Im ersten Augenhöhe-Film gibt es so eine Sequenz, in der ein Mitarbeiter der Systelios-Klinik sinngemäß sagt: „Wir haben versucht, einen Raum zu schaffen, beim dem man vom ersten Augenblick merkt: Hier ist etwas gut.“

Ich finde, dass wir alle vom ersten Augenblick an merken, wenn wir einen solchen sozialen Raum betreten. Z.B. ist der Hort meines Sohnes so ein Ort. Gleich bei der ersten Vorstellung damals vor ca. 4 Jahren sahen meine Frau und ich uns an und bestätigten uns wechselseitig: „Das hier fühlt sich gut an. Der ganze Umgang miteinander, die die in ihrem Team zu haben scheinen. Wie sie miteinander sprechen. Wie sie übereinander sprechen.“ – Das hat sich dann in den 4 Folgejahren bestätigt. Einen Großteil der Grundschulzeit haben wir als Familie nur deswegen einingermaßen heil überstanden, weil es auch den Hort hab. Er wirkte wie ein Stressableiter. Wo das Teamgefühl sonst fehlte, war im Hort immer ein Ansprechpartner da. Und wenn man grade mal wieder an den Lehrern verzweifelte, dann wurde man dort wieder aufgebaut und bekam als Elternteil das Gefühl vermittelt: „Euer Sohn ist im Großen und Ganzen völlig okay. Wir mögen und schätzen ihn.“ – Das tut zwischendrin der armen, geschundenen Elternseele richtig gut.

Oder als ich mich zum ersten Mal selbständig gemacht habe. Da waren wir auf einer Projekt-Kick-Off-Veranstaltung. Und als ich den Raum betrat und die Projektleiter den Mund aufmachten, wusste ich sofort: Für diese Menschen will ich arbeiten! Das hier ist gut! – Ein Gefühl, dass sich dann über die folgenden Jahre vollständig bewährt und bestätigt hat.

Und heute Abend waren wir auf einem Schulvorstellungsabend (unser Sohn steht vor dem Übertritt nach der Grundschule). Und auch hier das gleiche Gefühl, im Grunde schon von der ersten Sichtung auch bloß der Schulwebsite an: Irgendwas ist hier gut. Irgendwas fühlt sich hier einfach gut an. Jedenfalls ganz anders als bei einer anderen Schule, auf der wir ihn ebenfalls (ortstechnisch) anmelden könnten. – Keine Ahnung, ob sich dass dann auch wieder langfristig bestätigt. Heute Abend haben wir in den 3 Stunden vor Ort jedenfalls nichts Negatives bemerken können. Und wir beide, meine Frau und ich, sind da „sozial hypersensibel“. D.h. atmosphärische Störungen nehmen wir in der Regel unmittelbar war. Wie gesagt bin ich allerdings der Meinung, dass das alle Menschen tun. Man muss nur „seine Sinne aufmachen“ und halt überhaupt hinschauen, hinhören. „Menschliche Qualität“ erkennen wir alle ganz unmittelbar. Dafür haben wir alle „ein Organ“.

Dabei sind es weniger die Details. Die Schule, auf der wir heute Abend z.B. im Umbau und wirkt architektonisch wie ein Albtraum (so ein klassisches 70er-Jahre-Beton-Monster). Aber das ist es nicht, was die Atmosphäre bestimmt. Es ist irgendwie die Wertschätzung „die in der Luft liegt“: Für die Kinder, der Lehrer füreinander, für die Eltern, für das Lernen an sich, für das soziale Miteinander an sich. So eine entspannte Form von: Das hier ist wichtig und es ist nicht egal, wie wir das hier miteinander machen.

Ich frage mich oft, ob „gute soziale Atmosphären“ wirklich „machbar“ sind. Denn es gibt ja immer viele Vorgeschichten (im Grunde bei jedem einzelnen der beteiligten Menschen, aber auch des sozialen Gebildes selber). Und es gibt einen sozialen Kontext, Rahmenbedingungen, Vorgaben und Gesetze, die weitgehend unverfügbar sind. Die nur hingenommen und mit denen nur umgegangen werden kann, die aber selbst nicht beeinflussbar sind.

Irgendwie scheinen es aber manche menschliche Gemeinschaften es ganz gut hinzubekommen, „damit insgesamt gut umzugehen“.

Wenn ich im Moment sagen müsste, wie sie das machen, dann würde ich in meiner ganzen Verlegenheit und mit halbem Gestammel sagen: Indem sie das Miteinander selbst würdigen. Indem sie die soziale Atmosphäre selbst wertschätzen – und beständig auf sie achten. Ihr beständig Aufmerksamkeit schenken. Und darin nie völlig nachlässig werden.

Denn wie heißt es so schön?: Dasjenige, dem Menschen ihre Aufmerksamkeit schenken, das wächst.

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