Es zeichnet die Abstraktion aus, dass sie gezielt von bestimmten Dingen absieht, möglicherweise sogar von wesentlichen Dingen, um über andere bestimmte Dinge Aussagen machen zu können.

Da das für jegliche Form von Denken gilt, können wir sagen: Alles Denken ist „abstrakt“. Aber nicht alles Denken ist unwesentlich.

Die Instanz dafür, ob ein Denken wesentlich oder unwesentlich ist, ob es also „die richtigen Dinge“ fokussiert, während es „von den richtigen Dingen“ absieht oder wegschaut, ob es die richtigen Dinge „begreift“, während ihm die richtigen Dinge durch die Finger schlüpfen und „entgleiten“, – diese Instanz sind wir selbst.

Je nachdem, was wir selbst gerade als wesentlich empfinden, wird uns ein Gedanke berühren und erwärmen oder kalt lassen und auf die Nerven gehen. Dieses Wesentliche beim Anderen zu verfehlen, ist ein ganz unvermeidlicher Bestandteil des Denkens, denn Denken ist kein Dialog. Bestenfalls ist es eine völlig einseitige Mitteilung darüber, was jeweils gerade uns selbst als wesentlich erscheint. Denken bedeutet auch, dass wir uns selbst wichtig genug nehmen, um den Dialog vorübergehend sehr einseitig werden zu lassen. Was zu lustigen Effekten führt, wenn wir das alle gleichzeitig tun.

Dass ein Denken nicht „die ganze Wahrheit“ umfasst, ist daher kein sinnvoller Einwand gegen dieses Denken. Denn das kann kein Denken leisten.

Es sei denn jener Einwand wäre gedacht als ein Einwand gegen das Denken überhaupt.