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Die Demokratie genauso wie die Politik erzeugt ein Verhältnis von Freien und Gleichen, die sich dann als sogenannte „Bürger“ begegnen.

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D.h. als Menschen, die es für sich kategorisch ablehnen, einander beherrschen, einander von der Politik, vom statusmäßigen Gleichheitsverhältnis ausschließen zu wollen.

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Und das auch dann, wenn einer von ihnen den Eindruck hat, „man wüsste mehr“ als der liebe oder gar nicht so liebe Mitbürger.

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Daher beschließen die demokratischen Bürger, in der Politik alle gemeinsam zu herrschen. Sich als Bürgerschaft selbst zu beherrschen. Damit kein Dritter sie beherrsche. Und damit keiner von ihnen beherrscht werde.

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„Freiheit“, so verstehen es Demokraten, ist die Freiheit vom Beherrscht-Werden durch andere Menschen.

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Und genau diese Freiheit wollen Demokraten nicht nur für sich selbst, sondern für alle ihre Mitbürger.

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Damit aber nicht „aus Versehen“ einer von ihnen die anderen beherrscht (und dadurch alle gemeinsam unfrei werden), müssen alle Bürger zu gleichen Teilen an der Herrschaft beteiligt werden.

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Daher besteht die demokratische Freiheit in der Pflicht der Bürger zur Beteiligung an gleicher Herrschaft.

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Demokratische Freiheit kommt ebenso wie demokratische Herrschaft nur dann zustande, wenn sich alle gleichermaßen an der Herrschaft beteiligen. Kein Bürger mehr. Kein Bürger weniger.

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Im Herzen der Demokratie ist die politische Gleichheit, die etwas ganz anderes ist als private Gleichheit.

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Jenseits davon, dass die Demokratische Freiheit in der Pflicht der Bürger besteht, das Schicksal ihres Gemeinwesens mitzubestimmen und damit auch Mitverantwortung für seine Gesetze und staatliche Aktivitäten zu übernehmen,

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So besteht die Freiheit der Demokratie äußerlich betrachtet in einer Unfreiheit oder vielleicht besser in einer Unmöglichkeit: In der Unmöglichkeit für den einzelnen Bürger, sich vom Staat, vom Gemeinwesen, von der Politik, von den res publica völlig distanzieren zu können. Der unpolitische Bürger ist unfrei. Er ist daher in der Demokratie etwas Unvorstellbares.

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Da Demokratische Freiheit nur durch die Beteiligung aller zustande kommt, kann niemand frei sein unfrei werden zu können. Ließe man dem einzelnen Bürger solche Entscheidungsspielräume (sein Bürgertum als solches zu negieren), hätten wir als Einzelne die Macht, die Freiheit aller anderen zu zerstören.

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Demokratische Freiheit bedeutet, dass die anderen ein Recht auf unser Bürgertum haben: Dass wir unser Bürgertum aktiv ausüben. Nicht als Bürger, die sich über unsere Mitbürger stellen. Sondern als Bürger, die sich in unserer Beteiligung am gemeinsamen Staat unseren Mitbürgern gleich stellen.

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Unsere Mitbürger haben in der Demokratie das Recht darauf, dass wir uns nicht in die politische Verantwortungslosigkeit davonstehlen. Dass wir uns nicht zu „Untertanen“ machen, indem wir uns nicht am Politischen beteiligen. – Wenn, und das ist demokratische Bedingung für das Einfordern der Beteiligungspflicht am Politischen, das Politische so organisiert ist, dass es die Position des gleichrangigen Bürgers überhaupt gibt.

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Demokratische Freiheit und Politische Gleichheit kommen durch unsere bürgerliche Aktivität zustande. Dadurch, dass wir gleichermaßen politisch teilnehmen, mithören, mitreden, mitberaten, mitentscheiden, mitgestalten, was uns allen gleichermaßen gehört: Unser gemeinsamer Staat, unser Gemeinwesen.

 

 

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