Ich persönlich liebe den Ausdruck „Wahrnehmung“. Ich finde, er trifft vieles zugleich, das mir wichtig ist und was sich für uns lohnt, wenn es immer mal wieder unsere Aufmerksamkeit bekommt.

Z.B. dass es Wahrnehmung ein aktiver Vorgang ist. Es reicht nicht, dass etwas einfach nur da ist. Solange es nicht auch von uns „für wahr genommen“ wurde, hat keine Wahrnehmung stattgefunden.

Damit verbunden: Es gibt eine solche Überfülle an Dingen, Vorgängen, Signalen, die wir uns nehmen oder die wir unwahrgenommen lassen können, dass der Begriff „Wahrnehmung“ deutlich macht, dass wir immer mit unzähligen Wahrnehmungs-Filtern unterwegs sind. Die Menge des Nicht-Wahrgenommenen übersteigt die Menge des von uns Wahrgenommen immer in einer unendlichen Menge. Und das gibt uns stets Möglichkeiten: Denn sobald wir „anderes wahrnehmen“, wird für uns anderes möglich, denkbar, handelbar.

Auch, dass alles, was mit „Wahrheit“ verknüpft ist, mit Wahrnehmung los geht, scheint mir in dem Ausdruck „Wahrnehmung“ mit begriffen zu sein. Wahrnehmung (und Nicht-Wahrnehmung) ist aller Wahrheiten Anfang. – Und so wird auch hier zur wichtigeren Frage, nicht ob etwas „wahr“ ist, sondern ob wir das für uns jeweils Beste und Relevanteste für wahr genommen haben, oder doch eher verleichbar unwichtiges oder unproduktives, nach dessen Wahrnehmung wir uns in einer Situation wiederfinden, in der wir keine wirklich guten Handlungsoptionen mehr haben, sondern nurmehr Drama und Tragik.

Jenseits der eigenen Wahrnehmung liegt also immer unendlich viel Unwahrgenommenes, das, sobald wir auch das oder stattdessen das wahrnehmen, aus uns völlig anders Empfindende und völlig anders Handelnde macht.

So liegen in der Wahrnehmung, in der Art und Weise unserer Wahrnehmung, unsere ganzen Welten. Sobald wir unsere Wahrnehmung verändern, finden wir uns in der vermeintlich gleichen Welt in völlig verwandelten Situationen wieder. Situationen, die sich mit unserer früheren, spezifischen Wahrnehmungen nicht einmal haben erahnen lassen. Von „ausdenken“ ganz zu schweigen.

Insofern hat unsere Wahrnehmung viel Wahrnehmung verdient. Unsere Wahrnehmung wahrzunehmen kommt uns in einem sehr umfassenden Sinn zu Gute.

 

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