Der wenig bekannte griechische Philosoph Sētárkōs (irgendwann vor Christus) hat ja in der Moderne einen etwas bekannteren Wiedergänger gefunden. Sehr erfrischend, v.a. für diejenigen, die ohnehin glauben, dass jeder von uns so seine Macken hat, in denen sich jeder von uns immer mal wieder verstrickt und verirrt, und dass daher auch jeder von uns gelegentlich von seinen Mitmenschen ein paar gezielte, liebevolle Tritte in seine seelischen Weichteile braucht, um wieder zu sich zu kommen. In aller Wertschätzung sowohl seiner unglaublichen Fähigkeiten als auch seiner ebenso unglaublichen Unterbelichtetheiten, versteht sich. Für mich ist das ja die demokratischste aller Gesprächsformen, was einem v.a. dann bewusst wird, wenn man sich mal die philosophischen Grundannahmen seiner Dialoge ganz konkret vor die Ohren führt:

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Nie wurde deutlicher, wofür zum Kuckuck, zur Hölle und zum Himmel Menschen überhaupt andere Menschen brauchen, und warum Robinson Crusoe ohne Freitag vermutlich ebenso durchgeknallt wäre wie Chris Pratt ohne Jennifer Lawrence.

Mich persönlich erinnert das immer an jene Stellen bei Christian Meier, in der er davon spricht, dass in der antiken Demokratie die Bürger einander wechselseitig „erzogen“ haben (S. 401 und S. 468).

Man muss Sētárkōs und seinen modernen Nachfolger schon ein wenig kennen, um verstehen zu können, warum wechselseitige „Erziehung“ der Bürger eine feine Sache ist, auf die man nur zum Preis einer überaus kostspieligen Professionalisierung solches ständigen therapeutischen Treibens verzichten kann. Und eine derart untherapierte Politik kommt ein Gemeinwesen halt auch gerne mal teuer zu stehen. Idiotisch wird Politik also genau dann, wenn in der Politik Idioten gut für Idioten sorgen sollen, obwohl weder die einen Idioten notwendig Idioten sind, ebensowenig wie die anderen Idioten notwendig Idioten sind, weil eigentlich nur die institutionellen Formen idiotisch sind, in denen sie sich einander „zuwenden“. Politikformen, in denen Zugewandtheit nämlich gar nicht vorkommt, sondern systematisch ausgeschaltet wird (warum eigentlich?). Politikformen, die uns alle idiotisieren und verrückt machen. Das allerdings mit großer Präzision und Zuverlässigkeit.

Eine Entprofessionalisierung und Verallgemeinerung der Politik ist so gesehen recht unangenehm-angenehm, auf jeden Fall heilsam. Für alle Beteiligten.

Aber natürlich können wir auch die scheinbar überaus vernünftige Unterscheidung von Politik-Profis und Politik-Konsumenten aufrecht erhalten. Auch mit solchen Formen des politischen Kümmerns und Bekümmerns können wir durchaus jede Menge Spaß haben. Das erleben wir alle ja seit vielen Jahren täglich. Es darf also als bewiesen gelten. Philosophenfelsenfest.

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