Es gibt nicht viele Dinge, die wir heute über uns selber und unsere Beziehungen zueinander sicher wissen. Dazu sind wir zu verschieden, zu vielfältig.

Zu den wenigen Dingen, die wir über uns wissen, die also „menschliche Universalien“ sind, gehört, dass uns Zwang und Manipulation gute Beziehungen unmöglich machen. Werden unsere Gefühle und Bedürfnisse nicht gewürdigt, spielen sie in einer Beziehung nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle, dann versuchen wir uns „zu rächen“, d.h. dem anderen klar zu machen, dass das so auf keinen Fall weitergeht. Er soll am eigenen Leib spüren, was wir am eigenen Leib spüren. Gerade Menschen in Machtpositionen, die mit der Zeit ganz automatisch und menschlicherweise nicht mehr so darauf achten, auf die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen einzugehen oder sie überhaupt wahrzunehmen, können sich daher ihres Glücks und ihres Lebens niemals wirklich sicher sein.

Insofern stellt sich gesellschaftlich, institutionell zwischen Menschen stets die Frage, wie wir Zwang und Manipulation systematisch vermeiden bzw. wie wir gute Beziehungen zwischen uns ermöglichen und fördern können.

Es stellt sich die Frage, wie wir selbst auf „Zwang und Manipulation“ verzichten können, und es dennoch oder gerade deswegen bewirken, dass andere Menschen auf unsere Bedürfnisse eingehen.

Zwang und Manipulation, das universelle Gift für menschliche Beziehungen, werden von uns dann interpretiert als eine „menschliche Verlegenheit“: Aus einer Situation der Unfähigkeit oder Unwissenheit, wie wir es denn sonst bewirken sollen, dass sich andere kooperativ verhalten und auf das eingehen, was für uns wichtig ist, greifen wir zu ihnen.

Wir beginnen dann „zu kämpfen“. Und so verwandelt sich unser Leben aus einem Beziehungsgeschehen in einen einzigen großen Kampf.

Sobald aber bessere Handlungsmöglichkeiten auftauchen, erzeugt durch bessere Institutionen, die wir uns geben, haben wir keinerlei Probleme damit, auf Kampf, Zwang und Manipulation zu verzichten. Auf sehr zuverlässige Weise fühlen wir uns dann erleichtert. Denn es gibt menschliche Zuverlässigkeit. Das wird nur gelegentlich vergessen. Und natürlich auch, worin genau diese menschliche Zuverlässigkeit besteht.

Werbeanzeigen