Politische Normalität tritt erst dann ein, wenn es für alle Menschen ab einem bestimmten Alter völlig normal ist, von ihrem Privatleben einen Teil abzutrennen und für „das politische Leben“ bereit zu halten. Wenn also alle Menschen aktive Bürger sind.

Diese Normalität kann kaum aus privater Initiative hervorgehen. Das zu erwarten wäre schlicht eine Überforderung von uns allen.

Was uns jedoch nicht überfordert ist die Einführung eines politischen Systems, das uns alle regelmäßig und beständig „engagiert“.

Da dies dann uns allen immer wieder „widerfährt“ und allgemeine Akzeptanz der allgemeinen politischen Engagiertheit vorausgesetzt werden kann, verliert Politik dabei viel von ihrer Aufgeregtheit.

Sie wird zu einem völlig normalen, selbstverständlichen Bestandteil des menschlichen Lebens, „der eben einfach dazu gehört“. Sie wird unspektakulär.

Ohne dieses, durch das Losverfahren institutionalisierte System, lebt eine Gesellschaft politisch gesehen beständig im Ausnahmezustand. Ständig Drama, ständig was los, ständig polarisierende Maulhelden mit großer Klappe, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen müssen, „um das Ding am Laufen zu halten“.

Der Ausnahmezustand wird selbst zur „Normalität“. Das geht soweit, dass weitgehend vergessen wird, wie sich eine Gesellschaft mit einer allgemeinen, geordneten Politik unter aktiver Beteiligung aller Bürger im Unterschied dazu anfühlt. Und natürlich auch, dass eine solche Politische Normalität überhaupt möglich ist: Dass sie eine unsterbliche Alternative darstellt, die jederzeit wieder möglich ist.

Politische Normalität beruht auf Einsicht und Entschluss und setzt nichts weiter voraus als dass es überhaupt Menschen gibt. Für Menschen ist „Demokratie“: die aktive Beteiligung aller Menschen an ihrem eigenen Staat eine grundsätzlich unverlierbare Möglichkeit.

Aber natürlich sind wir Menschen auch frei, uns beständig dafür zu entscheiden, in politisch unnormalen Zeiten zu leben, solange wir dazu lustig sind.

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