Vom Anarchisten Bakunin stammt das Theorem, demzufolge jede Regierung deswegen schlecht sei, weil sie – selbst wenn sie aus den weltbesten und wohlmeinendsten Experten bestünde – als allerersten Punkt auf ihrer Agenda haben würde, sich selbst an der Regierung zu halten. Sie würde alles mögliche Unrecht gegen die von ihr regierten Menschen begehen, um sich selbst ihre Regierungsmacht auf alle Zeiten zu sichern. Und das gerade um so mehr, um so mehr sie sich dessen bewusst ist, dass sie ja die weltbeste und wohlmeinendste Regierung wäre.

Aus Bakunins Theorem kann man vieles ableiten. Z.B. die Regierungszeit prinzipiell zu begrenzen und immer wieder neu zur Wahl zu stellen.

Wir können aber auch ganz anderes daraus ableiten: Zum Beispiel, dass es gar nicht so unglaublich wichtig ist, WER genau an der Regierung ist, sondern dass es eine sehr viel wichtigere Frage ist, AUF WELCHE WEISE genau die Regierten ihre Regierung kontrollieren.

In jedem Fall lässt sich DIE DEMOKRATIE als eine Antwort auf Bakunins Theorem interpretieren. Als Widerspruch zu Bakunins Behauptung, dass dort, wo der Staat beginne, das Individuum automatisch ende. Die Demokratie behauptet das gerade Gegenteil: Die Demokratie geht davon aus, dass der Staat die allgemeine Anerkennung des Eigenrechts der Individualität sei. Und dass diese allgemeine Anerkennung von unser aller Individualität sich NUR in der Politik, in unserer Politik ereignen kann.

Und wir können mit Blick auf Bakunins Theorem sehr deutlich wahrnehmen, dass es verschiedene Varianten von „Demokratie“ gibt: Sehr verschiedene Versuche, die Kluft zwischen Regierung und Regierten zu kitten – oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. So dass Regierte und Regierende identisch sind. So dass sich die Bürger selbst „beherrschen“.

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