Politik ist ganz einfach:

Wenn alle Bürger unmittelbar zusammen kommen, keiner von ihnen öfter und keiner von ihnen seltener, wenn die Bürger vor ihren Beratungen unmittelbaren Zugang zu unterschiedlichen Experten und Betroffenengruppen haben, wenn sie sich vor ihren Entscheidungen untereinander in Kleingruppen austauschen können, und dann in einem für alle transparenten Verfahren abstimmen, kurz: wenn unter den Bürgern spürbare Augenhöhe und Unmittelbarkeit hergestellt wird, dann entsteht gute Politik.

Aber natürlich können wir Politik auch beliebig kompliziert machen, indem wir die Bürger (= polítas) von der Politik vorsätzlich fernhalten. Nur entsteht dann eben schlechte Politik. Und damit beständiger Unfrieden in der Polis, beständige Kämpfe zwischen den Bürgern. Die Vorstellung, dass einige wenige, stellvertretend für alle, gute Politik machen könnten, ist absurd. Mit der Zeit merken das auch diejenigen Mitbürger, die sich die Bürde unmöglicher Stellvertretungsversuche in unserer Gesellschaft über lange Jahre hinweg zugemutet haben.

Gute Politik entsteht dann, wenn die Last des Politischen unter denen, denen diese Last von Anfang bis Ende gehört, gleich verteilt wird. Wenn sich nicht einige wenige in der Politik aufopfern und kein Privatleben mehr haben, während die meisten sich in ihr Privatleben verstricken und kein Politikleben mehr haben.

Politik bringt die Gesellschaft beständig immer wieder neu in ihr Gleichgewicht. Sie kann nicht aus lauter Ungleichgewichten bestehen, aus völlig ungleicher politischer Beteiligung, und dennoch „gute Politik“ zustande bringen.

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