„Beispiele verschiedenster Zeiten zeigen, dass auch der >>kleine Mann<<, wenn seine Gesellschaft im ganzen stark für eine Sache interessiert und engagiert ist, ein beachtliches Ausmaß des Aufnehmens, Verarbeitens und Verstehens entwickelt.“

– Christian Meier: „Aischylos‘ Eumeniden und das Aufkommen des Politischen“

Ich sehe mal großzügig davon ab, dass es nach meiner Erfahrung gar keine „kleine Menschen“ gibt, sondern nur Menschen, die sich künstlich klein machen, weil ihnen das unter ganz bestimmten Umständen ein relativ besseres Leben ermöglicht.

Doch die Angst vor der vermeintlichen Inkompetenz, besonders vor der politischen Inkompetenz des „kleinen Menschen“ ist in aristokratisch geprägten Gesellschaften weit verbreitet. Deswegen müssen alle Nicht-Aristokraten selbstverständlich soweit wie nur möglich von der Politik ferngehalten werden. Meinen zumindest die Menschen, die Aristokratie für schön und gut halten.

Dem kann man langatmige philosophische Erörterungen darüber entgegenhalten, wie bei uns Menschen „Kompetenzen“ generell und politische Kompetenzen insbesondere entstehen. (Kurzversion: Die Bedeutung von Talent in der Politik wird überschätzt, die Bedeutung von politischer Erfahrung wird hingegen unterschätzt).

Oder man kann darauf hinweisen, was es mit uns Menschen allen Erfahrungen nach macht, wenn man uns ganz offen und unbedingt Verantwortung überträgt und zutraut.

In jedem Fall ist aber die Annahme, das große Unglücke über eine Gesellschaft hereinbrechen, die doch tatsächlich mehr als nur ein paar erlauchte Hanseln über ihr Schicksal entscheiden lässt, einer der größten Hemmschuhe auf dem Weg zu mehr Demokratie.

Doch Menschen, die diese Annahme teilen, landen erkennbar immer wieder in der gleichen Aporie, die für sie – gerade wegen der von ihnen fest umklammerten Annahme – unlösbar bleibt: Sie müssen „die unverständigen, unwissenden Massen“ zu ihrem Glück zwingen. Sie müssen sie manipulieren, betrügen, ihnen Informationen vorenthalten, sie mit staatlichen Gewaltmitteln einschüchtern.

Mit anderen Worten: Sie selbst werden zu einem politischen Problem. Zu genau dem Problem, das mit Demokratie sehr gut und sehr einfach lösbar ist.