Ich neige ja manchmal schon zu etwas arg naiven Annahmen und Sichtweisen. Z.B. zu der folgenden:

Als ich noch etwas jünger war, war ich beziehungstechnisch sagen wir es mal freundlich: katastrophal aufgestellt. Ich schnallte meist rein gar nichts von dem, was gerade los war, weder bei den Menschen um mich herum, noch bei mir selber, noch zwischen uns. Als Besetzung für den komisch-schrägen Typen in der jeweiligen Gruppe war ich so gut wie immer ein besonders heißer Kandidat. ( – Manche meiner Freunde behaupten ja, das sei auch heute noch so…)

Zum ersten Mal ansatzweise bewusst wurde mir das in der 11. oder 12. Klasse, als wir mit ein paar Klassenkameraden das damals beliebte Gesellschaftsspiel „Therapy“ spielten und – für mich völlig überraschend – alle meine Mitspieler völlig einhellig der Meinung waren, ich sei derjenige in der Runde, der sich am relativ wenigsten um Konventionen scheren würde. Das war für mich als Jugendlicher damals komischerweise nicht unbedingt ein Realitätsfeedback, nach dem ich jubelnd im Viereck gesprungen wäre.

houston rockets dance GIF by NBA

Nun, was kann ich sagen: Beziehungsinkompetenz ist eine ziemlich unangenehme Sache, wenn Du sie an der Backe hast. Damit will man auf Dauer eigentlich ungefähr genauso gern leben wie mit einem fetten, schmerzhaften Furunkel am Hinterteil. Es kam also wie es kommen musste, und ich lernte – recht mühselig – auf dem zweiten, dritten, vierten Bildungsweg, wie man im Großen und Ganzen einigermaßen mit anderen Menschen klar kommt (und damit zugleich: mit sich selber).

Für mich selber, in meinem privaten, stillen Kämmerlein, ist das eine veritable Superhelden-Story, eine rundum gelungener Entwicklungsroman von monumentalen Ausmaßen. Objektiv gesehen, im Vergleich zu anderen Menschen, ist es wohl eher so, dass mir ein Weg von almost Zero to halbwegs akzeptabler Durschnitt in Sachen Beziehungskompetenz gelungen ist. Auch heute noch bekomme ich viel nicht mit, verrutschen mir Bedeutungen von sozialen Ereignissen, schätze ich Beziehungssituationen völlig falsch ein, bin ich vom Verhalten meiner lieben Mitmenschen komplett überrascht oder erliege immer wieder alten persönlichen Reflexen, die nicht wirklich produktiv sind für gelingende Beziehungen.

Dennoch bin ich natürlich recht stolz, dass das überhaupt möglich war, sich so nach und nach ranzutasten an das Thema „gelingende Beziehungen, die für alle an ihnen Beteiligten überwiegend erfreulich sind“.

Und hier kommt nun meine naive Sichtweise ins Spiel: Mit Blick auf meine verzweifelte, dauer-katastrophale Ausgangslage denke ich mir oft:

„Wenn sogar MIR komplettem Beziehungsidioten so eine Entwicklung möglich war, dann kann sich wirklich JEDER, der das möchte, mit der Zeit brauchbare Beziehungsskills aneignen!“

Ich halte Beziehungskompetenz für ganz grundsätzlich lernbar, weil ich keinen müden Cent darauf gewettet hätte, dass es in meinem eigenen Fall jemals möglich werden könnte, dass die allermeisten meiner Beziehungen irgendwann doch ziemlich okay sind.