Es hilft nichts, es zu kaschieren: Wie wahrscheinlich ein nicht ganz kleiner Teil der Menschheit glaube ich, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

Dieses Gefühl des „Bescheidwissens“ war ein langer Weg für mich, es ist nach meinem Empfinden „hart erarbeitet“: Durch tausend Selbstzweifel, Unsicherheiten, Ängste und Komplexe hindurch. Wie ein ewig langer Tunnel, an dessen Ende mir dann unverhoffter Weise dann doch irgendwann ein paar Lichter aufgingen.* – Um so mehr genieße ich es heute, dass ein Großteil davon sich verflüchtigt hat; und dass ein pauschales „Ahnung-Haben“ an die Stelle meiner Zweifel getreten ist.

Ich bin also auf einem guten Weg zum klassischen Alten Sack.

Solche fehlende Bescheidenheit macht mich natürlich nicht unbedingt sympathisch. Und selbst wenn ich mich über den offensichtlichen Snobismus anderer aufrege, macht das meine eigene Arroganz auch nicht wirklich besser. Wobei gerade die „Arroganz“ eine ganz erstaunliche Geschichte hinter sich hat. Ich fand es jedenfalls recht lohnenswert für mich, mich mit der Geschichte gerade dieses Begriffs auseinanderzusetzen.

Darüber hinaus stelle ich mir selbst vor allem die Frage, ob man wirklich dadurch ein Snob wird, dass man von seinen eigenen zufälligen Ansichten, Einstellungen und Verhaltensweisen recht viel hält (anders gesagt: mit sich selber im Großen und Ganzen recht zufrieden ist). – Oder ob man vielleicht doch eher dadurch zum Snob wird, dass man von den Ansichten, Einstellungen und Verhaltensweisen seiner lieben Mitmenschen recht wenig hält?

Denn zumindest rein hypothetisch wäre ja immer auch eine Lebenspraxis denkbar, in der wir überaus selbstbewusst sind (um nicht zu sagen: „mit uns selbst befreundet“), während wir zugleich auch dem Erleben, Fühlen, Denken und Können unserer Mitmenschen große Aufmerksamkeit schenken und großen Wert zumessen. Das wäre dann eine Lebenspraxis, die sich auch in einer ganz bestimmten Gesprächspraxis ausdrücken würde.

In diesem Fall wäre ich nämlich fein raus. Denn durch meinen ganz besonders schrägen Job bin ich ja ständig damit beschäftigt, die Ansichten und das Leben anderer Menschen zu achten und wichtig zu nehmen. – Sonst könnte ich diesen Beruf gar nicht ausüben. Oder zumindest nicht lustvoll. Oder zumindest nicht erfolgreich. (Was auch immer „Erfolg“ in meinem Beruf heißen mag).

Oder – und auch diese Möglichkeit kann man ja mit einem gewissen Aufwand im Auge behalten, wenn einem die Aufrechterhaltung dieser Möglichkeit den für sie nötigen Aufwand zu rechtfertigen scheint – ich bin eben doch ein 100%-iger Snob, der jedoch mit seinem persönlichen Snobismus einfach irgendwie durchkommt.

Vielleicht, weil sich viele Menschen ab und zu eben doch ganz gerne bequasseln und belehren lassen. Sogar über ihr Ureigenstes. Über das, was zunächst vor allem sie selber etwas angeht.

Und wahrscheinlich benutze ich den Begriff des „Snob“ bei all dem nicht wirklich korrekt. Wenn es denn bei diesem Begriff eine eindeutige, richtige Bedeutung überhaupt gibt. Vielleicht sind wir ja frei, Begriffen für uns, für andere eine neue Bedeutung zu geben. Wie wir es gerade brauchen. Unter Umständen. Wenn wir es geschickt anstellen und das „Momentum“ ausnutzen. Vielleicht aber auch nicht.


* Nein, diese Lichter waren wohl keine mir entgegen kommende Züge. Immerhin lebe ich noch.