Ich bin nun ja schon etwas länger ein Riesenfan des „Diametralen Auslebens“.

Denn es scheint mir eine viel zu kleine Lobby zu haben und daher viel zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen, dass es auch im Bereich des Seelischen eine lebendige Kultur der Arbeitsteilung zwischen uns gibt.

Das geht schon damit los, dass die älteren Geschwister „emotional wegarbeiten“, was dann den jüngeren Geschwistern ganz andere Freiräume im Leben ermöglicht. Einfach, weil die entsprechenden Themen, Gefühle und Haus „schon versorgt“ sind. Sie haben ihre menschlichen Träger schon gefunden. Worauf hin einige von uns sich selbst ganz neu (er-)finden können. – Und müssen.

Oder, ganz altbacken-traditionell: Frauen, die Tag für Tag die Gefühle ihrer Männer wegarbeiten. Weil wir Männer ja von unserem eigenen Gefühlsleben rein gar nichts wissen. Ja, weil wir noch nicht mal ahnen, dass wir überhaupt auch so etwas wie eine „Seele“ besitzen.

Oder, ebenfalls beliebt und gerne genutzt: Freunde, die jene Gefühle für uns ausleben, die wir selbst unterdrücken, weil wir ganz fest daran glauben, diese Gefühle seien „nicht okay“. – Danke all Ihr Lieben, dass Ihr das für mich tut! 😀

Und natürlich schwappen auch in ganzen Firmen oder Gesellschaften unsere Gefühle und seelischen Regungen hin und her, vor und zurück, eben immer gerade dahin, wo sie gerade „menschlichen Raum“ finden, um sich auszudrücken.

Von all den Psychotherapeuten und Coaches ganz zu schweigen, die schon nach kurzer Berufstätigkeit einen guten Teil der Symptome und Probleme ihrer Klienten und Kunden übernehmen. Irgendwohin muss das Zeug eben.

Ja, wir Menschen sind schon wirklich eine ganz schön eklige Masse. So viele Gefühle, so viel Unverarbeitetes, so viel Waberig-Wackelig-Weiches, wie wir es an uns und in uns haben…

Da ist es doch gut, dass immerhin einige von uns „die volle Verantwortung“ für dieses ganze Zeugs übernehmen. Dass sie übernehmen, was wir nur sehr ungern bei uns behalten wollen. So dass wir gar nicht mehr genau sagen können, wem von uns nun welches Gefühl eigentlich ganz genau gehört.

Beziehungsweise: Natürlich können wir das schon sagen. Jederzeit sogar! Nur ob der andere so freundlich ist, das dann auch für uns zu „übernehmen“, das ist damit noch lange nicht gesagt.

Nach meinen Erfahrungen gibt es aber an überaus bereitwilligen „Gefühls-Übernehmern“ keinerlei Mangel in der Welt. – Außer in unserer Politik natürlich, da ist das vollkommen anders.

Es scheint etwas überaus Lustvolles und Spannendes für uns Menschen daran zu sein, die Gefühle anderer Menschen zu übernehmen und sie für sie – stellvertretend – auszuleben.