Wird jeder Mensch als wichtiger und unersetzlicher Bestandteil des politischen Gemeinwesens betrachtet, dann sind Arrangements nur noch schwer nachvollzuziehen, in denen sich einige oder sogar die meisten von uns in der Politik vertreten lassen.

Also: Dass wir unsere „Stimmen abgeben“, damit dann andere für uns unsere Stimmen in der Politik erheben sollen. Dass sich in der Folge dieser Stimmabgabe dann andere für uns in der Politik mit noch anderen auseinandersetzen sollen, die ihrerseits noch andere vertreten, anstatt dass wir selbst unserer Bürgerschaft nachgehen und uns selbst mit den Leben, Wünschen und Sorgen unserer Mitbürger auseinandersetzen. Diese ganze Indirektheit und vertrackte Mittelbarkeit von Politik erscheint dann völlig absurd, umständlich und dysfunktional.

Politik ist dann eine Arbeit, bei der man unersetzbar ist, die keiner Vertretung oder Delegation zugänglich ist. Die man als Bürger selber erledigen muss.

Politik gehört dann, anders gesagt, zum menschlichen Leben dazu. So wie atmen, essen, trinken und schlafen. Ein völlig „unpolitisches Leben“ gibt es dann nicht.

Und „professionelle Politik“ kann unprofessioneller Politik vielleicht dienen, aber sie kann sie nicht ersetzen.

Es steht dann außer Frage, dass jeder von uns einen Teil seines Lebens als Politiker verbringt und seinem Gemeinwesen dient. Nicht nur, indem er brav Steuern zahlt, sondern indem er Zeit investiert, höchst unbrav seine Stimme erhebt und seiner individuellen Lebensperspektive auf den Versammlungen der Bürger allgemeines Gehör und allgemeine Anerkennung verschafft.

Jeder Mensch hat so betrachtet zwei Leben, die sich sehr verschieden gestalten, die aber zusammen bereichernd für uns alle wirken: Ein privates und ein politisches. Ein privates Leben mit bestimmten, individuell von ihm ausgewählten Menschen. Und ein politisches Leben mit allen.

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