Ich vergesse manchmal, dass es für uns überhaupt auch Möglichkeiten gibt, von unserer Intelligenz wohltuenden Gebrauch zu machen. Einen Gebrauch, in dem wir wir in guten Kontakten mit allen unseren Bedürfnissen sind, auf allen Ebenen und über individuelle Grenzen hinweg. Ein Gebrauch, in dem „Intelligenz“ sich geradezu über diese gute Verbundenheit definiert und über sie von „Dummheit“ unterscheidet.

Oft gehen wir davon aus, dass eine so umfassende Bedürfniswahrnehmung unsere Intelligenz überfordern würde, dass so viel Komplexität gar nicht in unseren kleinen Kopf hineinginge. Und vielleicht stimmt das auch.

Vielleicht ist es aber auch ganz anders: Unsere Intelligenz ist erst dann, erst dadurch „an ihrem Platz“, jenem Platz, an dem sie wohltuend wirkt und überhaupt wohltuend wirken kann, wenn sie mitten im Geschehen platziert ist und nichts Menschliches mehr aus sich ausgrenzen muss.

Ist es dann aber wirklich hilfreich zu sagen, dass unsere Intelligenz im vermeintlichen menschlichen Durcheinander „eine moderierende Rolle“ einnimmt?

Mir persönlich erscheint das Bild von der „Moderation“ unserer Intelligenz immer noch eine all zu „übergeordnete“ oder „dominante“ Rolle zuzuweisen. Eher handelt es sich bei wohltuendem Gebrauch unserer Intelligenz um ein „Voll-Dabei-Sein“ unserer Intelligenz, um „Geistesgegenwart“. Und die gibt es dann auch zwischen uns Menschen, d.h. politisch.

Was ist dann, so kontextualisiert, eigentlich der Gegenbegriff zu „Intelligenz“? (wenn wir sie ganz mit ihrem wohltuendem Gebrauch identifizieren)

„Geistesabwesenheit“ ist dann vielleicht ein heißer Kandidat für diesen Posten, für diese Position in der Einheit der Unterscheidung. Denn jeder Begriff ist nur so aussagekräftig, wieviel uns seine Spannung zu seinem Gegenbegriff eben hergibt.

Vielleicht ist ein guter Gegenbegriff zu „Intelligenz dann aber auch „Geisterhaftigkeit“ bzw. „Körpervergessenheit“. Oder „todbringener Zustand“.

Unsere Intelligenz wäre dann, dementsprechend eine lebensförderliche Kraft.

Eigentlich kein ganz unschöner Begriff, keine ganz unschöne Auffassung von dem, was wir täglich, unweigerlich tun.

Weil wir aus unserer Intelligenz ja ohnehin nur schwer herauskommen.

Aber kaschiert das dann nicht die Wahl, die wir haben? Unsere Intelligenz so oder so zu gebrauchen?

Oder ist die pragmatische Frage sinnvoller: Wie wir uns selbst helfen können, unsere Intelligenz wohltuend einzusetzen? Und das nicht nur gelegentlich, zufällig, sondern ganz überwiegend? Als „gute Gewohnheit“ sozusagen?

Oder sollen wir unsere Intelligenz eben doch lieber von ihrer potentiell fatalen Seite her betrachten? Von ihrer Steigerung unserer Dissoziationsfähigkeit her? Von ihrer Steigerung der Wahrscheinlichkeit her, dass wir aus aller Verbundenheit aussteigen und in den schwerelosen outer space abdriften?  – Wobei: Selbst unser häufiges Dissoziieren können wir durchaus auch positiv bewerten.

Im Moment glaube ich nur so viel zu wissen: Unsere Intelligenz lässt sich von uns auch so gebrauchen, dass sich Elemente unserer Welt, die sich in vermeintlicher „Feindschaft“ oder „in unversöhnlichen Gegensätzen“ zueinander zu befinden scheinen, plötzlich harmonisch zueinander anordnen und ein einziges, großes Konzert miteinander veranstalten.

 

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