Es ist eine große Schwäche der heutigen Zeit, dass sie sich hartnäckig weigert, sich die Einheit der Vielheit auch nur vorzustellen, geschweige denn zu realisieren.

Wenn die Moderne sich „die Einheit der Vielheit“ vorzustellen versucht, kommt bisher so ewas heraus wie in Michael Endes Unendlicher Geschichte: Ein Monster namens Ygramul, das aus lauter gleichartigen Teilen besteht, die sich zwar ständig verschieden zueinander anordnen, die aber deswegen noch lange nicht verschiedener voneinander werden ( – ganz anders als das bei uns Menschen in Wirklichkeit der Fall ist).

Oder – ein zweites Horror- und Abschreckungsbild – wir stellen uns vor, dass wir unsere gegebene Individualität aufgeben müssten, um Teil einer Einheit zu werden; so wie bei den Borg des STAR-TREK-Universums.

Dabei sind geeignete Bilder für „Einheit in der Vielheit“ nicht so wahnsinnig schwer zu finden: Jeder Blumentsrauß oder jede Blumenwiese stellt so eine Gesamtheit von Vielfältigem (und Vielfältig-Bleibendem) dar.

Oder, noch treffender, denn das geht über die reine Anhäufung hinaus, hin zu einem Geschehen, in dem sich das Verschiedene nicht nur formell vereint, sondern auch überdeutlich wechselseitig beeinflusst, verändert und berührt, ohne dass jedoch darum die Individualität aller Einzelnen jemals geschmälert würde:

Das Bild des Konzerts. – Ohne die Individualität der Stimmen, die es vereint, wäre ein Konzert ein wohl recht eintöniges und mangelhaftes Ganzes. Man stelle sich nur vor, wie z.B. die Trompeten die Geigen „trompetenmäßiger“ zu machen versuchen, „damit das Konzert besser wird“; während einigen Streichern ihrerseits an den Pauken nicht gefällt, dass sie keine Saiten haben, „das störe doch sehr die Harmonie“; usw. …

Da so treffende Bilder für die „Einheit in der Vielheit“ gar so leicht zu finden sind, kann unsere notorische Verweigerung, die Vielen zu einigen, wohl kaum damit begründet werden, diese Vereinbarkeit der Vielen „sei nicht vorstellbar“. Sie ist im Gegenteil offenbar sogar all zu leicht vorstellbar!

So bleibt uns nur noch eine Frage zu stellen angesichts unserer bewusst gewählten Uneinigkeit:

Was zum Ygramul stimmt eigentlich nicht mit uns!?