Sollte es tatsächlich so kommen, dass durch Digitalisierung, Automatisierung und AI in Zukunft Menschen massenweise nicht mehr für den Produktionsprozess, für „die Arbeit“ gebraucht werden, so kann man sich 4 Szenarien vorstellen, wie die Gesellschaft der Zukunft mit dieser neuen Situation umgeht:

1) Die Massen werden durch Drogen, Kampfsschauspiele („Profisport“) und immer noch ausgefeiltere Videospiele kaltgestellt. Ein Großteil der „nicht-benötigten“ Menschheit vegetiert in einer Art permanentem Dämmerzustand dahin. Das alles wird als nötig gesehen, damit die Vielen „nicht auf dumme Ideen kommen“.

2) Man schafft Reichenghettos und Armenghettos, die noch weit über das Ausmaß hinausgehen, das wir heute kennen: Völlig getrennte Welten, die sich kaum mehr berühren, mit Mauern, Schußanlagen, Drohnenbewachung und allem Pipapo. Man „überlässt die Überflüssigen sich selbst“. Sie bilden eine Parallelgesellschaft mit reiner Subsistenzwirtschaft, während zugleich eine absolut getrennte reiche, produktive Parallelgesellschaft ensteht. – Ich halte dieses Szenario zwar für instabil, aber das heißt ja nicht, dass das jene auch so sehen, die darüber entscheiden, ob es sich realisiert.

3) Man hält sich ein Heer von bedürftigen menschlichen Sklaven, die – da sie nicht gebraucht werden – bereit sind, ausnahmslos alles zu tun, um ein winziges kleines Bisschen vom gesamtgesellschaftlichen Kuchen zu bekommen. Die Machtasymmetrie wird in diesem Szenario voll ausgekostet und gewissermaßen „genossen“. – Es entsteht also eine Art „Neofeudalismus“, in dem die gesellschaftlichen Schichtungen, die wir bereits heute kennen: Ohne realistische Aufstiegsmöglichkeiten, immer weiteres Auseinanderklaffen der Eigentumsverhältnisse, ein neues Stadium erreicht haben, so dass sie vollkommen stabil werden. Absolute Macht für die einen, absolute Ohnmacht für die anderen, mithilfe neuester technischer Möglichkeiten („digitale Überwachung“) global und lückenlos umgesetzt.

Zwischen diesen ersten 3 Szenarien sind auch 4 verschiedene Mischformen sehr leicht denkbar: 1 mit 2 ohne 3 / 1 mit 3 ohne 2 / 2 mit 3 ohne 1 / 1, 2 und 3 gleichzeitig. Insgesamt sind das bisher 7 verschiedene Szenarien, wie gesellschaftliche Integration oder Desintegration dann aussehen könnte, wenn ein Großteil der Menschheit arbeitstechnisch nicht mehr gebraucht wird.

4) Das optimistischste, derzeit aber auch unwahrscheinlichste Szenario: Dass das Freiwerden vom Gebraucht-Werden in der Wirtschaft eine allgemeine aktive Beteiligung aller an der Politik auslöst. Dass also sozusagen Politik und aktive politische Beteiligung zum Integrationsmechanismus anstelle des ökonomischen Integrationsmechanismus wird. Man gehört dann nicht mehr „zur Gesellschaft dazu“, „wenn man Arbeit hat“, sondern wenn man aktiver Politiker ist. – Da alle nun weitgehend Zeit dafür haben (qua Automatisierung und Digitalisierung), können alle Bürger aktive Politiker sein und gemeinsam an der Zukunft ihrer Gesellschaft arbeiten.

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