Gerade irgendwo gelesen: „Take care of your employees and they’ll take care of your business, it’s as simple as that.” – Richard Branson. Oder, vom gleichen Herren: „Train people well enough so they can leave, treat them well enough, so they don’t want to.“

Also: Menschen gut behandeln – und alles wird gut.

Dazu könnte man jetzt viel sagen. Mit Philo-Background neigt man dazu zu fragen:

Äh, und was heißt jetzt hier „gut“? Wer legt das wie fest?

Mit Coaching-Background fragt man vielleicht u.a.:

Und wie bemerkt das nun wer, ob das der Fall ist? Oder: Wenn das allgemein der Fall ist, was ist dann vorher höchstwahrscheinlich passiert?

Und als Leser, mit einfachem Gemüt und gesunder Grundskepsis:

Wer genau ist denn eigentlich der Adressat der Ratschläge in diesen beiden Zitaten?

Gut, nehmen wir mal an, ich selber wäre der Adressat. Wann genau fühlen sich Menschen von mir „gut behandelt“?

Vermutlich: Wenn ich starke Verstehens-Signale sende. Wenn ich ihre Beiträge, Stärken, Bemühungen und Leistungen erkennbar wertschätze. Wenn ich mich um ihr leibliches wie seelisches Wohlergehen verdient mache. Wenn ich ihren Wünschen, Ängsten und Bedürfnissen Raum gebe. Und wenn ich durch mein Verhalten unter Beweis stelle: „Du bist mir wichtig. Wie es Dir geht und was Du willst, ist mir nicht egal!“

Gut, kommen wir mal zu mir zurück. Ich lauf ja nicht den ganzen Tag in Jesus-Latschen herum, bin kein Halbgott und deswegen selber oft scheißbedürftig. Was also brauche ich selber, um andere Menschen gut behandeln zu können?

Vermutlich: Dass mir andere Menschen starke Verstehens-Signale senden. Dass sie meine Beiträge, Stärken, Bemühungen und Leistungen erkennbar wertschätzen. Dass sich andere um mein leibliches und seelisches Wohlergehen verdient machen. Dass andere meinen Wünschen, Ängsten und Bedürfnissen Raum geben. Und dass andere durch ihr Verhalten unter Beweis stellen: „Ich bin ihnen wichtig. Wie es mir geht und was ich will, ist ihnen nicht egal!“

Gut. Also. Ähm. Und wer macht jetzt den Anfang?

Viele sagen darauf reflexartig: Na ich, ich mach natürlich den Anfang! Wenn ich nicht selber damit anfange, kann ich das ja schlecht von anderen erwarten! Sei Du selbst der Wandel… usw. usf.

Aber natürlich könnte man das Ganze auch einfach mal etwas „systemischer“ betrachten.

Das allerdings könnte dazu führen, dass man deutlich zurückhaltender wird in der eigenen Antwort auf die Frage, wer oder was den Anfang machen sollte, beim guten alten „Menschen gut behandeln“.