Es könnte scheinen, als seien wir Menschen beständig dabei, „an etwas zu arbeiten“, zu machen, zu tun. Kurz: Probleme zu lösen. Nach dem Problem gestern das heutige Problem. Und nach dem derzeitigen Problem das nächste Problem.

Diese Perspektive hat ihr gutes Recht. Immerhin setzten unsere Probleme auf unseren Bedürfnissen auf. Und unsere Bedürfnisse werden niemals enden, sondern „aus sich heraus“ immer wieder neu entstehen.

Gleichzeitig macht aber auch die genau umgekehrte Perspektive nicht wenig Sinn:

Wir Menschen sind beständig damit beschäftigt, „uns selbst Probleme zu machen“. Wir empfinden eine gewisse „Lust an Problemen“. Uns wird leicht langweilig. Und was gibt es Schöneres als ein richtig schön forderndes Problem, an dem wir uns abarbeiten können? An dem wir uns selbst erleben? An dem wir „wachsen“?

Probleme können also auch betrachtet werden als „nicht gegeben“, als „gemacht“. Mit Vorsatz.

Weil die Existenz von Problemen einen ganzen Haufen anderer Probleme löst.

Wir Menschen sind im Aufwerfen von Problemen also ganz außerordentlich „begabt“.

Und man kann, mit Blick auf die Philosophie, auch behaupten, dass es ohne Menschen gar keine Probleme gibt.

Denn was genau ist eigentlich „ein Problem“?

Die Philosophie antwortet darauf: „Ein Problem ist eine Differenz von Sein und Sollen“.

Und sie fügt an (aber das sagt sie nicht immer laut, man will ja seinen schlechten Ruf nicht vollends ruinieren): „Ein Problem ist also völlig subjektiv – Ohne einen Menschen, der sagt: Hier tritt Sein und Sollen völlig auseinander! Das hier ist ja überhaupt nicht so, wie es sein soll! gibt es überhaupt keine Probleme. Die Steine haben keine Probleme. Die Pflanzen haben keine Probleme. Die Tiere haben keine Probleme. Die Natur ganz generell hat keine Probleme. Probleme haben nur wir Menschen. Weil wir Menschen uns Probleme machen. Weil wir Menschen beständige Schlecht-Finder und Besser-Finder sind. Weil wir Menschen lebende Negationen sind.“

In dem Moment, in dem wir sagen: „Es ist wie es ist.“ Oder: „Passt schon.“ haben wir kein Problem mehr. Die Affirmation des Seins: Sich mit dem Bestehenden einfach abzufinden, ist also stets die eleganteste aller Problemlösungen.

Aber das ist wie gesagt furchtbar langweilig. Und führt uns in tausenderlei Folgeprobleme.