Das ist sozusagen das eindeutige Erkennungsmerkmal „schlechter Politik“, von schlecht konstruierten politischen Institutionen:

Politik ist schlecht, wenn die Vielfalt und Komplexität menschlicher Bedürfnisse nicht wahrgenommen, sondern künstlich drastisch reduziert wird. Wenn abgestimmt wird, ohne dass man sich vorher aufeinander eingestimmt hätte.

Politik ist schlecht, wenn im Moment des Entscheidens keinerlei menschliche Verbundenheit herrscht. Wenn man entscheidet, ohne sich vorher miteinander sinnvoll verbunden zu haben.

Politik ist schlecht, wenn keinerlei Neugier auf das Menschliche in ihr vorkommt und daher auch keinerlei wechselseitiges Verständnis in ihr entsteht. Wenn folgenreiche politische Entscheidungen getroffen werden, ohne dass vorher wirksam spürbar geworden wäre, was die verschiedenen Folgen für die verschiedenen Beteiligten überhaupt sind.

„Verständnisloses Entscheiden“ könnte man das auch nennen.

Oder: „Abstimmen ohne Abgestimmtheit“.

Oder: „Politik unter Ausschaltung der universellen empathischen Möglichkeiten“.

Es gibt allerdings noch ein zweites, genauso eindeutiges Erkennungsmerkmal schlechter Politik: Wenn beim Sich-Miteinander-Abstimmen gar nicht erst alle dabei sind, die aber eigentlich dabei sein müssten, weil eben auch sie von den Folgen jener Entscheidung mitbetroffen sind.

Wenn die Stimme aller nicht gehört wurde oder wenn die Stimme aller von vornherein gar nicht das gleiche Gewicht hat.

Wenn Politik also – bewusst oder unbewusst – Wertunterschiede zwischen uns Menschen aufmacht. Wenn Politik in ihren Verfahren und Institutionen ausdrückt: „Manche Menschen sind eben wertvoller als andere. Daher hat ihre Stimme im Entscheidungsprozess mehr Gewicht. Deswegen muss die Stimme der weniger wertvollen Menschen gar nicht erst gehört, einbezogen und ernst genommen werden. Es ist gut, wenn manche Menschen keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen haben. Es ist gut, dass wir unsere politischen Prozesse so gebaut haben, dass einige von uns in ihnen faktisch stumm sind, unhörbar, ohne Einfluss.“

Man kann nicht sagen, was von beidem übler ist: Wenn Politik keine Empathie kennt, oder wenn Politik nicht alle Menschen in das empathische Sich-aufeinander-Einstimmen mit hineinnimmt.

Beides ist jedenfalls typisch für aristokratische Formen von Politik.

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