Durch Kinder machen wir uns ganz unglaublich verletzlich. Ich vermute, beinahe alle Eltern kennen das Gefühl: Man will seine Kinder vor allen möglichen Übeln beschützen – und man kann es nicht. Das ist eine Ohnmacht, die eine nochmal andere Qualität hat, als all die anderen Ohnmachten, denen man in seinem Leben ausgesetzt ist.

Es ist so, als hätte man sich „veräußert“: Da draußen läuft ein Teil von einem rum, aber man hat keine Kontrolle über ihn, man kann oftmals nichts für ihn tun. Und irgendwie – aus welchen Gründen auch immer – schmerzt uns das, was unseren Kindern widerfährt, noch einmal deutlich schlimmer als alles, was uns selbst widerfährt.

Es ist auch so, als hätte man sich durch seine Kinder nochmal ganz anders „mit dieser Erde verbunden“, als hätte man etwas auf ihr verloren, was nun ganz eindeutig nicht mehr einem selbst „gehört“, und dennoch hängt man da nun „mit drin“.

Es ist natürlich nicht das Kinder-Haben an sich, was einen so wahnsinnig verletztlich macht, sondern die Liebe, die man zu den eigenen Kindern empfindet.

Ich schreibe das alles nicht, um Menschen, die keine Kinder haben, die keine haben können oder wollen, oder auch einfach noch keine haben, ein schlechtes Gefühl zu machen. Vielmehr bin ich schon seit vielen, vielen Jahren überzeugt, dass gerade Menschen ohne Kinder für uns alle (also „für die Gesellschaft“) ganz besonders wertvoll sind. Und dass es unendlich viele Möglichkeiten für uns Menschen gibt, auch ohne eigene Kinder ein vollkommen erfüllendes Leben zu leben.

In „Kindern“ drückt sich vielmehr ein ganz allgemeiner, menschlicher Zusammenhang ganz besonders deutlich aus: Es tut uns Menschen einerseits ganz eindeutig unendlich gut, wenn wir uns darauf einlassen, jemanden oder etwas zu lieben. Sie, ihn oder es zu umsorgen. Uns an sie, ihn oder es zu binden. Und zwar so, dass wir diese „Bindung“ von unserer Seite nicht mehr auflösen können. Es tut uns gut, uns „etwas an Herz wachsen zu lassen“, „etwas zu verlieren zu haben“. Und andererseits, zugleich macht uns eben genau das unendlich verletzlich.

Die Liebe, um die es hier geht, ist weniger Eros oder Philia, sondern vielmehr Agape.

Ich persönlich glaube, es ist gut für uns, sich auf Agape einzulassen. Ich glaube, es ist gut für uns, „Eltern“ zu werden, im weitesten Sinne des Wortes, der weit über Elternschaft „nur“ für die eigenen Kinder hinausgeht. Menschen, die sich darauf einlassen, sich „elternhaft“ an etwas auf dieser Erde zu binden, sind zugleich glücklicher und verletzlicher, als Menschen, die davon frei bleiben.

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