Es gibt ja Zustände, da fühlen wir uns vom Lebendigen angezogen. Und Zustände, da fühlen wir uns vom Toten angezogen.

Die ersten sind die, in denen wir auch noch das Tote „verlebendigen“, mit dem wir uns gerade beschäftigen. Z.B. in der Poesie. Alles ist magisch, alles sprüht funken und quillt über vor Farben, Schattierungen, Rythmen, Vielfalt, Spannung und Dynamik, vor unausschöpflicher Mehrdeutigkeit.

Die zweiteren sind die, in denen wir auch noch das Lebendigste abzutöten beginnen, mit dem wir uns beschäftigen. Z.B. in der Wissenschaft. Alles wird seziert, analysiert, festgestellt und festgezurrt, und dann in die fixen Boxen unseres Bewusstseins eingepackt, auf dass es dort erfroren für immer hübsch still und konserviert bleiben möge.

Als Lebendige lieben wir den Austausch und den Kontakt. Wir flirren mit dem Fluß des Zahllosen, dem wir begegnen.

Als Tote wollen wir Kontrolle und Besitz. Wir stehen über den Dingen und versuchen sie zu beherrschen. Im Grunde gibt es dann ja auch nur noch „Dinge“ für uns.

Wir könnten auch sagen: Sobald etwas „eindeutig“ für uns wird, sobald ist die Luft raus, sobald verliert sich die Spannung, sobald stirbt es für uns.

Insofern ist unser häufiges Bestreben, „die Dinge zu vereindeutigen“ (und sie dadurch überhaupt erst zu für uns greifbaren Dingen zu machen), eine spannende Kiste.