Es gibt ja sehr schöne und sehr unschöne Gruppendynamiken. Bei den schönen Formen springen „gute Energien“ zwischen uns hin und her, stecken uns gegenseitig an, inspirieren uns und sorgen dafür, dass wir zusammen einen richtig gute Zeit haben. Auf manchen Feiern und Festen ist das so. Manchmal auch, wenn sich einfach ein paar gute Freunde treffen und tratschen und sich austauschen.

Unschöne Gruppendynamiken nehmen so schlecht wie immer die Form „Wir gegen die“ an. Entweder in offener oder in verkappter Weise. Das kann ein gruppeninternes „Wir gegen Euch“ sein. Oder ein Versuch, die ganze Gruppe gegen ein der Gruppe äußerliches „die“ aufzuwiegeln. Dort geht es dann immer um Neid, um Zu-kurz-gekommen-Sein, um Verächtlichkeit. Kurz darum dass bestimmte Menschen nicht in ihrer Menschlichkeit wahrgenommen werden. In unschönen Gruppendynamiken werden Menschen stattdessen kommunikativ verzerrt und nicht so wahrgenommen, „wie sie wirklich sind“: Nicht so wie wir sie in einer entspannten, freundschaftlichen Atmosphäre wahrnehmen würden.

Das ist auch der Grund, warum die deliberativen demokratischen Formate, die wir heute benutzen, so produktiv sind: Sie sorgen verfahrenstechnisch, institutionell dafür, dass es keine unguten Gruppendynamiken geben kann. Und dass sie dort, wo sie zu entstehen beginnen, gleich im Ansatz gestoppt werden.

Das sind gar nicht immer Moderatoren oder Moderationsformate, die dafür sorgen. Es ist oft auch einfach die klare Aufgabenstellung, das Gespräch in kleinen Gruppen (in denen jeder gut zu Wort kommen kann) und vor allem die immer wieder neue, zufällige Durchmischung dieser Kleingruppen, die für „gute Gruppendynamiken“ sorgen. Sowohl in den jeweiligen Kleingruppen, als auch in der Gesamtgruppe, als auch für die gesamte Gesellschaft, für die so eine Bürgerversammlung, so eine Citizens‘ Assembly Probleme löst und Empfehlungen gibt.

Die Zufallsauswahl sorgt dafür, dass jeder für sich steht, dass jeder für sich spricht, dass jeder in seiner Individualität kenntlich und wirksam wird.

Dass sich einzelne „hinter der Gruppe zu verstecken versuchen“ oder dass ein „Wir gegen die“ entsteht, wird so technisch verunmöglicht.

Eine ziemlich schlaue Erfindung, wie ich finde.

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