Über die Jahre hat sich in mir ein recht simples Weltbild zusammengepuzzelt, das ungefähr folgendermaßen aussieht:

Die Welt besteht vor allem anderen aus „Menschen“. Und diese merkwürdigen Wesen sind vor allem anderen ein Konglomerat von körperlichen Prozessen, die zunächst einmal weitgehend unabhängig voneinander ablaufen. Alle Menschen werden immer wieder hungrig und durstig, brauchen Schlaf, Anregungen, Beruhigung, Bewegung, Austausch, etc. – Alles Vorgänge, die man wahrscheinlich irgendwie physisch messen könnte, wenn man es darauf anlegen würde. Alles Vorgänge, die unweigerlich ablaufen, unabhängig von unserer Willkür. Wir alle können uns selbst nicht „unbedürftig“ machen.

Und dann gibt es da noch die Kommunikation, die zwischen diesen Wesen abläuft. Man könnte auch nicht sagen, dass diese zwischenmenschliche Kommunikation „nachträglich“ zum körperlichen Geschehen, das Menschen darstellen, dazukommt. Vielmehr ist diese Kommunikation immer schon da. Das heißt, alles Individuell-Körperliche findet bereits eingelagert statt in die zwischenmenschlichen Prozesse, die die ganze Zeit über ablaufen. – Das individuell Körperliche und das sozial Körperliche sind „gleichzeitig“.

Was nun besser oder schlechter im menschlichen Leben sein kann ist weniger das Individuell-Körperliche. Das ist, wie es halt ist. Es ist in viel höherem Ausmaß unveränderlich und „gegeben“. Es stellt die weitgehend unveränderlicher Basis unserer Welt dar.

Was hingegen hochgradig veränderlich ist, ist die Art und Weise, wie wir miteinander in Kontakt treten, also eben die „Kommunikation“. Diese Kommunikation ist auch keineswegs rein verbal-sprachlich, sondern sie trägt gerade in ihren wirksamsten und intensivesten Momenten einen starken körpersprachlichen Anteil in sich.

Will man also „unsere Welt verbessern“, schraubt man besser nicht an uns Menschen herum. Viel eher lohnt sich ein genauerer Blick darauf, wie wir miteinander in Kontakt treten, uns austauschen und miteinander verbinden. Was wir dabei vermeiden oder vergessen zu tun. Und wie wir dieses ganze Miteinander gestalten, bei dem gleichzeitig in jedem von uns 1000e körperliche Prozesse ablaufen, die uns allesamt zu sehr verletzlichen (und auch: sehr manipulierbaren) Wesen machen.

Aus diesen zwei einfachen Elementen: Aus uns selber als körperlichen Wesen und aus dem, wie wir miteinander in Kontakt und Verbindung treten, besteht seit einigen Jahren meine ganze Welt.

Und bisher bin ich noch an keinen Punkt gekommen, der mich dazu gezwungen oder mir irgendwie nahegelegt hätte, mein Weltbild wieder komplizierter zu machen.

Anders gesagt: Diese einfache Aufteilung aus menschlicher Bedürftigkeit und menschlicher Zuwendung reicht völlig aus, um sämtliche Ereignisse zu erfassen, die meinen Wahrnehmungshorizont durchbrechen und bis zu meinem kleinen, gut gefilterten Bewusstsein vordringen.

Auch alle ethischen und politischen Unterschiede, die wir nur machen können, finden sich in diesem Modell gut abgebildet. Insbesondere in Fragen danach, wie wir denn gerade über unsere jeweiligen Bedürftigkeiten kommunizieren, die immer gleichzeitig mit uns im Raum sind. Ob wir uns wechselseitig darüber informieren, was gerade bei uns alles so los ist, und wie wir dafür sorgen, dass all dieses „Lose“ auch wirksam ins allgemeine menschliche Bewusstsein Aufnahme findet.

Denn die meisten menschlichen Bedürfnisse bleiben, schlechte Kommunikation vorausgesetzt, schlichtweg unbewusst und damit auch kaum „berücksichtigbar“ in den zahllosen Handlungsplänen, die wir alle ständig freisetzen und denen wir alle ständig nachgehen.

„Das Schlechte in der Welt“ erscheint damit als eine völlig banale „Unabgestimmtheit“. Das mag vielen als völlig naiv erscheinen. Mir erscheint es jedoch seit Jahren einfach als „schlüssig“.