Some boys take a beautiful girl
And hide her away from the rest of the world
I want to be the one to walk in the sun
Oh girls they wanna have fun
Oh girls just wanna have
That’s all they really want
Some fun
When the working day is done
Oh girls, they wanna have fun
Oh girls just want to have fun (girls and boys wanna have fun, girls wanna have)
They just wanna, they just wanna
They just wanna, they just wanna, oh girl
Girls they wanna have fun
They just wanna, they just wanna
They just wanna, they just wanna, girls
They just wanna, they just wanna, oh girls
Girls just want to have fun

(Cindy Lauper: Girls just want to have fun)

Ich weiß nicht mehr, ob wir es Mitte der 1980er Jahre noch eigens betonen mussten, dass auch Frauen vor allem anderen Spaß haben wollen (möglicherweise auch schon bevor der Arbeitstag vorbei ist) und dass sie sich vor Männer hüten sollten, die sie in ein freudloses Leben ohne Spaß wegzusperren versuchen. Mittlerweile würde ich mir jedenfalls manchmal einen entsprechenden Song für uns Männer wünschen.

In meiner Arbeit – wir schreiben bald die 2020er Jahre – begegne ich heute vielen überaus braven Unternehmenssoldaten und nebenberuflichen Familienvätern, die vollständig aufgehen in ihren familiären und beruflichen Pflichten. – So dass von ihnen selbst kaum mehr etwas übrig ist.

Wenn man seinen eigenen Lebtag damit verbringt, Menschen auf der Jobsuche die Frage „was willst Du? was willst Du wirklich?“ zu stellen, ist man damit konfrontiert, dass die Folgefrage „was willst Du auf keinen Fall?“ zwar von den meisten recht leicht beantwortet werden kann. Das gleiche gilt aber nicht für die Folgefrage: „Was macht Dir wirklich Freude? Wann hast Du am meisten Spaß?“

Vielleicht mache ich mir da selber was vor, aber es erscheint mir so, dass die meisten (nicht: alle) Frauen diese Frage nach wie vor recht gut beantworten können. Zumindest für sich oder im geschützten Raum. Ihr Problem scheint eher zu sein aus diesem Wissen um die eigene Lust handelnde Konsequenzen zu ziehen. Also den eigenen Spaß an der Freud „ernst“ genug zu nehmen, um auch gezielt in genau die Richtungen zu steuern, die sie am meisten beleben, inspirieren und ihnen am besten tun. Dahin eben, wo für sie „der Spaß“ ist.

Bei den meisten (nicht: allen) Männern mache ich aber die Erfahrung, dass sie die Frage auch für sich selbst nicht mehr beantworten können. Viele Männer wissen überhaupt nicht mehr, was ihnen Spaß macht. Sie suchen ihr freudloses Heil in 100%iger Pflichterfüllung.

Das Konzept des Erwachsenwerdens für uns Männer heißt auch heute noch: Binde Dich an eine Frau, bekomme Kinder mit ihr, kümmere Dich um sie, in dem Du gesellschaftlich erfolgreich wirst und dadurch eine guter „Versorger“ sein kannst. Nebenher solltest Du in der Familie stets gut gelaunt, aufmerksam und empathisch sein, die Familie mit vielen Ideen, Ausflügen und Initiativen auflockern und inspirieren und durch Deine humorvolle Art eine gute Stimmung hineinbringen. Nebenher solltest Du Dich selber nicht hängen lassen, Dich gesund ernähren, etwas für Deinen Körper tun und irgendeinen Sport treiben. Ach, und Freundschaftspflege nicht zu vergessen: Du solltest auch noch im fortgeschrittenen Alter gute Freunde haben. Nimm Dir auch dafür genügend Zeit, sonst kommst Du auf den Hund, indem Du von Deiner Frau emotional allzu abhängig wirst. Das ist nicht gut für Dich, das ist nicht gut für alle. Außerdem wäre es schön, wenn Du Dich auch noch politisch engagierst. Auch das macht sich ja nicht von allein und Du willst ja wohl nicht die Politik all den anderen Idioten überlassen…

Fragt sich, wie viele Männer Sie kennen, die dieser „Anforderung“ halbwegs gerecht werden?

Fragt sich auch, wie viele Männer heute noch diesem „Bild von einem Mann“ gerecht zu werden versuchen.

„Der Spaß“ ist also vorbei, wenn Männer versuchen ins Konzept des Erwachsenwerdens einzusteigen, das wir ihnen in unserer Gesellschaft anbieten. Zwar sind wir Männer recht gut darin, nebenher oder unterderhand „unseren Spaß zu haben“. Doch wenn ich mir die typischen Lüstchen heutiger Männer ganz nüchtern anschaue: Spielsucht, Pornos kucken, obskure Hobbys, die verschämt betrieben werden, weil sie sich nicht sehen lassen können, gelegentliche Kneipenabstürze und Besuche bei einer Prostituierten – dann ist der Spaßfaktor im männlichen Leben in Wahrheit doch recht armselig. Im Grunde lebt der Mann „für die Arbeit“ und „für die Familie“. Und das ist, so wie wir es betreiben, kein wirklicher Spaß für ihn.

Mit all dem ist nicht gesagt, dass es erwachsenen Frauen in unserer Gesellschaft groß besser ginge. Ich könnte auch für sie eine sehr ähnliche, weitgehend lustbefreite Auflistung machen. Der fehlende Spaß von Männern an ihrem Leben hat meines Erachtens jedoch weniger Öffentlichkeit, er hat keine Lobby. Denn unser öffentliches Bild von Männern hat mit der emotionalen Lebensrealität von Männern recht wenig zu tun. „Spaß“ ist in unserem öffentlichen Bild von Männern kein Thema. Dass Männer Spaß an ihren Verpflichtungen, an der Erfüllung unserer Erwartungen an sie haben, wird schlicht und einfach vorausgesetzt. Ob Männer wirklich Spaß daran und dabei haben, das existiert in der Öffentlichkeit nicht einmal als Frage. Genauso wie Frauen finden sich Männer umstellt von gesellschaftlichen Imperativen, denen sie hinterher hecheln. Um ihre Lust, um ihre Freude geht es nicht. Es geht im männlichen Leben am Ende des langen Tages und des dann als viel zu lang empfundenen Lebens darum, „das es was hermacht“.

Die Realität und die Verbreitung des männlichen Selbstmords hat also durchaus gesellschaftlich-strukturelle und weniger „psychologische“ Gründe. Und es hat viel mit unserem sehr merkwürdigen und ziemlich menschenunfreundlichen Männlichkeitsbild zu tun. Männliche Depression sieht nur selten aus, wie wir uns eine Depression vorstellen. Und doch ist sie eher die Ausnahme als die Regel. Denn männliche Emanzipation ist kein Thema für uns.

Das einzige Angebot, das unsere Gesellschaft uns macht, wenn wir Männer sind, die „just want to have fun“, besteht darin, ewig große Jungen zu bleiben, also niemals erwachsen zu werden. Allen „Verpflichtungen“ aus dem Weg zu gehen. Unsere Gesellschaft verachtet solche Männer in wundersamer Einvernehmlichkeit.

Dennoch ist das, „das Peter-Pan-Syndrom“ vielleicht nicht das Schlechteste, wenn man den traurigen Zustand der meisten heutigen Männer in aller Ruhe auf sich wirken lässt: Vollzeit-Sklaven unserer „selbstgewählten“ Pflichten, die wir sind. Allesamt.

Human beings just wanna have fun.