…wenn in einer vielfältigen, heterogenen Großgesellschaft, die zu groß ist, als dass sie sich noch über unmittelbare Beziehungen zwischen allen Mitgliedern stabilisieren könnte, die Menschen dieser Gesellschaft immer wieder in zufällig gelosten Auswahlen zusammenkommen, sich in ebenfalls zufällig gelosten Kleingruppen austauschen und beraten, und in dieser Beratenheit dann gemeinsam Entscheidungen treffen, die für die ganze Gesellschaft vorläufig verbindlich sind, wobei alle gelosten Menschen gleiches Beitragsrecht und gleiches Stimmrecht haben.

„Vorläufig“ heißt: Bis zur nächsten solchen gelosten Zusammenkünft der Menschen dieser Gesellschaft, die sich auf diesem Wege: durch ihre beständige, gleichwahrscheinliche Beteiligung aller an der Gestaltung ihrer Gesellschaft, überhaupt erst zu Bürgern machen.

Die Demokratie ist daher die einzige Gesellschaftsform, die überhaupt aus „Bürgern“ besteht. Alle anderen Gesellschaften mögen ihre Mitglieder zwar „Bürger“ nennen, doch zum allergrößten Teil besteht dieses „Bürgertum“ dann eben nur auf dem Papier und nicht in Aktivität, nicht in einer gemeinschaftlichen Praxis.