Ich zitiere ja immer wieder gerne Marshall Rosenberg’s Verständnis von „Amtssprache“, das am Ende in den Satz mündet: „Don’t do anything that isn’t play [for you].“

Zuletzt habe ich das Zitat z.B. – etwas versteckt – in diesen Artikel hier eingebaut.

In der Tat ist diese kurze Video-Sequenz mit Rosenberg einer meiner vielen mentalen Anker und Wurzeln, zu denen ich immer wieder zurückkehre, und aus denen sich für mich immer neue und andere Dinge entwickeln.

Mit der Zeit, so kommt es mir vor, entfaltet gerade der „Don’t do…“-Satz eine ziemliche Kraft und Vielschichtigkeit, die weit über das hinausgeht, was ich beim ersten Hören darin verstanden habe.

Der Satz klingt für mich selbst nach einer verabsolutierenden Haltung. Beinahe nach einem Terror des Freude-haben-Müssens. Nach „Zwang zum Positiven“. Aber eben vor allem nach Zwang und damit nach Unfreiheit.

Bei jenem Verständnis von „Freude“ allerdings, das ich Rosenberg in die Schuhe schiebe, wäre „Müssen“ eine reine Absurdität. Freude-haben-Müssen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

„Freude“ in jenem Sinne ist ein „Letztgrund“, hinter dem es keine weiteren „Um-Zus“ mehr gibt. Ein Grund, bei dem es keinen Sinn macht, noch weiter zu fragen: „Und warum willst Du Freude haben?“

Aus einer Analyse des menschlichen Handelns heraus („warum tun wir überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“) gelangen wir zu den Dingen, die wir „um ihrer selbst willen tun.“

Und selbst diejenigen Dinge, die vermeintlich getan und hergestellt werden „müssen“, um etwas anderes zu ermöglichen, das uns dann um so mehr Freude bereitet, gibt es die Möglichkeit, ein spielerisches Moment in unser Tun hineinzubringen. Es ist häufig möglich, diese Dinge auf eine Art und Weise zu tun, die für uns unmittelbar erfüllend ist und nicht nur als Resultat, am Ende unseres Tuns.

Ignorieren wir diese Möglichkeiten zu spielen über einen all zu langen Zeitraum, sind wir rein fixiert auf das, was wir „erreichen“ wollen –> erreichen müssen, dann landen wir im Zustand eigener Gewalttätigkeit:

Wir tun uns dann selbst in unserem Tun Gewalt an.

Und häufig tun wir dann auch anderen Menschen bei oder nach einem solchen Tun Gewalt an.

Insofern ist beides gleichzeitig wahr und möglich:

„Don’t do anything that isn’t play for you.“

Und:

„You’re allowed to play in all the things you do. Find ways to play what has to be done.“