Ich bin seit vielen Jahren ein großer Fan davon, den Umgang, den menschliche Gesellschaften mit sich selber pflegen, mit dem Umgang zu parallelisieren, den wir als einzelne Menschen mit uns selber pflegen.

Z.B. können wir es uns als Einzelne angewöhnen, einen etwas umfassenderen und häufigeren Umgang mit unserem Unbewussten zu pflegen. Uns also z.B. zu fragen: „Wie fühlt sich das insgesamt an?“ statt gedanklich einzelne Aspekte durchzugehen. Ich bin fest überzeugt bzw. „ich weiß aus Erfahrung“, dass man Intuition auch kultivieren kann. Unser Bewusstsein und unsere Unbewusstes lassen sich immer wieder neu und „ganz bewusst“ vernetzen. Dieses Vernetzen ist eine Aktivität eigener Art. Und es macht einen großen Unterschied ob wir dieses Zum-Bewusstsein-Kommen-Lassen kennen und betreiben, oder ob wir gar nichts davon wissen oder es „wider besseres Wissen“ einfach nicht tun.

Zugleich ist es so, dass wir wie bei allen Dingen uns um so leichter damit tun, um so häufiger wir unsere Intuition befragen. Also die Gewohnheit kultivieren, immer mal wieder alle gedanklichen, bewussten Aspekte einer Sache kurz beiseite zu lassen und freundlich bei unserer „inneren Stimme“ anklopfen und ihr einfach mal zuhören, was sie so zum Thema zu sagen hat. Oft kommt, gerade in ruhigen, entspannten Momenten, dann nämlich völlig Neues, Überraschendes, auch „Kreatives“ an die Oberfläche. Im Grunde müssen wir dafür nichts „machen“, sondern dem nur „Raum geben“.

Die Parallele zu menschlichen Gesellschaften bei all dem ist nun, dass auch Gesellschaften „ganz bewusst“ ihr Unbewusstes befragen können. Bezogen auf Gesamtgesellschaften geschieht das in gelosten Bürgerberatungen. Hier lauscht sozusagen „die bewusste Gesellschaft“ in die „unbewusste Gesellschaft“ hinein und macht sich das eigene unbewusste Wissen selbst zugänglich.

Und auch hier gilt: Um so häufiger wir das tun, um so leichter wird das für uns.

Und auch hier gilt: Wir müssen dafür eigentlich nicht viel „machen“, wir müssen dem nur Raum geben.

Das ist oft gar nicht so einfach „zu verstehen“ oder vielleicht besser: hinzunehmen. Oftmals glauben wir, wenn es nicht „gemacht“ ist, wenn es nicht in einem Riesentamtam mit tollen „Maßnahmen“ und „Tools“ und Tralala daherkommt, dann könne sich nichts Wertvolles ergeben. Dann könne der ganze Vorgang nicht wertvoll für uns sein.

Dabei zeigt die private, persönliche Erfahrung: Gerade in jenen stillen Momenten und „ruhigen Minuten“ kommen eben die besten Ideen, die ganz neuen Perspektiven: Das Ungedachte, das Unartikulierte.

Gesellschaften, die keinen guten Kontakt zu ihrem eigenen Unbewussten pflegen, haben kein ganz kleines Problem. Und sie werden auch immer schlechter darin, um so weniger sie das tun (negative Rückkopplungsschleife). Aber sie werden eben auch recht schnell wieder immer besser darin, sobald sie wieder damit anfangen, auf ihr eigenes unbewusstes Wissen Bezug zu nehmen und es vorsätzlich in ihr Gemeinschaftshandeln einfließen zu lassen (positive Rückkopplungsschleife). Wenn sie sich nicht sogar ganz davon leiten lassen.

Ich glaube ja, dass wir aus dem „bewusst unser Unbewusstes befragen“ eine gute gesellschaftliche Gewohnheit machen können.