Schauspielerei im Alltag hat einen denkbar schlechten Ruf: So sehr wir vielleicht Filme und Theater lieben, mit alltäglicher Schauspielerei verbinden wir eher so etwas wie Falschheit, Unauthentizität, Intrige und üble Manipulation.

Dabei hat Schauspielerei einige recht interessante Eigenschaften, mit der sie sich auch in unserem Alltag recht nützlich machen kann:

Nicht nur, dass auch in der „richtigen Schauspielerei“ die meisten Schauspieler ja nur höchst selten etwas spielen, was sie selber überhaupt gar nicht sind – vielmehr übertreiben sie nur vorhandene Seiten oder vereinseitigen sich selber ganz gezielt -, es ist auch so, dass jene „Übertriebenheit“ der Schauspielerei bestimmte innere Regungen für das Publikum überhaupt erst erkennbar macht. Gerade im Theater gilt das wohl. Filme haben für sowas Close-ups.

Schauspielende Übertreibung hat dann eben auch im Alltag ein paar nicht zu unterschätzende Vorteile: Unser alltägliches „Publikum“ auf den „Bühnen unseres Lebens“ kann uns in dieser Übertriebenheit viel leichter greifen. Andere Menschen wissen dann gerade durch unsere Schauspielerei „ganz genau, woran sie bei uns sind“. Denn so betrachtet, ist Schauspielerei im Alltag vor allem Selbstausdruck. Aber eben Selbstausdruck so, dass auch andere etwas mit unserem Innenleben anfangen können.

Wenn wir also z.B. gerade etwas müde sind (ich schreibe diesen Artikel an einem Montag Morgen und gestern Abend ist es recht spät geworden), dann sind wir im Schauspieler-Modus SO RIIIIICHTIG MÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜDE.

tired rory gilmore GIF by Gilmore Girls

Und wenn wir uns freuen, weil jemand was gemacht hat, was uns wirklich aufbaut, angenehm kitzelt, berührt, erleichtert, dankbar macht, dann schmunzeln wir eben auch nicht still in uns hinein, sondern…

rock n roll thank you GIF by Zakk Wylde

Schauspielerei ist dann eben nicht „subtil“, weil subtile Schauspielerei große Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen verlangt. Und – mit Verlaub – unsere Mitmenschen haben auch noch einiges andere in ihrem Leben zu tun, als immer nur auf unsere subtilen kleinen Andeutungen und Signale zu achten.

Kurz: Schauspielerei ist hochsozial und wir alle können es durchaus öfter mal übertreiben.

Aber natürlich können wir uns alternativ auch einen Bildschirm-Rahmen um unseren Kopf hängen und so durch unseren Alltag laufen. Vielleicht klappt’s dann ja mit den schauspielbefreiten zwischenmenschlichen Interaktionen…?

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