiss- und Innovationspotential unmittelbaren Austauschs der verschieden betroffenen Bürger, sondern nur die momentanen Frontstellungen, die aus fehlendem Kontakt der Bürger untereinander stammen. Sie ist eben: Emotional desinformiert.

Stattdessen (aus purer Verlegenheit) hantiert eine solche, von den Emotionen der Bürger abgekoppelte Politik mit Zahlen, Statistiken und „Meinungsbefragungen“. Also ob darüber die Stärke der Emotionen der Bürger sinnvoll erhoben werden könnten hinsichtlich ganz unterschiedlicher möglicher politischer Maßnahmen, die alle eine höchst unterschiedliche Wirkung auf die Lebensvollzüge der verschiedenen Bürger entfalten.

Die emotional entkoppelte Politik ist schlicht überfordert. Da sie nicht weiß, wie sie all diesem emotionalem „Kuddelmuddel“, das ihr aus der Bürgerschaft entgegenschlägt, gerecht werden soll, geht sie einfach „drüber“: Sie macht irgendetwas. Das logische Resultat emotionaler Entkopplung in der Politik ist das, was wir derzeit ständig erleben: Symbolpolitik.

Wie soll dem aber abgeholfen werden? Wie sollen vorhandene Emotionen als Informationen über gegebene Bedürfnislagen bei den verschiedenen Bürgern sinnvoll in unsere demokratische Politik einfließen?

Menschliche Emotionen übertragen sich sinnvoll nur in der Unmittelbarkeit in der Begegnung. Wir Menschen sind als hochsoziale Spezies sozusagen „dafür gemacht“, einander unsere Bedürfnisse und ihr Ausmaß spürbar mitzuteilen. Menschliche Kooperation ist völlig undenkbar ohne diese biologische Grundausstattung, die wir alle teilen und die sogar schon die allerkleinsten menschlichen Babys effektiv zum Einsatz zu bringen verstehen.

Um Politik, um Gemeinschaftshandeln sinnvoll und effektiv zu machen, gibt es daher gar keinen anderen Weg, als die Bürger selbst in die Politik zu bringen. Nicht im übertragenen Sinne. Nicht medial vermittelt. Nicht „repräsentierend“.

Sondern ganz buchstäblich, in Fleisch und Blut, mit ihren realen Stimmen und ihren realen Emotionen.

Und natürlich: Alle Bürger gleichermaßen. Denn wir sind uns als gute Demokraten doch einig, dass kein Bürger gegenüber anderen Bürgern bevorzugt behandelt werden sollte? Wir sind uns doch einig, dass die Nöte und Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse aller Bürger in der Politik als absolut gleichwertig behandelt werden sollten, oder? Wir sind uns doch einig, dass wir als Bürger alle gleich wertvoll und gleich wichtig sind, oder?

Oder?

Weich bleiben

Uwe Lübbermann, der Moderator und Nicht-Geschäftsführer des Unternehmens „Premium Cola“ hat neulich auf Twitter einen ganz wunderbaren Tweet verfasst, den ich hier einmal aus Aufhänger für mich benutze, ein paar Fragen nach unserer Weichheit nachzugehen:

Ja, was wenn wir gar nicht hart werden wollen? Und wenn dieser Versuch, „nicht hart zu werden“ sehr viel sinnvoller ist als wir uns das oft klarmachen? Und wenn er als Vorsatz vielleicht auch gar nicht ganz so leicht umzusetzen ist?

Warum werden wir hart? – Im Grunde handelt es sich eine reine „Abwehr-Reaktion“: Wir wollen nicht verletzt werden. Vielleicht haben wir auch Angst vor unseren eigenen gewaltvollen Gegenreaktionen, die wir gerade dann an den Tag legen, wenn wir vorher „nicht hart genug geworden sind.“ Also: Hart-Werden als prophylaktisches Ich-lasse-Dich-mich-nicht-auf-unangenehme-Weise-Berühren-damit-ich-nicht-hinterher-Dich-auf-unangenehme-Weise-berührte.

Klingt ja eigentlich nicht ganz unschlau, um nicht zu sagen: klingt ganz vernünftig so. Wir werden hart, um uns zu schützen und andere vor uns zu beschützen. Wir werden hart, weil es sehr wirksam schlechte Berührungen zwischen uns unwahrscheinlich macht. Wenn wir knorrig wie ein alter Baum, knallhart wie gehärtetes Adamantium und unbeugsam wie ein „Man of Steel“ werden, ist es in der Tat sehr unwahrscheinlich, dass irgendeine zwischenmenschliche Begegnung uns noch auf eine unangenehme Weise nahe geht. Wir können dann ganz relaxt bleiben. Super cool.

Ein klitzekleiner Kollateralschaden tritt dabei leider auch auf: Das Kind wird ein wenig mit dem Bade ausgeschüttet. Denn auf diese Weise, durch das Hart-Werden, verhindern wir nicht nur sehr wirksam schlechte Berührungen zwischen uns. Wir verhindern auf diese Weise Berührungen überhaupt. Und das hat leider ein paar recht dumme Folgeeffekte.

Wollen wir diese negativen Wirkungen des Hart-Werdens nicht, wollen wir in dieser spitzen, kantigen und scharfen Welt aber auch nicht ständig verletzt-werden und verletzen, dann werden wir uns wohl nach anderen Wegen und Mitteln umsehen, um dem Verletzt-Werden auszuweichen. Wir werden dann realisieren, dass Hart-Werden eben ein Mittel zum Zweck ist. Und dass es zum gleichen Zweck auch ganz andere Mittel gibt, die uns berührbar bleiben lassen.

Weich-Bleiben hat daher zur Voraussetzungen, dass wir für uns Wege finden, mit unserer Verletzbarkeit anders umzugehen. Denn unsere Verletzbarkeit ist ein menschliches Faktum. Wir sind ziemlich weiche Wesen. Nicht nur körperlich (Insekten können davon ein Lied singen), sondern noch viel mehr in seelischer Hinsicht. Unsere ganz besondere Verletzbarkeit ist das, was uns alle menschlich macht. Wir sind verwundbare Wesen, auch wenn wir in 9 von 10 schmerzhaften Momenten diese unsere vermaledeite Leicht-Verwundbarkeit gern für immer loswerden würden. – Dementsprechend ist die Auswahl an seelischen Kettenhemden und dreifach gehärteten Ritterrüstungen schier unendlich. Daran mangelt es ganz bestimmt nicht. Den Arsenalen der Unverwundbarkeit wird sicher nie das Material oder der Erfindungsreichtum ausgehen.

Weich-Bleiben scheint daher viel mit Voraussicht, Umsicht und Besonnenheit zu tun zu haben. Mit rechtzeitigem Ausweichen. Und mit der Gabe der Stimme, die uns sinnvolle Koordination und angenehmere Formen der zwischenmenschlichen Berührung ermöglicht.

Aber vielleicht ist das ja doch alles gar nicht das Problem? Vielleicht geht es auch einfach darum, dass wir uns blöd vorkommen, wenn wir weich bleiben, „wo doch Härte gefordert ist“. – „Weichei“ ist ja nicht ganz von ungefähr ein gern gebrauchtes Schimpfwort. Und selbst Frauen scheinen in unserer harten Welt mittlerweile die Vorzüge des überdeutlich sichtbaren Hart-Werdens für sich entdeckt zu haben.

Wenn es also rein um Status geht, um die Frage „Wer von uns beiden ist mehr wert?“, die untrennbar mit der Frage nach der größeren Härte verkoppelt ist, dann, ja dann hätten wir einen globalen Härte-Wettbewerb zwischen uns am Start, in dem dann „der Weich-Bleibende der Dumme ist“.

Für die Möglichkeit weich zu bleiben, bräuchte es in diesem Fall dann wohl auch eher institutionelle Lösungen. Lösungen, die die Frage nach dem Status aus dem Spiel nehmen.

„Nur mit Härte kommt man nach oben“ wäre dann das universelle Gesetz aristokratisch organisierter, hierarchischer Gesellschaften. Gesellschaften, in denen man auf seine weiche-allzuweiche Menschlichkeit scheißen muss (und dann auch auf die der anderen), um eine Position zu ergattern, in der man dann ganz „safe“ ist. Die einen schützt. Die eigene Position als Panzer, die man allerdings nur sehr gut gepanzert ergattern und erhalten kann. Wieder-weich-werden verboten! Bei Gefahr des tödlichen Status-Verlusts!

Die Souveränität der Weichheit wäre in einer solchen Gesellschaft völlig unbekannt. Weichheit würde mit „Gewichtlosigkeit“ assoziiert. Mit einem „Du zählst hier nicht“. Kein Wunder dann, wenn in einer solchen Gesellschaft alle Menschen sich darin überbieten wollen, „harte Männer zu sein“.

Weichheit, die Gewicht hat, Weichheit die Kraft hat, Weichheit, die Wirkung hat: Alles unbekannte, irreale, fantastische Größen in einer Welt, in der man nicht nur glaubt, dass „nur die Harten in den Garten kommen“, sondern in der man auch das ach so verletzliche Leben vor diesem Übergang ins ewige Paradies nicht sonderlich wertschätzt. Unvorstellbar auch, wenn nicht einfach unerheblich, dass weich-bleibende, unverhärtete Menschen möglicherweise deutlich mehr Spaß, Freude und Verbundenheit in ihrem Leben haben. Dass sie mehr Sinn empfinden, so ganz ungeschützt vor dem Leben, das sie nicht durch die trennenden Glaswände von Laboratorien betrachten.

Die situativen Verhärtungen der Angst und der Wut, die wir als Menschen alle kennen, lassen sich eben leicht auf Dauer schalten und zur Grundlage ganzer Lebensphilosophien und Gesellschaftsformationen machen.

Soweit meine windelwachsweichen Gedanken zum Thema „Weich bleiben“.

 

Warum der Liberalismus heute keinen Unterschied mehr macht

Wir können das Problem mit dem Liberalismus/Illiberalismus auch folgendermaßen beschreiben:

Der Liberalismus macht heute keinen Unterschied mehr, weil alle heute lebenden Menschen im Grunde „Liberale“ sind.

Diese Behauptung mag überraschen, weil es heute ja vermeintlich weit verbreitete „illiberale Bestrebungen“ in der Politik gibt. Es macht jedoch durchaus Sinn, das einmal zu hinterfragen: Denn diese Art, unsere derzeitige politische Situation zu erfassen, verwendet sehr ungenaue politische Begriffe, die wenig dazu beitragen, uns klar erkennen zu machen, was unsere Möglichkeiten sind und was wir heute tun können.

Wir sehen klarer, wenn wir bemerken, dass heute niemand, auch unsere vermeintlich „illiberalsten“ Zeigenossen nicht, wirklich eine „illiberale Gesellschaft“ wünschen, d.h. eine Gesellschaft, in der der Staat die fundamentalen privaten Freiheitsrechte nicht mehr garantiert:

Keiner will heute eine Gesellschaft, in dem ihm z.B. kollektiv vorgeschrieben wird…

  • welche Religion er zu haben hat
  • wo er zu wohnen hat
  • wen er zu heiraten und mit wem er eine Familie zu begründen hat. Auch: ob er überhaupt zu heiraten und eine Familie zu gründen hat
  • welchen Beruf er zu ergreifen hat
  • welche Hobbys er ausprobieren darf und welche nicht
  • welche Kleidung er zu tragen hat und welche nicht
  • was er genau essen soll und was nicht
  • etc.

Kurzgesagt: Niemand, keine Mensch möchte in seinem privaten Leben von anderen Menschen fremdbestimmt werden. Das stellt sich beim näheren Nachfragen, im direkten Gespräch auch noch mit jenen Menschen heraus, die wir manchmal als „Illiberale“ brandmarken.

Das könnte uns stutzig machen, ob wirklich „Liberalismus/Illiberalismus“ das Problem unserer Tage ist.

Das soll auch nicht heißen, dass wir heute kein grundsätzliches politisches Problem miteinander haben, sondern nur, dass unser heutiges Problem nur scheinbar entlang der Linien „Liberalismus/Anti-Liberalismus“ verläuft und verhandelt werden kann. Im Grunde ist der Liberalismus schlicht eine ausgemachte historische Tatsache, keine politische Frage mehr.

Die weitaus sinnvoller Linie verläuft heute wie ein Schieberegler zwischen den Polen „Vollständige Diktatur“ und „Vollständige Demokratie“. Die Frage unserer Tage lautet daher nicht „mehr oder weniger liberal?“, sondern „mehr oder weniger demokratisch?“

Und auf dieser Linie machen wir oft selbst keine ganz so großartige Figur. – Möglicherweise ist auch das ein Grund, warum wir uns viel lieber der längst entschiedenen Frage Liberale/Nicht-Liberale Gesellschaft zuwenden: Es ist viel bequemer für uns, bei dieser Frage zu bleiben, während die Frage danach, wie demokratisch wir eigentlich gesonnen sind und wie demokratisch unsere bereits bestehenden politischen Institutionen überhaupt sind, ein paar vergleichsweise unangenehme Erkenntnisse für uns bereit hält.

Wer das nicht glaubt, kann ja mal anhand der hier beschriebenen Kriterien die heutige Gretchenfrage für sich durchtesten, „wie er es mit der Demokratie hält“.

Der Weg dahin, bis wir alle „gute Demokraten“ sind, ist wahrscheinlich noch ein gutes Stück zu gehen. Aber vielleicht ist das ja für einige eine durchaus frohere Botschaft als die Aussicht, sich ewig im Kreis zu drehen und im Nebel unklarer Begrifflichkeiten politische Scheingefechte miteinander zu auszufechten, die längst entschieden sind.

Wer sich heute politische Fortschritte wünscht, sollte sich von den Scheinproblemen rund um liberal/illiberal abwenden und sich dafür stark machen, dass wir unsere Demokratie institutionell weiterentwickeln und sie um jene Verfahren ergänzen, die ihr derzeit noch so schmerzhaft fehlen.

Es ist dieser institutionelle Optimierungsbedarf, und nichts sonst, der uns dazu verurteilen, keine besonders guten Demokraten zu sein.

Die Frage ist, wie immer in der Politik, was wir als Bürger gemeinsam wollen.