Fragwürdige Hypothese1: Im Kontakt mit uns nahestenden Menschen, denen wir häufig direkt und unmittelbar begegnen, geben wir vor allem anderen Gefühle weiter und ganz bestimmte Umgangsformen mit ganz bestimmen Gefühlen (und erst in letzter Hinsicht: Gedanken). Sind wir z.B. fröhlich und zuversichtlich, so geben wir das weiter. Sind wir verzagt, frustriert und mürrisch, so geben wir das ebenfalls weiter. Das gilt insbesondere für unsere Kinder. Aber auch für alle anderen zwischenmenschlichen Begegnungen. Gute wie schlechte menschliche Verfassungen reproduzieren sich „sozial“.

Weitere fragwürdige Hypothese2: Es gilt zugleich auch das Umgekehrte, dass erst durch den Kontakt mit anderen unsere Gefühle sich verändern.

Ableitung1: Es kommt daher alles auf die Qualität unserer Interaktionen, unseres Kontakts, unserer Begegnungen, unserer Beziehungen an.

Hypothese3: Es sind vor allem die Rahmenbedingungen unserer Begegnungen, die darüber bestimmen, ob wir „gute Beziehungen“ oder „schlechte Beziehungen“ zueinander haben. Rahmenbedingungen bestimmen die Beziehungsqualität zwischen uns.

Ableitung2: Wollen wir mehr Reproduktion unserer besserer Verfassungen und weniger unserer schlechter Verfassungen, müssen wir gemeinsam auf die Rahmenbedingungen unserer Begegnungen Einfluss nehmen. – Letztere Tätigkeit nennen wir manchmal: „Politik“.

Da aber auch Politik selbst in Begegnung besteht, folgt daraus auch noch Ableitung3: Wir brauchen gute Bedingungen für Politik, um innerhalb des politischen Raums guten Kontakt zueinander zu haben, um in diesem guten Kontakt gemeinsam die Rahmenbedingungen zu gestalten, unter denen wir uns dann außerhalb der Politik („im Privaten“) besser begegnen können. – Oder anders ausgedrückt: Die Beziehungsqualität im politischen Raum muss besser sein als im privaten Raum, damit Politik überhaupt einen Sinn macht und positiven Einfluss auf unser (Zusammen-)Leben haben kann.

Sichere Zusatzhypothese4: Schlechte menschliche Verfassungen haben eine stärkere Reproduktionssicherheit als gute menschliche Verfassungen. – Der „natürliche“ zwischenmenschliche Gang der Dinge ist ein sich-selbst-fütternder Prozess, in dem unsere Beziehungen zueinander „von ganz alleine“ immer schlechter werden.

Wacklig-Sichere Ableitung4 aus allem bisher Gesagten: Damit das menschliche Leben keine Katastrophe in Dauerschleife ist, brauchen wir gute Politik.

Und gute Politik ist herstellbar. (5. Zusatzannahme. Oder Ableitung? Da bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher…)