Eine der erstaunlichsten Gegebenheiten auf unserem Planeten, eine, über die üblicherweise eher Dichter und Drehbuchautoren in Hollywood schreiben als Philosophen und Politiker, ist die Fähigkeiten von Menschen, das Feuer anderer Menschen anfachen (oder dimmen) zu können:

In jeder Begegnung zwischen zwei beliebigen Menschen liegt das Potential, dass sich die gemeinsame Energie erhöht oder senkt. Und vielleicht geschieht in menschlichen Begegnungen sogar immer eins von beidenganz unvermeidlich.

Manchmal sind das wirklich sehr, sehr einfach Handlungen wie ein Lächeln, zu dem wir uns entscheiden, ein gehaltener Augenkontakt, eine Wendung unserer Stimme, ein bewusstes Innehalten statt Darüberhinwegreden, usw. – In jedem Fall ist die Wirkung unmittelbar merklich für uns. Und nicht von ungefähr sprechen wir davon, dass „die Temperatur im Raum spürbar in den Keller gegangen ist“, oder dass „das ein inspirierendes Treffen war“ oder eine „herzerwärmende Begegnung“.

Nicht anfachen, nicht auslöschen

Manche sagen auch, ein Problem sei, dass wir oft das Feuer in anderen dimmen, ohne das überhaupt zu bemerken. Jemand erzählt uns etwas mit aufflackernder Begeisterung – und findet bei uns keinerlei Resonanz. In aller Unschuld entmutigen wir andere schon in dem Moment, indem ihr Thymos gerade erst vorsichtig Anlauf nimmt…

…Als Konsequenz wird daraus geschlossen, es ginge weniger darum, die menschlichen Feuer künstlich anzufachen, sondern eher darum sie nicht künstlich auszulöschen.

Da aber nur weniges für uns Menschen „natürlicher“ ist als eben die Interaktion mit anderen Menschen, so muss sich diese Sichtweise fragen lassen, was genau denn an solchen Vorgängen überhaupt „künstlich“ sei? – Es geschieht ja die ganze Zeit über. Mit oder ohne Vorsatz. Als natürliche Gegebenheit unseres Lebens.

Indem wir Menschen uns begegnen, beleben oder bedrücken wir uns. Und diese Gegebenheit, dieses Potential lässt uns die Möglichkeit, in jeder Situation danach fragen zu können, wie wir zur menschlichen Energie beitragen. Weniger im Sinne einer „moralischen“ Frage. Sondern mehr im Sinne der pragmatischen Frage nach einem „gewusst wie“.

Die Fähigkeit, mit menschlicher Energie förderlich umzugehen, ist erlernbar. Und sie ist ausbaufähig. Sie ist selbstverständlich auch sehr vielfältig. So vielfältig wie „die Menschheit“ selbst.

Herzliche, dankbare, einfach-eindeutige Feuer

Guter Umgang miteinander, so heißt es auch, sei „weniger wie Wasser in einen Behälter zu schütten als vielmehr wie ein Feuer im anderen anzuzünden“. Mit dem kleinen Unterschied, dass in jedem Menschen bereits tausend Feuer lodern. Das Problem: Meist glimmen sie unter der Oberfläche. Und manchmal liegt schon einiges an abgebrannter Kohle obendrauf und scheint die Glut zu erdrücken.

Die magischen Fähigkeiten, die wir alle ausnahmslos besitzen, wenn es um andere Menschen geht, nutzen den Respekt vor den Feuern der anderen. Denn Feuer ist, so wurde es mir zumindest beigebracht, etwas, das mit Respekt behandelt sein will.

Doch jene Feuer sind zugleich überaus „dankbar“. Sie entbrennen sofort und herzlich. Es ist leicht für uns, sie anzufachen. Solange man selbst noch ein wenig warm ist und solange man selbst noch ein wenig Atem hat, gelingt es uns recht zuverlässig, in die richtige Ecke zu pusten und den richtigen abgebrannten Scheit zur Seite zu räumen. Es erfordert also nicht viel und ist in den allermeisten Fällen auch nicht sonderlich kompliziert. Das unmittelbar sich erhellender oder verdunkelnde Licht der Flamme zeigt uns recht eindeutig, ob wir gerade richtig handeln. Es ist nicht rocket science. Und es ist kein Hexenwerk. Außer wir wagen zu sagen, dass alle Menschen gleichermaßen Zauberer sind.

Vielleicht erfreut sich das Thema auch deswegen so wenig Beliebtheit bei Philosophen und Politikern:

Was jeder kann und was zudem noch einfach ist, das kann ja wohl nichts „Wahres“ sein! 😉

Wir Philosophen und Politiker tun uns deutlich leichter mit dem „Ofen-aus-Szenario“. Doch das ist weit, weitaus seltener anzutreffen als all jene Situationen, in denen vorhandene Feuer begrüßt und angefacht sein wollen.

So kommen wir zur goldknisternden Regel:

Bevor Du philosophisch oder politisch wirst, probier’s vielleicht erst ein paar mal mit freundlich-geschicktem Pusten.

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