Das Problem mit vielen Sachen, die wir so sagen, ist nicht, dass sie nicht wahr wären. Das Problem ist viel eher, dass es nie „die ganze Wahrheit“ ist. Das heißt, es sind zugleich noch viele andere Wahrheiten „da draußen“ (oder „da drinnen“), die unausgesprochen bleiben, von denen die Wahrheit, die wir gerade aussprechen ablenkt. Die ungesagt und unausgesprochen bleiben, weil wir so an dieser einen Wahrheit hängen, die wir gerade so gut vertreten, „weil sie eben wahr ist“.

Nur ist sie eben oft gerade nicht die wichtigste unter den 10.000 Wahrheiten, die es überhaupt gibt. Oft nicht einmal für uns selber.

Damit eine Wahrheit es verdient hat, von uns ausgesprochen und vertreten zu werden, reicht es nicht aus, dass sie wahr ist. Das sind zahllose andere Sachverhalte und Vorgänge und Zusammenhänge auch. Gleichzeitig mit dieser einen Wahrheit, die uns gerade so lieb ist, so ans Herz gewachsen, so gewohnt, so neu für uns selbst, so vermeintlich so unglaublich wichtig, dass sie allen unseren anderen Wahrheiten den Atem raubt und den Gesprächsraum wegnimmt.

Vielleicht, irgendwann, entsteht in uns, mit uns, mit anderen ja auch ein Platz für die ganze Wahrheit.